
Angstwort Diät
Das griechische Wort für Lebensweise („diaita“) hat bei uns eine völlig falsche Bedeutung erhalten. Während es in seinem ursprünglichen Sinn auch die Arbeit, Freizeitgestaltung, Schlaf, Bewegung und geistiges Training inkludiert, verbinden wir heute vor allem eines mit dem Wort Diät: die Gewichtsabnahme. Zu Beginn seines Werkes stellt der Autor einen wichtigen Grundsatz auf: Es gibt nicht die absolute und ideale Methode, um schnell und einfach die Kilos purzeln zu lassen. Der
Beweis dafür sind die etwa 500 Abnehmprogramme, die mittlerweile existieren.
Bevor Treutwein den Lesern mit Tipps und Tricks eine Anleitung dazu gibt, den individuellen Ernährungsplan zu verbessern, klärt er über die gängigsten Mythen auf.
Hier einige Beispiele:
1. Fett macht fett und ist unbedingt zu vermeiden. Fett spielt eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit, wie Treutwein ganz richtig erklärt. Natürlich ist dies kein Freibrief, Fett in unendlichen Mengen zu verdrücken. Aber dem Cholesterin den Kampf anzusagen ist nicht nur mühsam, sondern auch unsinnig, denn wird zu wenig davon mit der Nahrung aufgenommen, produziert der Körper stattdessen selbst, was er für wichtige Vorgänge wie die Hormonversorgung, Blutgerinnung, Funktion der Körperzellen, etc. benötigt.
2. Schlank mit Kohlenhydraten – ohne Einschränkung! Die Warnung vor dem Fett löste einen Boom von Ernährungstrends aus, die einen Gewichtsverlust mit Kohlenhydraten versprachen. Eingelöst wurden die Versprechen nicht, ganz im Gegenteil – sie hatten sogar schädliche Konsequenzen. Nicht nur, dass die Leute zunahmen, auch die Diabetespatienten des Typs II (Alterdiabetes) wurden immer mehr. Denn bei den leicht verwertbaren Kohlenhydraten verkürzt sich der Verdauungsprozess: der Zucker geht rasch ins Blut, die Antwort ist aber trotzdem eine große Menge Insulin, die auf die Zuckerverwertung wartet. Die jahrelange Überforderung der Bauchspeicheldrüse lässt das Organ erschöpfen.
Die Antwort auf den ausbleibenden Diäterfolg war wiederum eine neue, einseitige Idee:
3. Die Glyx-Diät! Der glykämische Index (GI) ist eine Nahrungsmitteltabelle, die für Diabetiker entwickelt wurde. Sie ordnet die Nahrungsmittel danach, wie stark sie innerhalb von 2 Stunden nach ihrer Aufnahme den Blutzucker steigern. Je niedriger der Wert, desto langsamer geht der Zucker ins Blut, das Sattheitsgefühl steigt an und die Insulinproduktion wird weniger strapaziert. Der Verfasser von „Die Fettlüge“ erkennt jedoch wichtige Schwachstellen in der Glyx-Theorie: Erstens besagt sie, dass es auf die Höhe der Fett- und Energiezufuhr nicht ankommt – was schlichtweg falsch ist, und zweitens berücksichtigt die Tabelle weder die Zubereitung, den Reifegrad noch die Kombination der Speisen...
4. Machen wir’s den Griechen nach! Die Mittelmeer- oder Kreta-Diät hört sich sehr interessant an – viel hochwertiges Eiweiß aus Fisch und Meeresfrüchten, gesunde Fette aus Olivenöl, viel Gemüse... Leider ist die Bezeichnung völlig falsch, wie Treutwein aufzeigt: heute ist jeder dritte Jugendliche auf Kreta fettleibig. Denn auch Griechenland wurde nicht von der Fastfoodrevolution verschont. Mittlerweile fehlen dort ebenso häufig körperliche Anstrengung bei der Arbeit und der Bewegungsausgleich.
Treutweins Vorschlag: ADE – Abnehmen durch Essen
Wer absolute Verbote aufstellt, wird höchstens schnell in Versuchung fallen. Deshalb lautet die erste Regel des individuellen Ernährungsplans: Nichts ist gänzlich verboten. Damit die Gewichtsabnahme auf Dauer funktioniert, müssen die Gewohnheiten umgestellt werden, und zwar nicht nur in Bezug auf die Ernährung. Denn Sport ist dafür unentbehrlich! Wer ein Ernährungstagebuch anlegt, kann sich selbst auf die Schliche kommen. Die vielen Tabellen zu Fett-, Eiweiß- und Energiegehalt, zu den Fettsäuren, Nährstoffgehalt, etc. im Buch helfen beim Zusammenstellen, Streichen und Ersetzen am persönlichen Ernährungsplan.
Fazit: Eine gute Zusammenfassung, die nicht unbedingt große Neuigkeiten aus der Welt der Ernährungswissenschaft anführt, aber stark an den Hausverstand appelliert und deutlich aufzeigt: einseitige „Schlank in drei Wochen“-Diäten funktionieren auf Dauer nicht!
Autorin: Mag.a Anne Wiedlack
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