Friesentee - nördliche Wärme
Kluntje und Wulkje machen den Friesentee zu dem, was er ist. Alles zur ostfriesischen Teetradition und deren Geschichte.
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Friesentee ist eine Mischung kräftiger, meist gebrochener Tees. Je nach Hersteller wird in der Regel Assam, Ceylon im Verhältnis zwei zu drei zu eins zu drei gemischt. Ostfriesischer Tee ist besonders kräftig und wird mit weißem Kandis (Kluntje) und spezieller Teesahne getrunken. Der Nordfriesische Tee hat ein herrliches Aroma, das einem grade nach einem langen Spaziergang an der stürmischen Küste beschwingt und die Lebensgeister wieder erwachen lässt. Gerade Fischer lieben es nach einem harten Tag, abends durchnässt bei eines Tasse Friesentee vor dem Kamin zu sitzen.

Der Friese aus China

Tee und Nordfriesland – zwei Begriffe, die im Norden Deutschlands seit Jahrhunderten zusammengehören. Nordfriesland kann auf die wohl älteste Teetradition zurückblicken. Die Legende besagt, dass im Jahre 1735 vor Amrum ein Tee-Clipper strandete. Die Teekisten seien zufällig gefunden worden und die Amrumer schleppten das Strandgut als rechtmäßige Besitzer in ihre Häuser. Die getrockneten Teeblätter hielten die Amrumer damals wohl für eine Art Grünkohl, warfen sie in kochendes Wasser und wunderten sich über das ungenießbare Essen. Jahre später zeigte ein einheimischer Seefahrer, der viel in der Welt umher gekommen ist, den Amrumern die richtige Zubereitung des Tees: ein kräftiger Schuss Rum und ein bisschen Zucker sorgen seither für den wohltuenden Geschmack des Friesentees. Seither ist es in Ostfriesland Sitte, mindestens zweimal pro Tag Tee zu trinken, und zwar zwischen 10 und 11 Uhr vormittags und gegen 15 Uhr nachmittags. Zu jeder Teepause gehören drei Tassen Tee oder wie der Ostfriese sagt „dree is ostfreesenrecht“.

Die Zeremonie kann beginnen

Der Tee wird in die Kanne getan (man nimmt ca. 2 bis 3 Löffel Tee) und mit kochendem Wasser übergossen, sodass die Blätter gerade darin schwimmen. Die Teekanne wird auf ein Teestövchen gestellt und der Tee muss nun erst einmal ziehen. In der Zwischenzeit werden die Tassen vorbereitet. Große Kluntjestücke werden zerteilt und auf die Tassen verteilt. Nachdem der Tee gezogen ist, wird die Teekanne bis an den Rand mit kochendem Wasser gefüllt und eingeschenkt. Die Tassen werden dabei nur halb voll gemacht. Danach wird die Sahnewolke, das sogenannte „Wulkje“ auf den Tee gesetzt. Echte Ostfriesen rühren den Tee nicht, bevor sie ihn trinken, sondern trinken von der weichen Sahne, über den herben Tee zum süßen Kluntje. Ist die Teekanne halb leer, darf noch einmal kochendes Wasser nachgegossen und bei Bedarf auch noch Tee zugegeben werden.

Teegeiz

Ostfriesland ohne Tee? Unvorstellbar. Währen des zweiten Weltkrieges gab es für den bezugsberechtigten Ostfriesen ab dem 35. Lebensjahr eine monatliche Ration von 30 Gramm Tee. Wegen der fehlenden Importe aus dem Ausland griffen die Ostfriesen in ihrer Not zu sogenannten Teetabletten – ein Ersatz aus Aromastoffen und Zucker. Nach dem Krieg lebte der Teeschmuggel aufgrund von Knappheit und hoher Besteuerung auf. Nach 1949 verhinderte eine extrem hohe Teesteuer den Aufschwung im Teegeschäft. Erst 1953 wurde die Teesteuer deutlich verringert und seit dieser Zeit müssen Ostfriesen nicht mehr um ihren „Köppke Tee“ bangen.

Autorin: Mag.a Tina Veit

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