Mohn - die ölhaltige Wunderblume
Früher vom Arzt verwendet, heute vom Küchenchef. In Österreich hat sich sogar ein ganzes Dorf dem Mohn verschrieben.

Mohn, auf Lateinisch „Papaver somniferum L.“, ist eigentlich uralt: Er zählt zu den ersten europäischen Kulturpflanzen, immerhin wird er in unseren Breiten schon seit der Jungsteinzeit angepflanzt. Damals setzte man seinen Milchsaft eher als Mittel zur Schmerzlinderung ein – Mohn ist eine der ältesten Arzneipflanzen. In seiner Verwendung als Backzutat ist der Speisemohn wiederum aber eigentlich noch jung: Erst seit dem 16. Jahrhundert wird er auch für Speisen verwendet, seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird er großflächig angebaut. Und zwar in der Türkei, Tschechien, Ungarn, Indien und Australien.

Waldviertler Mohn

Auch Österreich ist ein Mohnbaugebiet – wie sich an der häufigen Verwendung von Mohn in der Küche erkennen lässt: Knödel, Strudel, Nudeln etc. Im Waldviertel werden beispielsweise pro Jahr zwischen 200 und 700 Hektar Mohn angebaut. Zwischen Ende Juni und Mitte Juli blühen die Mohnfelder rot, weiß und lila. Das war nicht immer so: Bis 1934 wurde „Zwettler Graumohn“ zwar sogar an der Londoner Produktenbörse gehandelt, während des 20. Jahrhunderts wurde in Österreich aber immer weniger Mohn angebaut. Der Grund waren die fehlende Mechanisierung und steigende Importe. Erst durch eine Initiative in den Achtziger Jahren wurde der Mohnanbau im Waldviertel wiederbelebt.

Viele Nährstoffe

Mohn gibt es übrigens in mehreren Farben: weiß, grau, blau und schwarz. Die Samen enthalten viele Nährstoffe wie Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und bioaktive Inhaltsstoffe. Weil die Samen des Mohns rund 45 Prozent Öl enthalten, wird daraus auch Mohnöl gepresst. Man kann es als hochwertiges Speiseöl in der kalten Küche, zum Beispiel für Salate oder Rohkostgerichte, verwenden.

Mohn wird aber auch als Rohstoff für die Farben-, Lack- und Seifenindustrie eingesetzt. Etwas konkreter: Künstler-Ölfarben bestehen häufig aus Mohnöl, weil es (halb)trocknend ist und kaum vergilbt.

Blühende Mohnfelder

In Österreich gibt es sogar ein „Mohndorf“: Der Waldviertler Ort Armschlag ist im Juli umgeben von blühenden Mohnfeldern, es gibt einen Mohnlehrpfad, einen Mohnstrudelwanderweg, einen Mohngarten, das „längste Mohnbild der Welt“, Seminare sowie Infos über die Geschichte des Mohns im Ort. Wer auf den Geschmack bekommt, kann sich im Mohndorf oder auf der Website jene Samen bestellen, die im Mohngarten blühen. Weiters bieten die Mohnbauern in Armschlag ihre Produkte Ab-Hof an, von Juli bis August gibt es sogar ein Mohnkino.

Mehr Mohn

Unter www.waldland.at gibt es ein Mohnkochbuch mit 67 Rezepten zu bestellen.
Unter www.waldviertlergraumohn.at kann man durch die „Mohncam“ zusehen, wie Mohnfelder wachsen und gedeihen.
Unter www.mohndorf.at gibt es Infos über das Mohndorf Armschlag.
 

Autorin: Mag.a Maria Kapeller

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