
Nikolaus von Myra
Wälder, schwer von Frost und Schnee (hierzulande soll man sie um diese Jahreszeit ja schon gesehen haben), haben die Wege seines Namensgebers, Bischof Nikolaus von Myra, vermutlich nie erschwert. Denn der echte Nikolaus lebte im 4. Jahrhundert nach Christus in Lykien, einer Region, die zur heutigen Türkei gehört. Von seinem Wirken erzählen Legenden.
So soll er die drei Töchter eines armen Mannes vor der Prostitution bewahrt haben, die als einziger Ausweg aus ihrer finanziellen Not erschien. Als der Bischof davon hörte, warf er eines Nachts drei Goldstücke durch das offene Fenster ihres Hauses und sorgte auf diese Weise dafür, dass die Töchter eine Mitgift hatten und folglich heiraten konnten. Der Heilige Nikolaus soll außerdem zum Tode Verurteilte vor der Hinrichtung bewahrt, auf wundersame Art Korn vermehrt, Schiffe aus Seenot befreit und durch seine Fürbitte bei Gott getötete Schüler wieder zum Leben erweckt haben. Er gilt deshalb bis heute als Patron der Seefahrer (Nikolauskirchen finden sich in fast allen Hafenstädten), der Kinder, Schüler, Studenten und auch der Kaufleute.
Das Nikolaus-Schiff
Die Verehrung des Heiligen Nikolaus begann im Mittelalter. Auch das Geschenke-Verteilen im Bischofskleid nahm hier seinen Ausgang und Nikolaus wurde schließlich vor allem zum Heiligen der Kinder, der gemäß der Legende von den drei Töchtern unerkannt und heimlich Geschenke bringt. Im 15. Jahrhundert entstand der Brauch des Schiffchensetzens: Der Gabenteller, das „Nikolaus-Schiff“, wurde von den Kindern selbst gebastelt. Erst später setzten sie Strümpfe, Stiefel und anderes Schuhwerk vor die Tür oder harrten, wenn der weißbärtige Mann selbst ins Haus kam, ungeduldig seiner Gaben: Immerhin wusste der dank seines goldenen Buches über all die begangenen, kleinen Sünden erstaunlich gut Bescheid. In Gebirgsregionen wurden schließlich Krampusse zu den höllischen Begleitern des Nikolaus ernannt, um dem Zittern um Äpfel, Nüsse, Mandarinen und allerlei Schokolade noch eins drauf zu setzen.
Nikolaus und Christkind
Dass das Christkind dem Nikolaus in Sachen Bescherung die Hauptlast abgenommen hat, ist übrigens auf Martin Luther zurückzuführen. Da sich die Protestanten gegen jede Art von Heiligenverehrung wandten, riefen sie das Christkind ins Leben. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Christkind auch katholisch. In den Niederlanden hielt man an „Sinte Klaas“ fest. Im englischsprachigen Raum wurde aus dem Heiligen Nikolaus der Weihnachtsmann. Der kommt bekanntlich nicht vom Walde her, sondern vom Nordpol und „jettet“ in seinem Rentierschlitten um die Welt.
Autorin: Angelika Stallhofer