Patchwork-Familie - zusammengefunden, zusammengeflickt?
Einen besonders guten Ruf hatten sie ja lange Zeit nicht, die Stiefelternteile. Man denke nur an Schneewittchen, wo die Stiefmutter die Tochter als größte Konkurrentin ausmerzen wollte. Heute sind Patchwork-Familien ein funktionierendes und akzeptiertes Lebensmodell. Von Startschwierigkeiten und Bereicherungen der Familien-Flickwerke.

Kapitel
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Grundsätze & Tipps fürs familiäre Patchwork• Es lebe die Demokratie! Redefreiheit und Gleichheit sollten die Standpfeiler sein, denn wer bemerkt, dass er oder sie ernst genommen wird, traut sich auch eher, einen Schritt auf den anderen zuzugehen.
• Gefühle können nicht erzwungen werden. Deshalb: Mischen Sie sich weder in die Beziehung der neuen Geschwister untereinander, noch in die des neuen Elternteils zu ihrem Kind ein.
• Das eigene Kind muss wissen, dass ihnen die Mutter bzw. der Vater bleibt. Es darf sich nicht zugunsten der Gleichstellung mit den Kindern des Partners vernachlässigt fühlen.
• Bei Schulkindern ist die Anerkennung sehr wichtig. Der Aufbau einer Beziehung gelingt in diesem Alter sehr gut, wenn der neue Partner eine gemeinsame, regelmäßige Tätigkeit findet, die für das Kind neu und interessant ist.
Gewohnheiten, Umstellungen & KompromisseEines darf trotz der unzähligen positiven Beispiele, in denen Familienzusammenführungen besonders gut funktioniert haben, nicht unterschätzt werden: der Unterschied zur bisherigen Lebensführung. Gerade deshalb müssen auch die Wünsche der Kinder beachtet werden, schließlich beginnt ebenso für sie ein neuer Lebensabschnitt. Jeder hat eine Geschichte, die er fortsetzen möchte – und sei er oder sie noch so klein. Das bezieht sich nicht nur auf Feste, Feiern und Rituale, sondern auch auf die Ernährung, etwa wenn ein kleiner Fast Food-Fan plötzlich mit feinstem Bio-Essen konfrontiert wird, und vor allem auf die Wohnsituation. Bevor zusammengezogen wird, muss einiges überlegt werden. Werden die Kinder die Schule wechseln (wollen)? Gibt es im neuen Zuhause genug Freiraum für die Kleinen und Großen? Es muss nicht alles auf einen Nenner gebracht werden, vor allem nicht um jeden Preis und schon gar nicht sofort.
Ein Zu-satz, kein Er-satzJedes Kind wünscht sich glückliche Eltern, soviel ist sicher. Trotzdem lassen sich die wenigsten einen Ersatzelternteil als Bezugsperson aufzwängen – Beziehungen müssen wachsen, auch zwischen neuen Geschwistern. Zu hohe Erwartungen und Einmischen kann in diesem Fall mehr Schaden anrichten, als dass es hilft, eine Verbindung aufzubauen. Viel eher ist ein offener Umgang die beste Voraussetzung. Denken Sie sich keine Rollen aus, die irgendjemand erfüllen soll, schließlich hat jeder seine persönlichen Bedürfnisse und außerdem: Aufopferung hilft keinem. Denn die Patchwork-Familie ist keine Notlösung, sondern eine Bereicherung!
Autorin: Mag.a Anne Wiedlack
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