Die Wandlungsphase Holz - das aktuelle Element in der chinesischen Ernährungslehre
Das Element Holz symbolisiert in der chinesischen Lehre den Aufbruch, die Flexibilität, Kreativität, Toleranz und Entscheidungsfähigkeit. Der Bambus gilt als Sinnbild für diese Fähigkeiten.
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Derzeit befinden wir uns in der Wandlungsphase Holz. Wann die Wirkung des Elements einsetzt und wieder endet, beantwortet uns  Ernährungsberaterin Siglinde Katharina Mayer, Ernährungsberaterin nach der Chinesischen Diätetik und Ausbilderin am Schlossberginstitut TCM-Akademie:

"Innerhalb der 5 Elemente ist der Frühling dem Element Holz zugeordnet. Während bei uns im Westen diese Jahreszeit erst am 21.März beginnt, ist der Frühling zu diesem Zeitpunkt in der traditionellen chinesischen Lehre an seinem Höhepunkt angelangt und hat bereits Mitte Februar begonnen; in China feiert man zu diesem Zeitpunkt auch den Beginn des neuen Jahres. Insgesamt umfasst eine Jahreszeit bzw. ein Element 73 Tage und so endet der Frühling um den 28.April, gefolgt von einer 18-tägigen Übergangszeit, der sog. "Dojo-Zeit", in der man sich wiederum auf den Sommer, sowohl von Seiten der Ernährung, des Lebensstils aber auch mental vorbereiten kann."

Holz unterstützt und nährt einerseits das Feuerelement, schränkt aber andererseits das Erdelement ein (Wurzel verdrängt Erde).

Der symbolische Gehalt des Elements Holz

Holz fördert Wachstum, Leben, Vitalität, Dynamik, Aktivität und Kreativität. Es geht ganz allgemein um eine Ausdehnung und expansive Kräfte, so wie auch ein neuer Morgen all die Möglichkeiten eines Tages eröffnet.

"Im Frühling kommen die Säfte und das Yang wieder an die Oberfläche zurück und machen sich in der Natur mit dem Austreiben der Bäume und Sträucher bemerkbar - auch der Mensch erlebt "Frühlingsgefühle" und fühlt sich vitalisiert“, erklärt Siglinde Katharina Mayer.

Der Bambus steht als Symbol für die Eigenschaften des Holzes: Bambus ist geschmeidig und flexibel, paßt sich also den äußeren Bedingungen optimal an und richtet sich auch immer wieder auf - ein klassisches "Stehaufmännchen" also. 

Hohe und zylindrische Formen werden ebenfalls dem Holzelement zugeordnet.

Was in dieser Wandlungsphase für Körper, Geist und Seele besonders wichtig ist:

Im körperlichen Bereich sind dem Holz die Leber als Yin-Organ und die Gallenblase als Yang-Organ zugeordnet:

"Die Leber - für die Geschmeidigkeit der Sehnen und Bänder, das Sehvermögen und die Speicherung des Blutes verantwortlich - ist auf der seelischen Ebene besonders anfällig durch Kränkungen, Wut und Frustrationen. Unser westliches Sprichwort es läuft einem eine Laus über die Leber trifft den Nagel auf den Kopf.

Die Gallenblase hingegen ist unser Entscheidungsträger nach außen, so wird jemand mit einem harmonisch fließenden Leber- und Gallenblasen Qi einerseits flexibel in seinem Denken und Handeln sein, andererseits Entscheidungen schnell, aber doch gut überlegt fällen können. Gerade dieser Funktionskreis ist von besonderer Wichtigkeit, regelt er doch nicht nur den Energiefluss in seinen eigenen Organen, sondern ist auch für die Harmonie in allen anderen Funktionskreisen verantwortlich.“

Tatenkraft, Abenteuerlust und konsequentes Handeln zählen zu den Stärken des Holzelements. Druck hingegen wirkt sich negativ aus - Holz benötigt Freiraum zur eigenen Entfaltung und ein gewisses Maß an Autonomie. Ein augeglichenes Holzelement kann mit Wut und Zorngefühlen richtig umgehen und diese Emotionen in geregelte Bahnen leiten. Auch das Auge und der Sehsinn sind dem Holz zugeordnet.

Außerdem hat das Element Holz noch weitere seelische Aspekte: Die Wanderseele Hun ist vergleichbar mit dem westlichen Verständnis des Unterbewußten, hier werden emotionale Erfahrungen gespeichert. Diese gesammelten Erfahrungen machen erst überhaupt eine Planung möglich, die dann als Basis für neue Handlungen dient.

Zusammenfassend läßt sich festhalten:


Im Frühling - also im Element Holz - ist für uns eine Reinigung auf der körperlichen, aber auch auf der geistigen Ebene vorteilhaft, daher, die Schlacken, die sich den Winter über ansammeln konnten, werden nun beseitigt. Einerseits durch vermehrte körperliche Betätigung, andererseits erwacht aber auch unsere Kreativität und das Frühlingswetter vertreibt Trübsal.“

Das Element Holz und unsere Nahrung

Der saure Geschmack und die Farbe grün charakterisieren die Lebensmittel, die dem Element Holz zugeordnet werden.

Zur optimalen Stärkung des Holzelements essen Sie vorzugsweise:
 
Huhn, mangold
Oliven, Essig, Sauerkraut, Mixed Pickles, Paradeiser, grünes Gemüse, Rhabarber,
Weizen, Grünkern, Dinkel, Sprossen, Kräuter
Sauerrahm, Joghurt, Kefir, Topfen, Sauermilch oder
saure Äpfel, Kiwi, Preiselbeere, Brombeere, Stachelbeere, Zitrone, Orange, Weichsel

An Getränken eignen sich Malventee, Fruchtsaft, trockener Weißwein, Prosecco und Weizenbier.

Die Zubereitung nach "Holzart" erfolgt durch Dünsten oder Blanchieren.


Ernährungsberaterin Mayer empfiehlt darüber hinaus abschließend:

"Von Seiten der Ernährung kann man hier ganz wesentlich unterstützen, ohne eine Fastenkur im westlichen Sinne durchführen zu müssen. Die Natur bietet jungen Löwenzahn und Bärlauch, aber auch selbst gezogene Sprossen bringen Bewegung in unseren Energiefluss, um unser Yang wieder ungehindert an die Oberfläche kommen zu lassen und der Frühjahrmüdigkeit den Kampf anzusagen.
Leichte Gerichte wie z.B. Reispfannen, Bärlauchsuppe, Spinat und Mangold bereichern den Speisezettel und auch die jetzt beginnende Gartenarbeit tut das ihre, um unser persönliches Element Holz von etwaigen Blockaden zu befreien.“

Die täglichen Mahlzeiten sollten jedenfalls jeweils eine Kombination der 5 Elemente beinhalten, um das persönliche Qi zu stärken. Auch hier ist das Prinzip der Ganzheitlichkeit anzuwenden und eine Einseitigkeit zu vermeiden.


Autorin: Cornelia Auer Bakk.

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