Nägel beißen - Ausweg aus der Sucht
Das Nägel beißen ist in der Gesellschaft weit verbreitet und viele Menschen tun sich schwer, damit aufzuhören. Ist die Angewohnheit krankhaft, sollte unbedingt ein Ausweg gefunden werden.
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Das zwanghafte Nägel beißen wird in der Fachsprache Onychophagie genannt und ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Schätzungen zufolge ist im Durchschnitt jeder fünfte Mensch davon betroffen, wobei Kinder und Jugendliche besonders anfällig sind. Von medizinischer Seite her ist das Nägel beißen noch nicht eindeutig klassifiziert, es wird jedoch mittlerweile immerhin zu den Zwangsspektrumsstörungen gezählt. Schwierig im Hinblick auf die Klassifizierung ist die vielfältige Ausformung der Störung. Manche Menschen kauen nur selten und in unbedenklichem Maß, andere hingegen beißen regelmäßig ihre Nägel bis zur Wundbildung ab.

Hintergründe und Ursachen

Die Schwierigkeit, mit dem Nägel beißen aufzuhören zeigt, dass es sich in vielen Fällen keineswegs um eine harmlose Stressäußerung handelt. Menschen, die nur selten und wirklich rein aus Stresssituationen heraus knabbern, tun sich meist mit dem Aufhören leicht. Viele andere hängen hingegen Jahre an der Störung fest, die meisten schon seit ihrer Kindheit.

Die Gründe für das Nägel beißen können vielfältig sein. Häufig ist ein traumatisches Erlebnis im Kindesalter der Grund für die Störung, wie etwa die Scheidung der Eltern oder der Verlust einer Bezugsperson. Es ist auch wahrscheinlich, dass sich die Angewohnheit von Eltern auf Kinder bzw. innerhalb der Familie überträgt. Außerdem können auch andere Zwangsverhalten der Eltern bei den Kindern zum Nägel beißen führen.

Der psychologische Hintergrund ist dabei folgender: durch das Nägel beißen erlangt der Betroffene eine gewisse Befriedigung und entlastet sich damit. Die Angewohnheit wird oft fast unbewusst zu den verschiedensten Anlässen ausgeführt. Je intensiver allerdings gekaut wird, desto schmerzvoller kann das Ganze werden. Ist der Nagel einmal abgebissen und das Nagelbrett verletzt, zeigen sich Entzündungen und Schmerzen. Weiteres Beißen hat dann etwas Selbstverletzendes an sich und kann nicht mehr als harmlose Störung bezeichnet werden.

Tipps zum Aufhören

Der Alltag kann für extreme Nägelbeißer oft zum Alptraum werden. Viele einfache Tätigkeiten, zu denen wir wie selbstverständlich unsere Fingernägel benutzen, sind fast unmöglich oder mit Schmerzen verbunden. Das Resultat der Sucht sind außerdem unschöne Hände, die man nicht gerne herzeigen will. Noch dazu gilt das Nägel beißen in der Gesellschaft als eklig und impliziert einen schwachen Willen. Die Ablehnung der Umwelt treibt die Betroffenen in einen Teufelskreis: zur Bewältigung der negativen Erlebnisse beißen sie sich erst recht an ihren Nägeln.

Der erste Schritt zum Aufhören führt deshalb über die Umgebung des Betroffenen. Akzeptanz und Toleranz der Umwelt erleichtern den Weg aus der Sucht ungemein. Das richtige Mittel muss jeder für sich selbst finden. Bei leichteren Störungen wird auf die Nägel gerne ein Lack mit bitterem Geschmack aufgetragen, der in Apotheken erhältlich ist. Härtefälle hält allerdings auch dieser nicht vom Beißen ab. Um das Problem kosmetisch zu lösen, wird manchmal zu künstlichen Nägeln geraten. Dies ist allerdings nur eine Scheinlösung, denn der echte Nagel verkümmert unter dem Kunstnagel und Betroffene knabbern oft einfach daran weiter.

Ebenso wenig hilfreich ist das Ersetzen der Sucht durch eine andere, wie etwa das Kaugummi kauen oder Schokolade essen. Das Problem wird nicht behoben und die Gefahr der Rückfälligkeit bleibt immer bestehen. Als langfristig sinnvoll haben sich nur Methoden erwiesen, die dem Problem an die Wurzel gehen. So kann man bewusst die Stresssituationen aufspüren und sie ohne Nägel beißen bewältigen. Eine Belohnung kann als positive Verstärkung bei der Entwöhnung wirken. Ein Wundermittel ist auch die intensive Beschäftigung mit einer Sache, die nicht stresst, sondern die volle Aufmerksamkeit erfordert.

Gerade bei Kindern ist ein sorgfältiger Umgang mit dem Problem wichtig. Oft können diese nämlich selbst schwer artikulieren, woher ihre Belastungen stammen bzw. kann man als Elternteil nicht jede Konfliktsituation für das Kind lösen. So ist es wichtig, das Selbstwertgefühl des Kindes zu stärken, damit es sich in schwierigen Situationen gut behaupten kann. Auf keinen Fall sollte man dem Kind drohen oder es unter Druck setzen, den dies verstärkt den psychischen Stress und steigert im Normalfall das Nägel beißen noch zusätzlich.

Autorin: Claudia Wrumnig

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