Familienaufstellen - Lösung und Zustimmung
Unbewusste Dynamiken und seelische Prozesse innerhalb einer Familie sollen erkannt werden und so zur Lösung von Problemen führen.
 
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Familienaufstellen nach Hellinger
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Probleme, die sich aus der Familienstruktur ergeben haben, sollen durch Aufstellungsarbeit sichtbar und emotional erfahrbar gemacht werden. KlientInnen können die Problematik neu erfahren und dem Ergebnis zustimmen. Mit Zustimmen ist kein Gutheißen von schlimmen Erfahrungen gemeint, sondern man soll dem Erlebten oder der Erkenntnis als Teil der eigenen Vergangenheit zustimmen, um frei für die Gegenwart sein zu können.

Familienaufstellen nach Hellinger

Wird von Familienaufstellen, auch Familienstellen oder Systemaufstellungen gesprochen, ist oft von der – auch sehr umstrittenen - Methode nach Bert Hellinger die Rede. Innerhalb dieser wird wiederum in verschiedene Formen differenziert, denn Hellinger selbst hat seine Methode seit den 1980er Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und es gibt weitere Richtungen, die von AufstellerInnen aus ihrer eigenen Arbeit mit der Methode Hellingers geformt wurden. Der Therapeut und Autor Wilfried Nelles unterscheidet jenseits verschiedener persönlicher Stile mindestens vier methodische Ansätze bzw. Richtungen der Aufstellungsarbeit:
  1. Das „klassische Familienstellen“, wie es Bert Hellinger bis etwa Ende der 1990er Jahre praktiziert und gelehrt hat.
  2. Verschiedene konstruktivistisch orientierte Vorgehensweisen, wie die von Matthias Varga von Kibed und Insa Sparrer entwickelte „Systemische Strukturaufstellung“.
  3. „Bewegungen der Seele“. Das war die Hauptvorgehensweise von Bert Hellinger zwischen 2000 und 2006.
  4. „Bewegungen des Geistes“, auch „geistiges Familienstellen“ oder „Gehen mit dem Geist“, wird von Hellinger auch als das „neue Familienstellen“ bezeichnet und seit 2006 angewandt und vorgezeigt.

Viele AufstellerInnen, die bei Bert Hellinger oder seinen SchülerInnen die Methode des Familienstellens kennengelernt haben, wenden heute eine Mischform aus der „klassischen Methode“ und den „Bewegungen der Seele“ an.

Hintergrund

Der 1925 geborene Deutsche Bert Hellinger studierte Philosophie, Katholische Theologie und Pädagogik. Nach seiner Priesterweihe arbeitete er 16 Jahre lang als Leiter einer Missionsschule in Südafrika. Er trat 1971 aus dem Orden aus und ist mittlerweile in zweiter Ehe verheiratet. In Südafrika hat Bert Hellinger die Familien- und Wertestrukturen der Zulu-Kultur, in der die Ahnen eine sehr wichtige Rolle spielen, kennen gelernt. In Europa arbeitete er später als Psychotherapeut und entwickelte unter dem Einfluss der Gruppendynamik, der Primärtherapie, der Transaktionsanalyse und verschiedener hypnotherapeutischer Verfahren eine eigene Methode des Familienaufstellens. Die Methode des Aufstellens übernahm Hellinger aus verschiedenen Ansätzen der Familientherapie. Hellinger erkannte die Wichtigkeit von sozialen Gesetzmäßigkeiten (Ordnungen) in menschlichen Beziehungen. Wurden diese Ordnungen (in der Familie) verletzt, können sich Konflikte über Generationen hinweg fortpflanzen. Für Hellinger hat das Erkennen und Anerkennen dieser Ordnungen einen tiefgreifenden therapeutischen Effekt, ohne dass es einer weitergehenden Therapie bedürfe. Dies gelte allerdings nur bei „normalen“ Problemen, nicht z.B. bei psychisch Kranken oder schweren Suchtproblemen. Menschen mit hohem Leidensdruck sollten eine Aufstellung nur in Verbindung mit einer Therapie machen, die genug Raum für die Vor- und Aufarbeitung bietet, da der Aufstellungsprozess kränkende, krank machende und traumatisierende Erfahrungen wieder Gefühls aktivierend erfahrbar machen kann.
 
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