Homöopathische Arzneimittel – „Similia similibus curentur“ (Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt)
Homöopathische Arzneimittel - „Similia similibus curentur“ (Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt)
Es gibt hunderte homöopathische Mittel, deren Urzustand so vielfältig ist wie die Krankheiten, gegen die sie eingesetzt werden. Zumeist sind es giftige Stoffe, die erst durch die starke Verdünnung zu Heilmitteln werden.
Homöopathische Arzneimittel - „Similia similibus curentur“ (Ähnliches wird mit Ähnlichem geheilt)
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Das Grundprinzip der Homöopathie „similia similibus curentur“ liegt allen Mitteln zu Grunde. Es bedeutet nichts anderes, als dass alle Symptome, die von einem bestimmten Giftstoff hervorgerufen werden, durch eine starke schrittweise Verdünnung desselben auch geheilt werden können. Diese schrittweise Verdünnung, in der Homöopathie Potenzierung genannt, wird nach ganz genauen Kriterien erstellt. Paradoxerweise wird dadurch die Wirkung umso stärker, je höher die Potenz, also die Verdünnung ist. Erst dann wird aus einem gewöhnlichen Hausmittel eine homöopathische Arznei mit ihrer ganz spezifischen Wirkungsweise.

Oft wird angenommen, homöopathische Mittel würden allein aus Pflanzen gewonnen, das stimmt jedoch nicht.

Homöopatika lassen sich in 3 große Gruppen einteilen:
- Mittel aus dem Tierreich
- Mittel aus dem Pflanzenreich
- Mittel aus dem Mineralreich

Im Folgenden soll die Herkunft der bekanntesten und gebräuchlichsten Mittel aus den einzelnen Kategorien beschrieben und ihre Haupteinsatzgebiete besprochen werden um den Zusammenhang zwischen Gift und Arznei zu verdeutlichen. Keinesfalls ist dies jedoch eine Anleitung zur Selbstbehandlung, da nur ein ausgebildeter Homöopath über das nötige Wissen zur Findung des richtigen Mittels verfügt!


Mittel aus dem Tierreich

Gifte aus dem Tierreich sind in ihrer ursprünglichen Form dazu geeignet extrem destruktive Krankheiten hervorzurufen. Wir denken hier beispielsweise an Schlangen- oder Spinnengift. Es soll dazu dienen, den Gegner möglichst außer Gefecht zu setzen und unschädlich zu machen. Somit passen Mittel aus dieser Kategorie gut für tieferliegende Krankheiten, die zB das Blutbild verändern oder heftige Gemütsregungen hervorrufen.

Besonders bekannte und gebräuchliche Mittel aus dieses Kategorie sind:

- Moschus:
ist ein Drüsen-Sekret des im ostasiatischen Hochland lebenden Moschushirsches. Das Sekret befindet sich in einer walnussgroßen Drüse am Bauch des Hirsches vor den Geschlechtsorganen. Diese Arznei wird besonders für Frauen eingesetzt, die sich nach Fieber schlecht erholen.

- Lachesis:
zu deutsch „Buschmeister“ ist eine Schlangenart aus der Familie der Grubenottern, die in Mittelamerika und Südamerika beheimatet ist. Ihr Biss ist sehr giftig allerdings meist nicht tödlich. Bei Problemen mit Kapillaren, Blutgerinnung und Blutzellen steht Lachesis in der Therapie ganz oben. Charakteristisch ist auch eine Empfindlichkeit gegen Berührungen und beengende Kleidung.

- Apis:
wird aus dem Gift der Biene gewonnen. Typischerweise treten nach einem Bienenstich stechende Schmerzen und eine blassrote Schwellung auf. Alle Krankheiten mit – auch im weitesten Sinn - ähnlichen Symptomen lassen sich damit gut behandeln. Dies ist physisch bei unterschiedlichen Schwellungen und Entzündungen (zB Meningitis) der Fall, aber auch psychisch kann es bei Reizbarkeit, Nervosität und Ruhelosigkeit erfolgreich eingesetzt werden.

- Coccus cacti:
ist eine rote Schildlaus, die auf südamerikanischen Kaktussen (Kakteen) lebt. Es wird häufig zur Behandlung von Husten bzw. Keuchhusten, besonders mit Verschlimmerung in der Früh, eingesetzt.


Mittel aus dem Pflanzenreich:


Eine große Zahl homöopathischer Mittel wird aus Pflanzen gewonnen. Dabei ist es besonders wichtig, genau auf den Teil der Pflanze, aus dem es gewonnen wird, zu achten. So ist der Wirkstoff, der sich beispielsweise im Stiel befindet, oft ein ganz anderer als der in der Blüte.

Besonders bekannte pflanzliche Arzneimittel sind:

- Aconit:
ist die lateinische Bezeichnung für den Eisenhut, er gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse. Der blaue Eisenhut ist die giftigste Pflanze Mitteleuropas. Besonders giftig sind die Wurzeln und Samen. Bereits nur durch Berührung können Taubheitsgefühle auftreten, bei Einnahme reicht die Bandbreite der Symptome von nervöser Unruhe über Herzrhythmusstörungen bis zu Lähmungserscheinungen, die zum Tod führen können. Akonit wird oft am Beginn einer Erkältung gegeben, jedenfalls bei allen Beschwerden, die plötzlich, akut und sehr heftig auftreten.

- Arnica:
auch Bergwohlverleih genannt, gehört zur Familie der Korbblütler. In der Homöopathie werden hauptsächlich die Wurzeln verwendet, jedoch enthalten auch die Blüten Gift. In seiner Reinform kann Arnica zu Schädigungen des Herzens und sogar zum Herzstillstand führen. Arnica kommt besonders bei allen Verletzungen und Verletzungsschock zum Einsatz („Es bleibt einem vor Schreck das Herz stehen!“).

- Belladonna:
ist die Tollkirsche und gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Typische Symptome bei Einnahme sind Pupillenerweiterung (Glanzaugen), trockene, gerötete und heiße Haut sowie Trockenheit der Schleimhäute im Mund- und Rachenbereich. Dies erinnert stark an Fiebersymptome, weshalb es besonders bei akutem Fieber eingesetzt wird, aber auch bei akuten Entzündungen.

- Cepa:
besser bekannt als Küchenzwiebel und gehört zu den Liliengewächsen. Sie ist ein besonders anschauliches Beispiel für die Wirkung eines homöopathischen Mittels. Die Symptome, die beim Zwiebelschneiden auftreten, kennt wohl jeder: die Nase rinnt, die Augen tränen und beginnen zu brennen. Ähnliche Beschwerden treten oft zu Beginn eines Schnupfens auf. Cepa wird daher gerne bei Schnupfen mit extrem rinnender Nase gegeben.

- Chamomilla:
die Kamille gehört zur Familie der Korbblütler. Hier handelt es sich ausnahmsweise um keine giftige Ursubstanz, die homöopathische Arznei wirkt aber ähnlich, wie die Pflanze selbst. Gerne wird Chamomilla Kindern zur Beruhigung beim Zahnen gegeben, aber auch bei vielen anderen Unruhezuständen ist es eine gute Wahl.

- Nux vomica:
ist die Brechnuss und gehört zur Familie der Loganiengewächse. Sie enthält ein starkes Nervengift, eine Einnahme kann zur Lähmung des Zentralnervensystems führen. Besonders wirksam ist Nux vomica daher bei Menschen, die ständig gestresst sind.

- Pulsatilla:
zu deutsch auch Kuhschelle, gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse. Sie ist zur Gänze sehr giftig und enthält ein starkes Reizmittel für Haut und Schleimhäute. Das bloße Berühren kann zu Blasenbildung, Verätzungen und Entzündung der betroffenen Hautstellen führen. Bei Einnahme kann es zu Nierenentzündungen, Magen- und Darmbeschwerden und Lähmungen des Zentralnervensystems kommen. Entsprechende physische Beschwerden sind zB Verdauungsprobleme und Schleimhautabsonderungen. Ängste entsprechen dem seelischen Bild des Mittels.

- Veratrum:
der weiße Germer ist ein Liliengewächs. Eine Vergiftung zeigt sich in Erbrechen, heftigem Durchfall, Kältegefühl, Muskelkrämpfe, Halluzinationen, Atemnot und Kollapszuständen. Veratrum wird daher gerne bei Kreislaufschwäche gegeben.


Mittel aus dem Mineralreich:


Bei den Heilmitteln aus dem Mineralreich lassen sich die giftige Wirkung und ihr heilender Einsatz nicht so anschaulich darstellen, wie das bei den vorangegangenen Arzneien der Fall war. Auch haben etliche der mineralischen Substanzen im Urzustand kaum bis keine negative Wirkung.

- Sulfur (Schwefel):

Schwefelsäure hat eine ätzende Wirkung. Schwefelkohlenstoff schädigt vor allem das Nervensystem und Schwefeldioxid führt zur Verengung der Luftwege.
In der Heilkunde wurde schwefelhaltiges Wasser schon sehr früh zur Behandlung eingesetzt. Sulfur ist ein starkes Reaktionsmittel, d.h. es bringt unterdrückte Krankheiten ans Licht, daraus erklärt sich auch sein großes Anwendungsgebiet.

- Graphites (Kohlenstoff):
Haupteinsatzgebiet des Graphit sind „trockene“ Symptome. So wird es häufig verwendet bei Hautausschlägen, die trocken und rissig sind, aber auch bei Verstopfung. Außerdem wirkt es auf Narbengewebe „aufweichend“.

- Silicea (Kieselerde):
Im Gegensatz zu den „trockenen“ Krankheiten des Graphit wird Silicea bei vielen nässenden und chronischen Symptomen gerne gegeben. Hierzu zählen Eiterungen, übelriechender Schweiß und nässende Ekzeme. Psychische Indikatoren sind besonders eine schwache Konstitution und Überempfindlichkeit gegen Kälte.

- Mercurius (Quecksilber):
Mercurius wird in der Homöopathie in vielen verschiedenen Verbindungen verwendet; zB Quecksilbersulfit oder Quecksilberchlorid. Quecksilber kann durch Einnahme, Inhalation oder Absorption (über die Haut) in den Körper gelangen. Es verursacht Allgemeinsymptome wie Mattigkeit und Kopf- und Gliederschmerzen, aber auch verstärkter Speichelfluss. Hauptsächlich wirkt das Quecksilber jedoch auf das zentrale Nervensystem, besonders negativ wirkt es auf die Motorik. Typische Symptome sind Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Angstgefühle, Sprachstörungen, sowie Konzentrations- und Erinnerungsschwäche. Mercurius wirkt wieder ganz nach dem homöopathischen Prinzip auf das zentrale Nervensystem.

- Arsen (Rattengift):
Eine akute Arsenvergiftung zeigt sich in Krämpfen, Übelkeit, Erbrechen, inneren Blutungen, Durchfall und Koliken, bis hin zu Nieren- und Kreislaufversagen. In der Homöopathie wird es bei Magen-Darm-Beschwerden, aber auch allgemeiner Schwäche und Angst, bis zur Todesfurcht gegeben.

- Plumbum (Blei):
Blei schädigt das zentrale und das periphere Nervensystem, führt zu Magen-Darm-Beschwerden und Nierenschäden und beeinträchtigt die Blutbildung.
Auch Plumbum kann, ganz dem homöopathischen Prinzip entsprechend, bei Störungen im zentralen und peripheren Nervensystem, Problemen mit den Nieren, dem Magen-Darm-Trakt und den Gefäßen eingesetzt werden. Außerdem entgiftet es bei chronischen Bleivergiftungen.

- Hepar sulfuris:
ist eine Mischung aus Kalk und Schwefel. Das Mittel ist eine Sonderverarbeitung Hahnemanns und wird aus dem weißen inneren Bestandteil der Austernschale sowie der Schwefelblume hergestellt. Hauptindikator für Hepar ist eine Überempfindlichkeit des Nervensystems gegen Kälte, Schmerzen und Berührung.

- Causticum Hahnemanni:
besteht aus frisch gebranntem Marmorkalk und aus doppelsaurem, schwefelsaurem Kalium. Wie im Namen erwähnt hat Hahnemann dieses Arzneimittel selber entwickelt, es wird auch „Hahnemanns Ätzstoff“ genannt. Causticum wirkt besonders auf Rachen und Kehlkopf sowie auf Harnblase und Mastdarm.

Diese kleine Auswahl an besonders häufig verabreichten Homöopathika soll dem Leser die Arznei hinter dem lateinischen Namen ein wenig näher bringen und gleichzeitig die Komplexität der Mittelwahl aufzeigen. Die genannten Symptome sind keinesfalls vollständig und stellen keine ausreichende Information für eine Selbstbehandlung dar!


Autorin: Mag.a Iris Fischer
 

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