Sei kein Spielverderber! – Wie Kinder Spaß am Spiel entwickeln
„Sei kein Spielverderber!“ – Wie Kinder Spaß am Spiel entwickeln
Manche Kinder lieben Spielen. Andere weniger – sie reagieren jähzornig, schimpfen, fegen Spielfiguren vom Tisch. Sobald das Spiel nicht zu ihren Gunsten verläuft, werden sie unleidlich. Damit verderben sie nicht nur sich, sondern auch ihren Mitspielern den Spaß am Spielen.
Mehr zum Thema
» Familie
» Gemeinsame Rituale verbinden - So schöpfen Kinder aus dem Alltag Kraft
» Alt und Jung unter einem Dach - geht das gut?
» Gemeinsames Essen - stärkt das Familienbewusstsein
» Probleme lösen - Die richtige Streitkultur in der Familie
Diplom-Sozialpädagoge Lars Thoms von der Arbeitsstelle für Spielforschung und Freizeitberatung der Fachhochschule
Dortmund gibt Tipps, die dazu beitragen, dass die ganze Familie entspannt zusammen spielen kann. Als Einstieg empfiehlt der Experte kooperative Spiele, bei denen eine ganze Gruppe gewinnt oder verliert. „So steht nicht eine einzelne Person als Verlierer im Mittelpunkt.“ Wichtig sind zudem Spiele mit einem anhaltenden Spannungsbogen,
damit Langeweile gar keine Chance hat. Entscheidend ist das Spielverhalten der Eltern. Thoms führt dies auf das Nachahmungsverhalten der Kinder, das „Lernen durch Abgucken“, zurück. 

Eltern lassen Kinder bewusst gewinnen
Niemand verliert gern. Am wenigsten der Spielverderber. Dennoch sollten Eltern ihre Kinder nicht bewusst gewinnen lassen, wenn es nach Lars Thoms geht: „Im Spiel lernen
Kinder, dass Verlieren zum Leben dazugehört. Ebenso, dass Regeln eingehalten und eine Reihenfolge beachtet werden müssen.“ Doch ihre Kinder verlieren sehen, das
können nur die wenigsten Eltern, wie eine Studie von TNS Infratest zeigt, die im Auftrag der LEGO GmbH durchgeführt wurde. Durchschnittlich 40 Prozent lassen den Nachwuchs bewusst gewinnen. 

Kooperative Spiele für einen guten Spieleinstieg
Damit potenzielle Spielverderber einen guten Einstieg ins Spiel bekommen, rät der Spiel- und Freizeitforscher zu kooperativen Spielen. Gut geeignet für einen Einstieg in
die Welt des Spielens sind zudem Spiele, deren Spiel-Mechanismen von leicht bis schwer reichen. Bei Creationary (LEGO Spiele) zum Beispiel können junge und ältere
Spielefans gut zusammen spielen. Bei diesem Familienspiel wird im Team gegeneinander oder gegen die Zeit gebaut und geraten. Ein veränderbarer Würfel entscheidet über eine von vier Kategorien und ermöglicht es, das Spiel immer wieder neu zu gestalten. Mit welchem Schwierigkeitsgrad die Spieler bauen, wählt jeder in seinem Spielzug selbst. Die verschiedenen Möglichkeiten, das Spiel zu gestalten und dank der klassischen LEGO Steine auch zu verändern, machen das Spiel ideal für Spieler unterschiedlichen Alters. Viel Spielspaß versprechen auch Spiele mit fantasievollen Figuren, wie bei Star Wars™: The Battle of Hoth oder HEROICA (beide LEGO Spiele) – dort mischen Rebellen, Vampire und Fledermäuse mit. Kinder tauchen hier in die Geschichte ein und denken weniger ans Siegen oder Verlieren. Kindern, die bislang nicht gern spielten, wird der Spieleinstieg durch bekannte Fantasiefiguren erleichtert. „Damit Spielmuffeln gar nicht erst die Laune vergeht, sollte der Spannungsbogen über das ganze Spiel anhalten“, so Lars Thoms. Hier punkten vor allem solche Spiele, bei denen keiner lange auf seinen Spielzug warten muss, sondern der eigene Zug auch Veränderungen für die Mitspieler bereithält.

Tipps für mehr Spielspaß
  1. Fair Play. Auslachen verboten. Kinder, die verlieren, sollten nicht verspottet werden. „Dies empfinden Kinder bei all dem Frust auch noch als zutiefst demütigend“, so Thoms. „Nehmen Sie Ihr Kind ruhig in den Arm. Vor allem aber“, so der Experte, „sollte das Spiel nicht analysiert, sondern nach Möglichkeit der Fokus auf etwas ganz anderes gelenkt werden.“
  2.  

  3. Motivation. Öfter mal Bemerkungen wie „Das hast du aber clever gemacht“ oder Ähnliches fallen lassen. Sind die Spiele zu schwer für die Kleinsten: einen Vorsprung oder Doppelzüge gewähren. Hier bewähren sich Spiele mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad.
  4.  

  5. Vorbild. Spielen Eltern gern Gesellschaftsspiele, tun Kinder dies im Regelfall auch. Demonstrieren Sie Gelassenheit bei Niederlagen. Ein fröhliches „Ach Mist, aber gleich klappt’s“ färbt auch auf den Nachwuchs ab.
  6.  

  7. Pech/Glück. Der Würfel als Katalysator: Durch ihn lernen Kinder spielerisch, dass Glück und Pech sich nicht beeinflussen lassen. Das nimmt den Erfolgsdruck, gerade bei jüngeren Spielern. 
  8.  

  9. Abwechslung. Durch unterschiedliche Spiele erkennt der Spielmuffel, dass jedes Mal andere Fähigkeiten gefordert sind und ihm manche besser liegen als andere.

Fotocredit: LEGO
Kommentare