Kinder brauchen Liebe - und entschlossene Eltern
Kinder brauchen Liebe - und entschlossene Eltern
Eltern stolpern oft nicht nur in Kinderzimmern über Spielzeug, sondern allgemein beim Thema „Erziehung“. Der Familientherapeut Achim Schad kennt diese Stolpersteine und versucht, sie aus dem Weg zu räumen.

Kinder brauchen mehr als Liebe. Klarheit, Grenzen, Konsequenzen“, lautet der Titel des Buches, in dem Achim Schad häufige Stolpersteine der Erziehung, aber auch praktikable Lösungswege aufzeigt. Sein Anliegen ist schnell verraten. Er möchte Eltern zu mehr Entschlossenheit verhelfen


Zu viel des Guten

Kindererziehung folgt heute primär dem Prinzip der antiautoritären Erziehung. Eltern begegnen ihren Kindern freundlich und mit Nachsicht, ihre Wünsche werden beachtet und ernst genommen. In der Folge wird es für die Eltern immer schwieriger, Anforderungen an ihre Kinder zu stellen. Zähneputzen, Hausaufgaben machen: Die Erledigung notwendiger Alltagsdinge wird zum Verhandlungsgegenstand zwischen Eltern und Kind. Letztlich verliert das Kind oft jede Achtung vor seinen Eltern oder Erziehern und macht nur noch, was es selbst für richtig hält. Achim Schad widmet sich dieser Problematik und zeigt, wie sie sich umgehen lässt: Durch eine Erziehung, die selbstverständlich ohne Gewalt, aber auch ohne Strafen und Drohen auskommt und dennoch klare Verhältnisse schafft. Kinder brauchen demnach nicht nur Freiheiten, um sich gut entwickeln und entfalten zu können, sondern auch Aufgaben, an denen sie wachsen können sowie Halt und Orientierung vonseiten Erwachsener.


Grenzen setzen ohne schlechtes Gewissen

Achim Schad unterscheidet zunächst die Begriffe Macht, Gewalt und Zwang in der Erziehung und stellt anschließend unter dem Motto „Grenzen setzen ohne zu verletzen“ seine Sicht der Dinge vor. In der Folge geht er den Ursachen für Erziehungsprobleme nach und nimmt dabei das gesamte System „Familie“ unter die Lupe. Befehlen und Verhandeln, beides stellt für Schad keine Lösung in schwierigen Eltern-Kind-Beziehungen dar. Was der Autor allen Eltern empfiehlt, ist, den goldenen Mittelweg einzuschlagen und Kindern mit einer freundlichen Bestimmtheit und Entschlossenheit zu begegnen. Über notwendige Verrichtungen soll keine Diskussion aufkommen. Beharrt das Kind auf seinem Willen, soll es gelassen auf die natürlichen Konsequenzen seiner Entscheidung hingewiesen werden und, insofern es sich um kleinere Angelegenheiten handelt, mitunter selbst erfahren können, was diese Konsequenzen ausmacht. Auf diese Weise lassen sich nach Schad Drohungen oder Strafen vermeiden, die Kindern mehr schaden als nützen.


Kommunikationsfallen und die Suche nach Aufmerksamkeit

Viele Erziehungsprobleme sind ferner auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen. Schad macht darauf aufmerksam, Kinder stets mit positiv formulierten, eindeutigen Aussagen zu konfrontieren. Die Aufforderung „Sei nicht so laut“ wird zum Beispiel wesentlich schlechter verstanden als die Aufforderung „Sei bitte leise. Deine Schwester schläft gerade.“ Ähnlich gestaltet sich die Sache, wenn Kinder ausdrücklich auf Verbotenes hingewiesen werden. Dann steigt die Attraktivität des Verbotenen. Problematisch ist aber auch die Tatsache, dass Eltern ihren Kindern oft nur in solchen Situationen vermehrte Aufmerksamkeit schenken, in denen sie ein schlechtes Verhalten zeigen. Kinder trachten immer danach, die Aufmerksamkeit Erwachsener auf sich zu lenken. Gelingt ihnen das nur durch schlechtes Benehmen, werden sie dieses beibehalten. Verhalten sich die Kinder also „problemlos“, muss ihnen erst recht Aufmerksamkeit beschieden sein: Sie brauchen Zuwendung, das heißt, auch Lob und Anerkennung für ihr Tun. Wie Erwachsene wollen sie sich selbst und anderen etwas beweisen. Dazu müssten sie nach Auffassung Schads allerdings mehr gefordert und weniger verwöhnt werden.


Eltern als Dreamteam

In der Regel herrscht in Paarbeziehungen Einigkeit darüber, welchen Erziehungsstil man verfolgt. In konkreten Situationen gehen die Meinungen jedoch oft weit auseinander. Verbündet sich ein Elternteil zum Beispiel mit den Kindern in der Ansicht, der andere sei zu streng, kommt es unausweichlich zu Konflikten. Achim Schad bietet auch dafür Hilfestellungen an. Er gibt einige Regeln dafür zur Hand, wie es Eltern gelingen kann, als starkes Team aufzutreten, wie etwa: Wer als Erster auf das Kind reagiert, hat Recht. Ist diese erste Entscheidung aus pädagogischer Sicht problematisch, kann immer noch nachgebessert werden. Denn, üben beide Elternteile unentwegt Kritik aneinander, versuchen die Kinder bald, sie gegeneinander auszuspielen und hören auf, ihre Entscheidungen zu respektieren. Achtung ist der Schlüsselbegriff, ohne den Eltern wie Kinder nicht auskommen können, soll ihre Beziehung zueinander von Verständnis geprägt sein. Schad macht dies in seinem Buch sehr stark deutlich: Dass Eltern die Macht, die sie über ihre Kinder haben, ohne schlechtes Gewissen wahrnehmen sollen, schließt immer mit ein, behutsam mit ihr umzugehen und sie nur zum tatsächlichen Wohl der Kinder zu verwenden.

Fazit: Ein leicht verständliches, schnell zu lesendes Buch, das anhand von Alltagsbeispielen typische Erziehungsprobleme demonstriert und leicht umzusetzende Ratschläge anbietet, ohne die verschiedenen Familienstrukturen und Beziehungsmuster im Hintergrund außer Acht zu lassen.


Achim Schad:
Kinder brauchen mehr als Liebe.
Klarheit, Grenzen, Konsequenzen

Carl-Auer Verlag 2010, 140 Seiten

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Autorin: Mag.a Angelika Stallhofer


 


Fotocredit: Fotowerk/Fotolia.com
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