Welche Verhütungsmethoden sind die richtigen in der Stillzeit?
Nach Schangerschaft und Geburt ist auf einmal ein kleines Wesen da, das umsorgt werden will und aus Mann und Frau sind "Eltern" geworden. Damit die Intimität in der Partnerschaft nicht auf der Strecke bleibt, ist es wichtig, bereits im Vorfeld über die möglichen Verhütungsmethoden während der Stillzeit zu reden. Wir haben hier für Sie den Überblick.
Nach Schwangerschaft und Geburt ist die Familie endlich gemeinsam zu Hause angekommen. Vieles ändert sich nun. Ein zauberhaftes kleines Wesen will umsorgt werden und aus Mann und Frau sind Mama und Papa geworden.

Aber bei aller Veränderung, die mit der Geburt eines Kindes einhergeht, so gibt es auch Dinge, die nun wieder zum "Alten" zurückkehren. Einer dieser Punkte ist die Frage der Verhütung. Wann es wieder an der Zeit für gemeinsame Intimität ist, sollte das Paar zusammen entscheiden.

Der Wochenfluss an sich ist kein Grund für strenge Enthaltsamkeit. Es ist jedoch angeraten, bis zum Ende des Wochenflusses beim Geschlechtsverkehr ein Kondom zu verwenden und auf Oralverkehr zu verzichten, um das Risiko von Infektionen zu minimieren. Der Heilungsprozess eventueller Geburtsverletzungen muss natürlich ebenso beachtet werden, um Schmerzen und Komplikationen zu vermeiden.

Doch nach normalerweise 4-6 Wochen sollten die meisten Verletzungen soweit abgeheilt sein, dass es nur noch eine Frage der Lust ist, wann das Paar wieder Sex hat. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt muss die Frage der richtigen Verhütung geklärt sein.

"Wer stillt, wird nicht schwanger"


Erstaunlich viele Frauen sind noch immer der festen Überzeugung, dass es in der Stillzeit nicht möglich ist, erneut schwanger zu werden. Theoretisch ist es richtig, dass das Stillhormon Prolaktin den Eisprung unterdrückt und somit dafür sorgt, dass keine Schwangerschaft eintreten kann. Allerdings müssen hierzu verschiedenen Regeln eingehalten werden (mehr dazu unter "LAM (Lactational Amenorrhea Method"). Ein grundsätzlicher Schutz besteht durch das Stillen nicht per se.

Mögliche Verhütungsmethoden in der Stillzeit

Während der Stillzeit ist zu beachten, dass nicht alle der sonst verfügbaren Verhütungsmethoden angewendet werden können. Für andere gelten gewisse Einschränkungen oder Wartezeiten.



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1. Barrieremethoden

Barrieremethoden funktionieren, indem die Spermien daran gehindert werden, den Uterus zu erreichen oder sich in der Gebärmutterschleimhaut einzunisten. Kondom und Frauenkondom lassen sich problemlos und ohne Einschränkung in der Stillzeit nutzen. Auch gegen Diaphragma und Portiokappe in der Stillzeit spricht nichts.

Jedoch müssen diese in jedem Fall nach einer Geburt neu angepasst werden, da sie wegen der körperlichen Veränderungen sonst nicht mehr richtig sitzen und somit keinen Schutz bieten können.

Bei der für bis zu 5 Jahre wirksamen Kupferspirale oder Kupferkette ist zu beachten, dass diese vom Frauenarzt eingesetzt werden muss, sobald der Wochenfluss abgeklungen ist und sich der Uterus wieder auf seine ursprüngliche Größe zurückgebildet hat. Dies ist frühestens nach 6 Wochen möglich ist, kann jedoch auch bis zu 6 Monate dauern.

2. Hormonelle Verhütung


Die Sorge bei hormonellen Verhütungsmethoden in der Stillzeit ist meist, ob die enthaltenen Hormone sich negativ auf die Milchbildung auswirken oder dem Kind schaden können. Präparate, die Östrogen enthalten, sind in der Stillzeit nicht geeignet. Die Gabe von Östrogen hemmt die Milchproduktion und die Hormone können, über die Muttermilch aufgenommen, dem Kind schaden. Somit sind die herkömmliche Antibabypille, Verhütungsring oder Verhütungspflaster in der Stillzeit nicht geeignet.

Bei anderen Methoden werden ausschließlich Gestagene gegeben. Diese haben keine Auswirkungen auf die Milchproduktion und schaden nach heutigem Wissensstand dem Kind nicht. Zu diesen gehören Minipille, Dreimonatsspritze, Hormonimplantat und Hormonspirale. Für letztere gilt jedoch wie für die Kupferspirale, dass diese erst nach 6 Wochen bis zu 6 Monaten vom Gynäkologen gesetzt werden kann.

3. Natürliche Verhütung

Die meisten natürlichen Verhütungsmethoden basieren darauf, die fruchtbaren Tage der Frau festzustellen und an diesen dann entweder enthaltsam zu bleiben oder auf andere Weise (z.B. mit Kondom) zu verhüten. So funktionieren Temperaturmethode, Billings-Methode (Beobachtung des Zervixschleims), symptothermale Methode (eine Kombination aus Temperatur- und Zervixschleim-Beobachtung),  Verhütungscomputer, Hormon-Messung sowie Knaus-Ogino-Methode (Kalendermethode).

All diesen Methoden ist gemein, dass sie einen zumindest ansatzweise regelmäßigen Zyklus voraussetzen. Dies kann in der Stillzeit und während der Pflege eines Neugeborenen ein großes Hindernis darstellen. Ebenfalls zu den natürlichen Verhütungsmethoden gehört die Lactational Amenorrhea Method (LAM).

Diese funktioniert, da durch ausreichend Prolaktin der Eisprung unterdrückt wird. Um jedoch sicherzustellen, dass ausreichend Prolaktin gebildet wird, müssen feste Regeln eingehalten werden (Kind unter 6 Monate, höchsten 6 Stunden zwischen Stillmahlzeiten, kein Zufüttern, kein Abpumpen, kein Schnuller, keine Menstruation). Ebenso zu den natürlichen Verhütungsmethoden zählen Enthaltsamkeit sowie Coitus Interruptus.

4. Chemische Verhütungsmittel

Chemische Verhütungsmittel werden als Cremes, Gels, Zäpfchen, Tabletten, Sprays oder Schwämme angeboten und vaginal verwendet. Je nach Produkt töten die Inhaltsstoffe Spermien ab oder hemmen deren Beweglichkeit. Die Wirkstoffe gehen nicht in die Muttermilch über und sind in der Stillzeit bedenkenlos anwendbar.

5. Sterilisation

Wenn die Familienplanung komplett abgeschlossen ist, kann sich die Frau für eine Sterilisation entscheiden. Dies ist ein irreversibler operativer Eingriff. Ebenso kann sich der Mann einer Vasektomie unterziehen, welche unter bestimmten Voraussetzungen rückgängig gemacht werden kann.

Zuverlässigkeit der verschiedenen Methoden

Die Sicherheit von Verhütungsmethoden wird mit dem Pearl-Index angegeben. Ein Pearl-Index von 2 bedeutet, dass von 100 sexuell aktiven Frauen, die mit einer bestimmten Methode ein Jahr lang verhüten, 2 schwanger werden. Je niedriger der Pearl-Index, desto sicherer also ist die entsprechende Verhütungsmethode. Die in der Stillzeit möglichen Verhütungsmethoden haben jeweils den folgenden Pearl-Index:
  • Kondom: 2-12
  • Frauenkondom: 5-25
  • Diaphragma: 6-20
  • Portiokappe: 6-18
  • Kupferspirale / Kupferkette: 0,6-2,7
  • Minipille: 0,14-3
  • Dreimonatsspritze: 0,3-0,88
  • Hormonimplantat: 0,8
  • Hormonspirale: 0,16
  • Temperaturmethode: 0,8-3
  • Billingsmethode: 5-35
  • Symptothermale Methode: 0,3
  • Verhütungscomputer: 0,3-6
  • Hormon-Messung: 5-6
  • Knaus-Ogino-Methode: 9-30
  • Lactational Amenorrhea Method: 2
  • Enthaltsamkeit: 0
  • Coitus Interruptus: 4-18
  • Chemische Verhütungsmittel: 3-21
  • Sterilisation der Frau: 0,01-0,1
  • Vasektomie: 0,25

Den eigenen Weg finden

Welche also ist die optimale Verhütungsmethode nach der Geburt und in der Stillzeit? Wie so oft lässt sich diese Frage nicht eindeutig beantworten. Das Paar sollte sich hierzu mit den verschiedenen Aspekten der unterschiedlichen Methoden befassen, Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen und bei Unentschlossenheit auch verschiedenen Dinge ausprobieren. Manches Paar findet das Anlegen eines Kondoms einen absoluten Lustkiller, während ein anderes die praktische Verwendung und den Verzicht auf künstliche Hormone schätzt.

Wer bereits Erfahrung mit natürlicher Familienplanung und schon bald einen regelmäßigen Zyklus hat, mag damit bessere Erfahrungen machen, als ein auf diesem Gebiet unsicheres Paar. Und während manche Frau mit der Minipille glücklich ist, leidet eine andere vielleicht unter Nebenwirkungen.

Die Entscheidung für eine Verhütungsmethode bleibt letztendlich so individuell und jedem Paar selbst überlassen, wie die sonstigen Aspekte der gemeinsamen Sexualität. Auf keinen Fall jedoch sollte ein Paar zögern oder sich schämen, Informationen zu sammeln und sich entsprechend beraten zu lassen.


AutorIn: A.D.
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