Haut-Autoimmunerkrankung - Der Feind in deinem Körper
Haut-Autoimmun-Erkrankung - Der Feind in deinem Körper
Bei einer Autoimmunerkrankung bekämpft der Körper bestimmte körpereigene Strukturen – im Irrglauben, diese seien fremd und gefährlich. Es handelt sich um eine Art Fehlprogrammierung des Immunsystems. Bei der massiven Aufmerksamkeitsleistung, die unser Immunsystem ständig vollbringen muss, ist es nicht verwunderlich, dass sich ein Fehler einschleichen kann.

Prim. Univ. Prof. Dr. Beatrix Volc-Platzer, Vorstand der Dermatologischen Abteilung im Donauspital - SMZ Ost über Entstehung, Ursache und Therapie von Haut-Autoimmunerkrankungen.

Was versteht man unter dem Begriff „Haut-Autoimmunerkrankung“?
Autoimmunerkrankungen entstehen, wenn das Immunsystem des menschlichen Körpers Strukturen des eigenen Organismus als fremd ansieht und Abwehrreaktionen einleitet. Durch Vermittlung von Autoantikörpern bzw. bestimmter weißer Blutkörperchen, sogenannter Lymphozyten, werden komplexe Krankheitsbilder in Gang gesetzt, die vielfach auch andere Organe, zum Beispiel Nieren oder Gelenke befallen. Symptome zeigen sich dann über die Haut.
Zu den die Haut betreffenden Autoimmunerkrankungen zählen die sogenannten Kollagenosen, die sich darüber hinaus auch an anderen Organsystemen manifestieren können.
Eigenständige Autoimmunkrankheiten der Haut sind zum Beispiel die Weißfleckenkrankheit, die Vitiligo, eine blasenbildende Hautkrankheit, der Pemphigus oder der kreisrunde Haarausfall, die Alopecia areata. Auch an der Entstehung von Schuppenflechte (Psoriasis) oder Neurodermitis sind Autoimmunmechanismen beteiligt.

Wo liegen die Ursachen?
Die genaue Ursache von Autoimmunerkrankungen ist trotz intensiver Forschung bis heute noch nicht vollständig geklärt.
Man geht davon aus, dass Autoimmunkrankheiten durch angeborene Veranlagung in Kombination mit äußeren Einflüssen erworben werden. Eine Hypothese lautet auch, dass es sich um eine Virusinfektion handelt, bei der die körpereigenen Zellen verändert werden.

Kommt diese Krankheit oft vor?
Wir sprechen hier nicht von einer einzigen Krankheit, sondern von einem Spektrum verschiedener Erkrankungen, die entweder nur die Haut oder aber die Haut und andere Organsysteme betreffen. Einige von ihnen sind selten, dh. die Häufigkeit des Auftretens liegt in der Bevölkerung weit unter 0,1%, z.B. die mit Blasen einhergehende Autoimmunkrankheit der Haut und der Schleimhäute Pemphigus. Andere, wie die Vitiligo, betreffen mehr als 1% der Bevölkerung, die Alopecia areata oder der „kreisrunde Haarausfall“ etwa 0,1%, häufig in Kombination mit anderen Autoimmunerkrankungen auf.
Allerdings muss man sagen, dass heutzutage solche Krankheiten häufiger erkannt werden. Das Bewusstsein bei Dermatologen und Rheumatologen, aber auch bei den Patienten, ist in den letzten Jahren dahingehend sensibilisiert worden: Es gibt neue Medikamente, umfassende Forschungen und die Medien beschäftigen sich verstärkt mit dem Thema.

Was kann man dagegen tun, kann man sich schützen?
Wie gesagt handelt es sich bei diesen Erkrankungen teilweise um Veranlagung, wir haben die Krankheit „in unseren Genen“. Eine Vorsorge im üblichen Sinne gibt es daher nicht.
Sind in der Familie Krankheiten dieser Art bekannt und treten bestimmte Symptome wie etwa ein verstärkter Haarausfall auf, sollte man alle Möglichkeiten einer Früherkennung nutzen. Bei manchen Autoimmunkrankheiten wie etwa dem Lupus erythematodes besteht eine besondere Sonnenempfindlichkeit, das heißt, die Patienten müssen sich sehr gut vor der Sonne schützen.

Worin besteht die Behandlung?
Die Behandlung gilt als schwierig. Denn so rätselhaft wie die Entstehung ist auch die Heilung von Auto-Immunerkrankungen. Grundprinzip der Therapie ist, die Aktivität des Immunsystems durch Immunsuppressiva, zu dämpfen. Cortison ist zumindest zu Beginn ein unverzichtbarer Bestandteil der Behandlung, da es am wirksamsten zur unmittelbaren Unterbrechung des Krankheitsprozesses beiträgt, wo auch immer er im Körper stattfindet. Allgemein üblich sind Kombinationstherapien mit immer wieder neuen Medikamenten, wie sich auch in der Transplantationsmedizin eingesetzt werden.
Es kommt auch vor, dass die Krankheit von einer gewissen Dynamik geprägt ist: es gibt verschiedene Phasen mit mehr und mit weniger Symptomen - unabhängig davon, ob eine begleitende Behandlung stattfindet oder nicht. Es kommt auch vor, dass die Krankheit nach einigen Jahren an Aktivität verliert, sozusagen „ausbrennt“.

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Autoimmunerkrankungen:
Die Medizin beschreibt die Autoimmunerkrankung als einen Oberbegriff für Krankheiten, die Aufgrund einer Überreaktion auf körpereigenes Gewebe zu Entzündungsreaktionen führt. Fälschlicherweise erkennt das Immunsystem körpereigenes Gewebe als zu bekämpfendes Fremdgewebe an, reagiert daraufhin entsprechend, was zu schweren Schäden, gerade an den betroffenen Organen, führt.

Autoimmunhepatitis: eine Autoimmunerkrankung der Leber

Chronische Gastritis: dt. Magenschleimhautentzündung, ist eine entzündliche Erkrankung der Schleimhaut des Magens, zwar heilbar, dennoch oft chronisch

Churg-Strauss-Syndrom: betrifft größtenteils die kleineren und mittleren Gefäße, aber auch Arterien und Venen

Colitis ulcerosa: gehört zu der Gruppe der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die zwar heilbar ist, aber immer wieder auftreten kann

CREST-Syndrom: gehört zu der Gruppe der Kollagenosen, krankhaften Verdickung der Haut und Veränderung innerer Organe

Dermatomyositis: eine Muskel - und Hauterkrankung bzw. -Entzündung

Diabetes-mellitus-Typ 1: Bei diesem Krankheitstyp der „Zuckerkrankheit“ werden in Folge einer Entzündungsreaktion die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse durch das körpereigene Immunsystem zerstört.

Glomerulonephritis: eine, zumeist autoimmune, Entzündung der Nierenfilterchen (Glomeruli)

Goodpasture-Syndrom: eine sehr selten auftretende aber schwere Autoimmunerkrankung, die vor allem die Nieren (Nierenentzündung) und Lungen (Lungenblutung) angreift

Guillain-Barré-Syndrom: eine Nervenerkrankung, die durch eine Entzündung mehrerer Nervenwurzeln ausgelöst wird

Hashimoto-Thyreoiditis (auch lymphozytäre oder autoimmune Thyreoiditis): ist eine Autoimmunerkrankung, bei der es zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse kommt

Lichen sclerosus: eine chronisch entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung, weiße Hautveränderungen sind typisch

Morbus Crohn: eine Autoimmunerkrankung des Darmtraktes

Morbus Basedow: eine Autoimmunerkrankung der Schildrüse (Überfunktion) und der Augen.

Morbus Bechterew / Spondylitis ankylosans: nennt man eine chronisch entzündliche rheumatische Erkrankung mit Schmerzen und Versteifung der Gelenke

Multiple Sklerose (MS): ist eine neurologische Autoimmunerkrankung.

Myasthenia gravis (schwere Muskelschwäche): ist eine seltene neurologische Erkrankung.

PANDAS steht für die engl. Bezeichnung: Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated with Streptococcal Infections. Hier soll es sich um eine Autoimmunerkrankung, die mit Streptokokken-Infektionen verbunden sind, handeln. Es wird davon ausgegangen, dass der Körper Antikörper bildet, die eigentlich gegen die Zelloberfläche der infizierenden Bakterien gerichtet sind. Tatsächlich bekämpfen diese aber mit speziellen Strukturen körpereigene Zellen des Gehirns, insbesondere den Basalganglien, die im für die Koordination von Bewegungen zuständig sind. Hierbei könne es zu Verhaltensänderungen und Störungen der Bewegung kommen.

Polymyositis: eine autoimmune Entzündung der Skelettmuskeln und der Haut (Dermatomyositis)

Psoriasis: Die Faktoren die Schuppenflechte führen sind noch unerforscht

Rheumatisches Fieber („Streptokokkenrheumatismus“): ist eine entzündlich-rheumatische Systemerkrankung von Herz, Gelenk, Haut, und Gehirn

Rheumatoide Arthritis: ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung der Gelenke!

Sarkoidose (Morbus Boeck): eine systemische Autoimmunkrankheit des Bindegewebes, deren Ursache noch nicht geklärt ist.

Sjögren-Syndrom: eine bei Frauen häufiger erscheinende Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen. Die Immunzellen greifen die Speicheldrüsen und Tränendrüsen an, wobei die Ursache och nicht erforscht ist.

Stiff-Man-Syndrom: eine relativ unerforschte Autoimmunerkrankung. Der Krankheitsverlauf zeigt zunehmend körperliche Schmerzen, die meistens in der Rückenmuskulatur beginnen, da sie sich versteift (engl. stiff man = steifer Mann).

Sklerodermie: heißt wörtlich „harte Haut“ und ist eine noch wenig erforschte Haut- oder Bindegewebsverhärtung.

Lupus erythematodes: ist eine systemische Autoimmunerkrankung, das bedeutet, dass das ganze organische System befallen sein kann. Die Verstümmelungen im Gesichtsbereich beschrieben frühere Mediziner als wolfbissähnlich, daher „Lupus“. Heutzutage kommt es dazu Dank moderner Behandlungsmöglichkeiten nur noch selten. „Erythematodes“ bedeutet "errötend", und die Autoimmunkrankheit bekam deshalb diesen Namen, da 71% der Patienten gerötete Haut haben.

Vitiligo / Melanozyten (Leucopathia acquisita): auch Weißfleckenkrankheit oder Scheckhaut genannt, ist eine nicht ansteckende, aber chronische Hauterkrankung

Wegenersche Granulomatose: ist eine sehr selten vorkommende, unerforschte Autoimmunerkrankung. Sie befällt die Gefäße.

Vaskulitis: ist eine Autoimmunerkrankung, die sich durch den Befall der Blutgefäße an Haut und den Organen durch Unterversorgung zeigt.

 



Autorin: Alexandra Schlömmer

Kommentare
Thomas
2013-05-13 10:03:00
Hallo,

schöne Aufzählung! Habe allerdings den Morbus Addison (Nebennierenrindeninsuffizienz, auch Bronzekrankheit genannt) vermisst, da hier eine deutliche Braunfärbung der Haut auftritt.

Viele Grüße
Thomas