Weinen - Psychohygiene gegen den Kloß im Hals
Weinen ist so wichtig wie Lachen. Wir weinen aus Trauer, Schmerz, Wut, Hilflosigkeit oder beim Abschied – aber ebenso aus Freude und Rührung, bei Hochzeiten oder Liebesfilmen.
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Auch wenn es im Augenblick noch so weh tut oder peinlich scheint: Weinen erleichtert und befreit. Wer sich das Weinen verbietet, verdichtet seine Emotionen zu einem „Kloß im Hals“. Wer seine Tränen fließen lässt, findet dagegen leichter zum Lachen zurück.

Elefantentränen

Rund fünfzehn Milligramm wiegt eine menschliche Träne. Mit ihr werden Hormone und Salze wie Calcium, Kalium und Mangan ausgeschüttet. Zweige der Wissenschaft gehen davon aus, dass das emotional bedingte Weinen dem Menschen vorbehalten sei. Doch bereits Charles Darwin zweifelte daran. So finden sich Berichte über Elefanten, die beim Weinen beobachtet wurden, sei es, dass sie Abschiede erleiden mussten oder gequält wurden. Auch Affen, Katzen oder Hunde kann man beim Weinen beobachten. Wenn es heißt, „was Tränen für den einzelnen Menschen ausdrücken, kann nur dieser selbst beschreiben“, dann wäre es anmaßend, genau das für Tiere in Anspruch nehmen zu wollen. Wir sind nicht in der Lage, beurteilen zu können, ob die Tränen eines Tieres mechanisch – z.B. aufgrund von Wind oder einer Augenentzündung – fließen, oder doch Ausdruck von emotionalem Leid sind.

Weinen ist nicht gleich Tränen

Weinen ist nicht unbedingt an den Fluss von Tränen gekoppelt. Das Auge weint auch beim Zwiebelschneiden oder zum Ausschwemmen eines Staubkorns. Zum Schutz vor dem Austrocknen und zur Versorgung mit Nährstoffen ist es mit einem permanenten Tränenfilm überzogen. Die Zellen der vorderen Augenhornhaut werden feucht gehalten und kleine Unebenheiten der Hornhaut ausgeglichen, was eine klare Sicht auf die Welt gewährleistet.
Emotionale Tränen werden durch einen Nervenreiz an das Gehirn ausgelöst, das den Drüsen ein Signal gibt, noch mehr Tränen zu produzieren. Diese emotional geweinten Tränen enthalten nur wenige für die Versorgung des Auges dienende Substanzen, sondern vor allem Stoffe, die der Körper unter Stress produziert.

Wer weint, baut Stress ab...

... und reguliert seine Psyche. Der Abbau von aufgestauten Gefühlen ist gesund, deshalb dient das Weinen unserem Organismus als Schutzfunktion und Verarbeitungsstrategie. Die dabei stattfindende Befreiung von unangenehmen Erfahrungen bringt Erleichterung aber auch Erschöpfung mit sich, denn starkes Weinen erhöht die Herzschlagfrequenz und kostet Energie. Dauerhaft unterdrücktes Weinen kann dagegen zu gesundheitlichen Problemen führen, die vom Magengeschwür bis zum Herzinfarkt reichen können.

Weinen ist immer ein Hilferuf nach Erfüllung von Bedürfnissen, Nähe oder Trost. Für Neugeborene ist es die erste Chance, sich auszudrücken und etwas einzufordern, eine archetypische Ausdrucksform, die bereits bei Föten ab einem Alter von 28 Wochen zu beobachten ist und weltweit von allen Menschen verstanden wird. Diese Geste zur frühkindlichen Bedürfnisbefriedigung wird nach und nach durch andere kommunikative Äußerungen verdrängt. Doch der erzieherische Befehl „hör sofort auf zu weinen“ ist kontraproduktiv, da er Kinder dazu zwingt, ihre Gefühle zu unterdrücken. Besonders Jungs wird auch heute oft das Weinen von frühester Kindheit an untersagt. Im besten Fall werden Jahre später aus den „harten“ Kerlen wieder Männer mit erkennbaren Gefühlen...

Tränen können Menschen verbinden, denn das gemeinsame Weinen erzeugt Nähe, Vertrautheit und vor allem das Gefühl, nicht allein zu sein. Dennoch ist ein wenig Vorsicht geboten, denn Weinen kann auch manipulativ eingesetzt und – obwohl es eine echte Emotion ist – erlernt werden.

Hemmungslos weinen

Weinen macht das Leben leichter, weil wir damit in bestimmten Situationen unsere Gefühle zeigen können – und auch dürfen! Die Angst, als „Heulsuse“ abgestempelt zu werden, ist meist unbegründet. Wer seinen Tränen freien Lauf lässt, macht sich oft sogar beliebt, indem er sich als Mensch mit Emotionen „outet“. – Und wer sich über Weinende lustig macht, der sollte sich zuerst selbst dem Weinen in der Öffentlichkeit stellen... Ein öffentlich weinender Mensch berührt Außenstehende oft unangenehm, da dieser augenfällige Beweis für das Gefühlsleben in unserem Kulturkreis nicht üblich ist und deshalb oft als „peinlich“ empfunden wird. Auch wenn Weinen ein Zeichen von Hilflosigkeit und unkontrollierten Gefühlen ist, sollte es dem Weinenden nicht als emotionale Schwäche ausgelegt werden, denn Tränen zählen zu den kommunikativen Grundäußerungen des Menschen. Gerade deshalb sollten wir Weinenden Trost spenden – zumindest mit einem Taschentuch.

Autorin: Mag.a Eva Tinsobin

Kommentare
MarkoW81
2014-06-21 20:55:58
Vielen Dank für den Beitrag. Und ja, auch ich als Mann kann weinen. Manchmal komme ich mir damit auch schwächlich vor. Aber nun ja, auch wir Männer haben halt Gefühle und müssen manchmal Alles raus lassen. Ob öffentlich oder heimlich. Mache mir da auch gar keinen Kopf, was raus muss muss raus.
Marko