Migräne - hämmernde Schmerzen mit Handlungsbedarf
Migräne ist mit gelegentlich leichten Kopfschmerzen nicht zu vergleichen. Erschwerend kommen meist noch begleitende Symptome hinzu. Neben der Behandlung von Migräneattacken kann man selbst durch gezielte Techniken Migräneanfälle lindern oder auch vorbeugen.

Definition

Der aus dem Französischen stammende Begriff Migräne leitet sich aus migraine = Kopfschmerzen ab. Dabei handelt es sich um anfallsartige, heftig pulsierende Kopfschmerzen, die meist nur einseitig begrenzt auftreten. Häufig ist diese Form des Kopfschmerzes von Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, aber auch neurologischen Störungen begleitet.

Obwohl Migräne meist nach der Pubertät beginnt, kann sie in jedem Alter auftreten. Personen mit positiver Familienanamnese haben ein höheres Risiko, davon betroffen zu sein.


Was passiert bei der Migräne?

Das Vorstadium eines Migräneanfalls äußert sich in einer Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße im Gehirn) mit kurz darauf folgender Vasodilatation (Gefäße erweitern sich wieder). Die durch diesen Vorgang aktivierten Schmerzrezeptoren rufen Schmerzen hervor.
Der Serotoninspiegel spielt eine wichtige Rolle in diesem Prozess. Es ist anzunehmen, dass eine gesteigerte Gehirnaktivität zu einer vemehrten Ausschüttung von Serotonin führt.


Ursachen/Auslöser der Migräne

Folgende Faktoren können vorübergehend die Blutgefäße im Gehirn beeinflussen, wodurch in Folge die Migräne ausgelöst wird:
o Klimaveränderungen zuhause oder auf Reisen
o Arzneimittel, die Pille
o Genussmittel wie Rotwein, Schokolade, bestimmte Käsearten, Alkohol
o psychische Belastungen wie Stress
o körperliche Belastung
o Menstruation (durch die hormonelle Veränderung)
o grelles Licht oder Reisen.


Symptome der Migräne

Das Hauptsymptom der Migräne sind Kopfschmerzen, die bei etwa zwei Drittel der Betroffenen nur einseitig empfunden werden.

Bereits eine Viertel- bis halbe Stunde vor dem Kopfschmerz, können Vorboten des Migräneanfalls (Prodromi oder Aura genannt) wie Sehstörungen, Übelkeit und Erbrechen, Depression, Lichtempfindlichkeit und/oder Kribbeln in Armen oder Beinen auftreten. Diese Symptome klingen für gewöhnlich bei Beginn der Kopfschmerzen ab, sie können aber auch anhalten.

In Begleitung eines Migräneanfalls treten sehr häufig Übelkeit und Erbrechen sowie eine starke Licht- und Lärmempfindlichkeit auf.

Die Dauer der Symptome varriert ebenso wie die Häufigkeit ihres Auftretens. Die Symptome können von wenigen Stunden bis zu Tagen dauern, länger besonders dann, wenn keine Behandlung stattfindet. Migräneanfälle können sich in kurzen Abständen wiederholen, dann aber auch für Wochen, Monate oder Jahre ausbleiben.


Mit und ohne Aura

Eine sogenannte Aura kann einen Migräneanfall einleiten, was sich darin äußert, dass die Patienten vor dem Einsetzen der Kopfschmerzen flimmernde Lichter oder weiße Flecken sehen. Sogar andere neurologische Symptome wie Gefühlsempfindungsstörungen oder Sprachstörungen bis hin zu Lähmungserscheinungen können im Rahmen einer Migräne mit Aura auftreten.

Migräne ohne Aura

Migräne ohne Aura ist die am häufigsten auftretende Migräneform. Es kommt zu pulsierenden oder pochenden Kopfschmerzen, die zumeist halbseitig, seltener beidseitig, auftreten. Oft wird der Kopfschmerz von Übelkeit, manchmal von Erbrechen, selten auch von Durchfall begleitet. Es besteht eine erhöhte Lärm- und Lichtempfindlichkeit.

Migräne mit Aura

Bei etwa einem Fünftel der Migränebetroffenen gehen den Kopfschmerzen die oben beschriebenen Aurasymptome voran.


Was man selbst tun kann


Migränepatienten stehen häufig unter Dauerstress. Beginnt dieser sich zu lösen, treten die Kopfschmerzen auf. Ein ausgeglichenes Leben kann Migräneattacken verhindern.
Ess-, Schlaf- und Lebensgewohnheiten können zur Entstehung eines Migräneanfalls beitragen. Eine entsprechende Änderung bekannter Auslöser sowie Regelmäßigkeit kann vorbeugend wirken.

Ist die Migräne einmal da, bringt das Liegen in einem ruhigen, abgedunkelten Raum oftmals Erleichterung. Auch Entspannungsübungen sind zum Überstehen der Anfälle gut geeignete Maßnahmen.

Sind die Schmerzen nicht sehr intensiv, lindern häufig auch ein kühlender Eisbeutel oder das Auftragen von Chinaöl auf die Schläfen die Beschwerden. Im Berufs- und Familienalltag ist man allerdings meist auf Medikamente angewiesen, da die genannten Maßnahmen wie Ruhen in einem abgedunkelten Raum oder das Aufliegen von Eisbeutel kaum durchzuführen sind.


Behandlung der Migräne

Vorweg stehen neben der medikamentösen Therapie einige alternative Behandlungsmethoden wie beispielsweise Akupunktur oder Homöopathie zur Verfügung. Ein Patentrezept gibt es nicht, Migräne ist sehr komplex und mit unterschiedlichen Begleitsymptomen, Schweregraden und Ausprägungen verbunden.
Bei der medikamentösen Behandlung einer Migräneattacke ist Ergotamin das am häufigsten verwendete Medikament. Dies ist ein Vasokonstriktor, der die Gefäße verengt und dadurch einer Erweiterung der Gefäße vorbeugt.

Bei begleitender Übelkeit und Erbrechen ist Metoclopramid hilfreich in der Linderung der Symptomatik.
Bei leichteren Kopfschmerzen oder in der Entwicklung der Schmerzattacke helfen oft auch einfache Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Hier sei allerdings auf die belastende Wirkung für den Magen hingewiesen. Brausetabletten erhöhen die Magenverträglichkeit.

Auch wenn derzeit noch keine Behandlung die Migräne komplett zum Verschwinden bringt, lässt sich doch durch die Kombination aus medikamentöser und alternativer Behandlungsformen sowohl eine Linderung der Schmerzen, als auch eine Reduktion der Häufigkeit ihres Auftretens erreichen. Auf jeden Fall muss die Therapie individuell für jeden Patienten zusammengestellt werden. Die genaue Diagnose beziehungsweise Ursache stellt der Neurologe.


Prävention

Neben einer medikamentösen Präventionstherapie mithilfe eines Arztes, sind auch verhaltenstherapeutische Konzepte zur Stressbewältigung und Gefäßtraining im Rahmen von Biofeedback erfolgreiche Methoden, Migräneanfällen vorzubeugen.


Hinweis zu einer Studie im AKH Wien für unsere Leser

Im Allgemeinen Krankenhaus der Stadt Wien läuft derzeit eine Studie über den Zusammenhang von Migräne und Restless Legs-Syndrom. Die an der Studie tätigen Ärzte suchen noch Teilnehmer!

Gesucht werden Frauen und Männer zwischen 18 und 75 Jahren, die an Migräne ohne Aura und Missempfindungen oder Unruhe in den Beinen leiden.
Es sollten mindestens vier Migräneattacken pro Monat auftreten und es darf keine Migräneprophylaxe eingenommen werden. Akutmedikation maximal 15 Mal pro Monat. Auch das Restless Legs-Syndrom soll unbehandelt sein.

Wenn Sie Interesse haben, an dieser Studie teilzunehmen und damit die Forschung im Bereich von Migräne und Restless Legs-Syndrom unterstützen wollen, wenden Sie sich bitte an die Medizinstudentin Frau Bettina Dangl (Migraene_RLS@gmx-topmail.de)

Vorteile für den Patienten durch die Studie:
o Klinische Expertise
o Genaue Abklärung bezüglich Restless-Legs-Syndrom Beschwerden (Blut, Nervenleitgeschwindigkeit)
o Weiterführende Abklärung in Kopfschmerzambulanz/Schlafambulanz
o Verkürzte Wartezeiten
o Alle Untersuchungen finden ambulant statt
o Optimale Betreuung
o Befundbesprechung mit Experten
o Individueller Überblick über Schlafprofil/Kopfschmerzfrequenz
o Insgesamt ein gezieltes Achten auf Körpersignale

Zeitaufwand:
ein Aufklärungs- und Aufnahmegespräch inklusive eines grundlegenden Fragebogen (ca. 40 Minuten),
Eine Blutabnahme, 1 NLG (ca. 30 Minuten), diese Untersuchungen können aber eventuell gleich im Anschluss an das Gespräch stattfinden,
das Führen eines Schlaf- und Kopfschmerztagebuchs für 30 Tage (pro Tag max. 5 Minuten), Abgabe des Tagebuchs (oder Zusenden).

Das Team um Prof. Dr. Christian Wöber, Dr. Stefan Seidel und Bettina Dangl bedankt sich im Vorhinein für die Unterstützung!

 


Linktipp:

Kontaktdaten Selbsthilfegruppen in Österreich: www.kopfschmerzeforum.at/selbsthilfegruppen.php

 


Autorin: Mag. Vorauer Nicole

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