Psychologische Schmerzbewältigung - wirkungsvoller Ansatz
Rund ein Drittel aller Erwachsenen leidet unter wiederkehrenden Schmerzen, insbesondere Kopfschmerzen (vor allem Spannungskopfschmerzen) sowie Rückenschmerzen.
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Akute Schmerzen haben eine lebenswichtige Funktion, sie sind das Alarmsignal des Körpers. Schmerzen können jedoch auch regelmäßig wiederkehren, die Warnfunktion verschwindet, chronische Schmerzen sind entstanden.

Schmerzempfinden und die Rolle der Psyche

Anhand eines Modells des Franzosen R. Descartes aus dem 17. Jahrhundert erleben wir den Schmerz umso stärker, je länger der Schmerzreiz dauert oder je intensiver er auftritt.

Doch beim Schmerzerleben spielt auch die Psyche eine entscheidende Rolle. Sie kann die Schmerzwahrnehmung sowohl verringern, als auch verstärken.
Diese Erfahrung haben viele Menschen schon erlebt, denkt man beispielsweise an einen Unfall. Ein anfänglicher Schockzustand kann zu verändertem und/oder verspätetem Schmerzempfinden führen. Oder eine Verletzung bei einem sportlichen Wettkampf. Durch die angespannte Konzentration wird der Schmerz oder die Verletzung vorerst gar nicht wahrgenommen, erst in der Ruhephase stellt sich der Schmerz ein.

Ebenso verursachen Angst und Unruhe subjektiv länger und stärker empfundene Schmerzen.

Schmerzverstärkend Schmerzabschwächend
Unruhe Entspannung
Ängste
Schmerzmittel
Depressivität Akupunktur
Einsamkeit Ablenkung

 
Chronifizierung von Schmerzen

Faktoren wie falsche oder fehlende Behandlung sowie Verschleppung der Schmerzen aufgrund von Unterdrückung durch übermäßige Schmerzmedikation, können Schmerzen folglich verschlimmern und sogar chronifizieren. Oftmals entsteht ein Kreislauf aus Schmerzen, Anspannung und schlechtem Befinden, die sich in ihrem Ausmaß gegenseitig negativ beeinflussen.
Neben der reinen Behandlung mittels Schmerztabletten sind psychologische Methoden wertvoll.

Psychologische Bewältigungsmöglichkeiten

In dem Bemühen, chronische Schmerzen zu lindern oder auch zu bewältigen, setzen psychologische Techniken zur Bewältigung von Schmerzen an folgenden Punkten an:

Entspannungsmöglichkeiten nutzen

Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung bewirken, dass dem Schmerz seine Grundlage im Vegetativen Nervensystem entzogen wird. Diese beiden Bewältigungsstrategien sind erlernbar.

Verhaltenstherapie zur Veränderung von Gedanken und Einstellungen, die sich negativ auf das Schmerzempfinden auswirken

Gefühle wie Angst, Unsicherheit oder Hilflosigkeit begleiten das Schmerzempfinden nicht nur, sie verstärken es zusätzlich. Ein „Hineinsteigern“ in die Schmerzen verschlechtert sowohl das physische, als auch das psychische Befinden. Sowohl mit Hilfe der Verhaltenstherapie, als auch der Kognitiven Verhaltenstherapie wird versucht, belastende Gefühle aufgrund der Schmerzempfindung in eine positive Richtung zu lenken. Nach der gezielten Nachverfolgung der Schmerzen mittels Beobachtungsbogen interessiert sich diese Form der Therapie ebenso für die Konsequenzen der Schmerzen im Alltag und die Reaktion der Mitmenschen.

Hypnose – Schmerzbewältigung durch Trancezustand

Durch Hypnose verursachte Trancezustände können den Betroffenen helfen, empfundene Schmerzen zu verringern. Als weiterführendes Therapieziel wird angestrebt und erlernt, sich selbst in diesen Zustand begeben zu können. Nachteilig an dieser Variante ist, dass Hypnose nicht bei allen Menschen funktioniert.

Psychologische Schmerztherapie

Die Psychologische Schmerztherapie richtet sich an die Psyche von Patienten mit chronischen Schmerzen. Sie gliedert sich in mehrere Schritte:

  • Diagnosestellung: der beteiligte Psychotherapeut ermittelt das sogenannte „bio-psycho-soziale Schmerzmodell“. Dieses setzt sich aus dem Zusammenhang der erfragten Informationen bei der Anamnese wie Häufigkeit und Zeit des Auftretens von Schmerzen, Empfindungen dabei und den Grad der Beeinflussung auf das tägliche Leben und das Umfeld, zusammen.
  • Verbesserung der Schmerzverarbeitung: Der Therapeut hilft dem Patienten, die Schmerzverarbeitung zu verbessern. Gemeinschaftliche Aufarbeitung der Problematik, Verhaltenstherapie oder Biofeedback werden je nach Einschätzung des Therapeuten angewandt.
  • Änderung des Verhaltens in Bezug auf die Schmerzempfindung: in den folgenden Sitzungen übt der Therapeut mit dem Betroffenen durch Verhaltensänderungen und Änderungen im Schmerzempfinden, Beschwerden langfristig zu bekämpfen.

Der Zeitraum für eine psychologische Schmerztherapie beträgt in etwa sechs Monate. Ein erfahrener Therapeut im Bereich Schmerztherapie sowie die Compliance des Patienten, also das ernsthafte willentliche Mitarbeiten des Patienten, sind die Vorrausetzung für einen Erfolg dieser Therapieform.


Autorin: Mag.a Nicole Vorauer

 

 

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