Offene Beziehungen - ein heißes Eisen in Sachen Partnerschaft
Ein heikles Thema, worüber meist nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert wird: offene Beziehungen. Bloßer Freibrief zum Partnerwechsel, nostalgisches Hippietum oder doch ein möglicher Weg zur wahren Liebe? Drei Perspektiven.
 
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Eine mögliche Alternative

Treue und Ehe gehören nach wie vor für viele Paare zu der „Grundausstattung“ einer Partnerschaft. Jedoch entscheiden sich immer wieder Paare gegen diese herkömmlichen Ansichten und wollen bewusst ihre Beziehung nicht einengen.

Fremdgehen- oder alles ist relativ

Für die meisten Partner steht und fällt eine Beziehung mit der Treue. Anders ist dies bei offenen Partnerschaften, jedoch kann auch dies nur funktionieren, wenn alle Beteiligten dies wollen. Von einer offenen Beziehung kann nicht gesprochen werden, wenn sich nur einer das Recht herausnimmt und der andere wohl oder übel mitspielt, aus Sorge, den anderen zu verlieren.

Die Partner gestehen sich gegenseitig das Recht ein, die sexuellen Aspekte nicht allein auf die Beziehung zu beschränken. Dabei kann es bei rein sexuellen Abenteuern bleiben oder, wenn vereinbart, dies bis zu neuen, langfristigen Beziehungen führen.

Herausforderung an die Liebesbeziehung

Eine offene Beziehung ist eine richtige Beziehung, jedoch werden an sie größere Herausforderungen gestellt. Sie kann nur dann funktionieren, wenn man erkennt, dass jeder eigene Bedürfnisse hat und unter Umständen diese nur mit anderen Personen ausgelebt werden können.

Eine offene Liebe zu führen bedeutet auch, seine Ansprüche an den Partner zu reduzieren. Der andere ist nicht mehr für alles verantwortlich, exklusive Rechte werden auf einmal teilbar, man steht nicht mehr im alleinigen Mittelpunkt. Der Partner darf nicht als Besitz gesehen werden, den es zu verteidigen gilt.

Oftmals klaffen Wunschvorstellung und Wirklichkeit auseinander, spätestens dann, wenn der Partner den ersten Schritt in das offene Terrain macht, zeigt sich, wie sicher und zufrieden man sich mit dem neuen Konzept fühlt.

Vielfach wird in einer offenen Beziehung die Möglichkeit gesehen, sich selbst besser verwirklichen zu können. Nicht ein Mensch alleine füllt das Leben aus, sondern man lernt sich erst in Interaktion mit anderen Menschen, sei dies jetzt platonischer oder sexueller Art, genauer in seinen komplexen Eigenschaften kennen.

In manchen Beziehungen kann es durchaus vorkommen, dass ein Partner zwei Menschen gleichzeitig liebt, für viele ein unvorstellbarer Gedankengang. Es muss ein Grundvertrauen dem Partner gegenüber bestehen, damit eine solche Konstellation funktioniert. Lieben darf nicht mit Brauchen verwechselt werden, wer sich gerne als alleinige Bezugsperson sieht und Angst hat, verlassen werden zu können, sollte es sich besser noch einmal überlegen, ob eine offene Beziehung das Richtige für ihn ist.

Ohne Ehrlichkeit funktioniert es nicht. Eine Dreiecksbeziehung, die nur deshalb besteht, weil der untreue Part sich nicht entscheiden kann, ist keine offene Beziehung. Wer fremdgehen kann, kann auch die Konsequenzen tragen: entweder zu schweigen oder zu gehen.

Offene Beziehung lieber nicht, wenn:

  • ein Partner zu Eifersucht neigt oder den anderen ganz für sich alleine haben möchte
  • das Kräfteverhältnis in der Beziehung nicht ausgeglichen ist
  • diese Art der Beziehung das Zusammenleben auf Dauer beeinträchtigt
  • man eigentlich nur zugestimmt hat, um den anderen nicht zu verlieren

 

Autorin: Mag. Karin Puchegger

 
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Artikeltitel: Kapitelübersicht



Fotocredit: detailblick/Fotolia.com
Kommentare
zugestehende liebe
2011-12-25 00:34:09
den gemeinsamen umgang mit der lust bzw. biologische ehrlichkeit kann man lernen. näheres unter:

http://untreue-seminar.de.gg/

("gg" nicht vergessen)

animata
2012-05-19 22:07:22
mir gefällt an dem artikel die behauptung nicht, dass beide teile keine eifersucht verspüren dürfen. fühlen darf man alles. es geht viel mehr darum, wie damit in der beziehung umgegangen wird! offene beziehungen bedeuten vor allem eines: offen über alles zu reden, auf den anderen einzugehen, seine gefühle zu respektieren und gemeinsam an der beziehung zu arbeiten.