Auf der Suche nach dem Märchenprinz - Mythos oder Wirklichkeit?
So manche Frau sucht nach solch einem Prinzen, wie jenem aus dem Märchen Schneewittchen: einer, der sein letztes Hemd gibt, um in der Nähe der Angebeteten sein zu können und sie mehr liebt als alles andere. Doch ist so etwas überhaupt möglich? Sind solche Prinzen nur im Märchen zu finden oder existieren auch in unserem Jahrhundert solche „Traummänner“?

„…Nun lag Schneewittchen lange lange Zeit in dem Sarg und verweste nicht, sondern sah aus, als wenn es schliefe, denn es war noch so weiß als Schnee, so rot als Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Es geschah aber, dass ein Königssohn in den Wald geriet und zu dem Zwergenhaus kam, da zu übernachten. Er sah auf dem Berg den Sarg, und das schöne Schneewittchen darin, und las, was mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben war. Da sprach er zu den Zwergen ‚lasst mir den Sarg, ich will euch geben, was ihr dafür haben wollt. Aber die Zwerge antworteten wir geben ihn nicht um alles Gold in der Welt. Da sprach er so schenkt mir ihn, denn ich kann nicht leben ohne Schneewittchen zu sehen, ich will es ehren und hochachten wie mein Liebstes.…“ (Quelle: http://www.maerchen.com/grimm/schneewittchen.php)

Eines ist mal sicher: Die Vorstellungen vom Märchenprinzen sind seit Gebrüder Grimms Zeiten - und vermutlich auch schon lange vorher – in unzähliger Weise vorhanden. Aber passt dieser eine „Märchenprinz“ wirklich zu jeder Frau? Je nach der individuellen Erfahrung und den vermeintlichen Ansprüchen, empfindet die eine einen Mann, der ihr jeden Tag Geschenke macht und ihre Wünsche von den Augen abliest, als Traummann und die andere würde vielleicht schon jenen Mann, der selbstständig im Haushalt hilft und sich gerne mit den Kindern beschäftigt, als solchen beschreiben.

So wird auch zum Beispiel in dem Buch „Märchenprinz online“ von Birgit Adam, welche sich mit den Geschichten von Pärchen, die sich über Internet-Partnerbörsen gesucht und gefunden haben, deutlich, dass jede Frau ein eigenes Bild von ihrem Märchenprinzen in ihrer Vorstellung gezeichnet hat und manchmal von einem ganz anderen Traum überrascht wird. Andrea fühlte sich zum Beispiel zunächst von Christians humorvollen E-Mail-Nachrichten großteils dadurch angezogen, dass diese keine Rechtschreibfehler enthielten, was sich für die erfolgreiche Journalistin als wichtiges Kriterium herauskristallisierte, um sich überhaupt näher für den - zunächst - virtuellen Mann zu interessieren. Und auch Elisabeths Herz fand schlussendlich zu dem von Jürgen, als er ihr davon erzählte, eine zugelaufene Katze bei sich zu Hause aufgenommen zu haben. Klingt zu schön, um wahr zu sein?

Als Single auf Partnersuche hört man oft Sprüche wie „Deine Ansprüche sind zu hoch!“, „Es gibt keinen Traummann!“ oder „Du darfst nicht zu verkrampft an die Sache herangehen!“ und unzählige Ratgeber, die einem erklären wollen, wie man seinen persönlichen Märchenprinzen findet, füllen die Regale der Buchhandlungen. Im Endeffekt steht man vor einer Vielzahl von Tipps, weiß nicht, welche man davon schlussendlich befolgen soll und ist wahrscheinlich noch mehr gefrustet als zuvor.

Vielleicht ist es zunächst wichtig, sich selbst zu fragen, warum man überhaupt einen Märchenprinzen sucht und welche Eigenschaften dieser erfüllen sollte. Schließlich wird sich auch der beste, schönste und aufmerksamste Prinz als Frosch entpuppen, wenn man ihn hauptsächlich dazu benutzen will, um glücklich zu werden. Nicht zu vergessen, dass ein Prinz wohl auch eine Prinzessin will, die sich selbst wie eine Prinzessin schätzt und liebt. Auch Oliver Stöwing hat sich in „Wann kommt denn endlich der blöde Prinz auf seinem dämlichen Gaul!“ mit dem Phänomen der Suche nach dem Märchenprinzen beschäftigt und kommt zu dem Schluss, dass man zwar unendlich viele Tipps, wie „Machen Sie sich rar!“ oder „Lassen Sie ihn für jeden Ihrer Anrufe doppelt anrufen!“ befolgen kann, diese jedoch nur wenig nutzen, wenn wir sie nicht fühlen. Sie werden keinen Märchenprinzen finden, wenn Sie nicht authentisch und ehrlich zu sich selbst sind, denn wie soll es denn dann jemand anderes zu ihnen sein?

Kreieren Sie ruhig Ihren Märchenprinzen, malen Sie ihn sich aus: wie soll er sein, wie soll ich mich bei Ihm fühlen, welche Seiten soll er in mir zum Vorschein bringen? Lassen Sie diese Vorstellung ein Lächeln auf Ihr Gesicht bringen und genießen Sie ihr eigenes Märchen – denn schließlich werden Träume manchmal wahr…

Buchtipps:

Oliver Stöwing: „Wann kommt denn endlich der blöde Prinz auf seinem dämlichen Gaul!“ (Knaur Taschenbuchverlag)
Birgit Adam: „Märchen Prinz online. Wahre Geschichten vom Suchen und Finden“ (Sankt Ulrich Verlag)

Autorin: Mag.a Iris Schiffrer

 

 

 

 


 

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