Musik - bewusstes Hören lohnt sich
Musik kann entspannen oder starke emotionale Reaktionen bei Menschen hervorrufen. Ob gehört oder selbst gemacht: Musik ist ein Ventil für unsere Gefühle.
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Abhängig von der momentanen Stimmung, in der wir uns befinden, kann Musik sehr unterschiedliche Wirkungen erzeugen. Sie kann beruhigen, wenn wir uns wohl fühlen, kann das Glücksempfinden, das wir im Moment des Hörens verspüren, verstärken oder bereits bestehende Aggressionen zusätzlich anfachen.

Der Gehörsinn

Noch bevor Kinder geboren werden, entwickelt sich ihr Hörsinn. Sie nehmen Geräusche im Mutterbauch und gedämpfte Stimmen von außen wahr und kommen daher bereits hörend zur Welt. Im Erwachsenenalter kann das menschliche Hörorgan Lautstärken von 10 bis 140 Dezibel wahrnehmen. Wirken zu hohe Lautstärken auf uns ein, werden die Haarzellen in der Schnecke des Ohrs zerstört und Hörschäden entstehen. Das Hören ist entscheidend dafür, dass wir uns räumlich orientieren und potentielle Gefahrenquellen in Sekundenschnelle lokalisieren können, um ihnen rechtzeitig auszuweichen. Lärmbelastungen jeder Art gehören heute zum Alltag. Wer das Stadtleben nicht aufgeben will, wird von einem beständigen Geräuschpegel begleitet. Umso intensiver sucht man in seiner Freizeit nach ruhigen Orten, an die man sich zurückziehen kann und nach musikalischem Hörgenuss, der mit einer akustischen Berieselung wie sie aus dem Supermarktradio flötet, wenig gemein hat.


Die universelle Sprache

Wer einmal ein Instrument zur Hand genommen und nach etwas Übung versucht hat, aus dem Stegreif einfache Melodien zu spielen und vielleicht sogar Texte darüber zu singen, weiß, dass sich im Musizieren jedes Gefühl ausdrücken lässt. Gefühle können über sprachliche Grenzen hinweg geteilt werden. Musik spielt deshalb vor allem im Austausch von Kulturen eine wichtige Rolle. Sie kann als universelle Sprache dienen, auch wenn der Einzelne sie auf seine ganz eigene Weise erlebt. Die Gefühle, die in Chansons, Jazz, Klassik, Rock oder Popmusik zum Ausdruck kommen, werden über nationale Grenzen hinweg verstanden und bringen virtuelle Gemeinschaften hervor, die sich musikalische Vorlieben oft über weite Distanzen miteinander teilen. Welche Macht Musik haben kann, wird nicht zuletzt bei musikalischen Großveranstaltungen wie Festivals oder klassischen Konzertwochen deutlich, die Menschen aus aller Welt anlocken. Für viele lohnt es sich, live dabei zu sein. Aber auch zuhause lassen wir uns von Melodie und Rhythmus aus Radio, Fernsehen, Stereoanlage oder MP3-Player gerne anstecken: Denn Musik regt Fantasien an und stimuliert das menschliche Gehirn.


Belohnung für das Gehirn

Phänomene, die mit Wahrnehmung, Verstehen und Erleben von Musik zusammenhängen, werden seit einigen Jahren im Bereich der Musikpsychologie untersucht, die bereits zahlreiche interessante Fragen zum Thema angeregt hat. Was etwa passiert, wenn wir unsere Lieblingsmusik hören? Laut Untersuchungen der amerikanischen Forscher Blood und Zatorre löst das Hören des liebsten Musiktitels ein Glücksgefühl aus. Dabei werden jene Gehirnareale aktiviert, die für Belohnung und Emotionen verantwortlich sind. Es handelt sich dabei um dieselben Areale, die aktiv werden, wenn wir ein gutes Essen oder erfüllten Sex genießen. Sofern wir unserem eigenen Musikgeschmack nachgehen können und nicht zum Mithören gezwungen sind, zählt Musik also zu den angenehmsten Dingen, die wir im Alltag erleben. Das Belohnungszentrum des menschlichen Gehirns gehört daher zum Musikerleben wie die Halb- und Ganztöne zur Tonleiter. Ein weiterer Test aus der Musikpsychologie zeigte, dass die Mehrzahl musikalischer Fähigkeiten in der linken Hirnhälfte liegt. Wurde die rechte Hirnhälfte der Versuchspersonen mittels eines Schlafmittels vorübergehend ruhig gestellt, konnten diese zwar nicht mehr sprechen, aber noch Melodien singen. Musikalisch begabte Menschen verarbeiten Klänge und Melodien deshalb vorwiegend im linken Teil des Gehirns, während Laien dabei eher auf die rechte Hirnhälfte zurückgreifen und das Gehörte ganzheitlicher wahrnehmen.

Musik funktioniert

Musik kann sich heilend auf einen angespannten Körper oder einen unruhigen Geist auswirken. Sie findet daher auch bei der Therapie von Ängsten oder körperlichen Schmerzen Anwendung. Musik wird heute immer mehr zu einem Instrument, das sich zu vielerlei Zwecken einsetzen lässt. Ob es sich um musikalische Workshops für gestresste Arbeitnehmer handelt, die zu kreativeren Leistungen und einer harmonischen Form der Zusammenarbeit beitragen sollen, um die in Werbespots verpackten Klänge, die den präsentierten Marken emotionalen Wert beimischen oder um die Dauerberieselung in Einkaufszentren, die unter dem Schirm des so genannten Mood Management für gute Stimmung und Kauflaune sorgen soll: Musik funktioniert, wenn sie Wohlgefühle auslöst, eine Botschaft unterstreicht und so die Identifikation des Einzelnen mit einer Gruppe oder sogar mit einem Produkt verstärken kann. Die Grenzen zwischen einer beiläufigen Wahrnehmung und bewusstem Hören sind angesichts dieses akustischen Alltagsreigens, der nie abzunehmen scheint, ungenauer geworden.

Die Konzentration, die ein bewusstes Hören verlangt, mag heute schwieriger sein denn je. Die Disziplin des Vorbei- und Weghörens lohnt sich trotzdem nur für kurze Zeit.
Für das Hören und Erleben von Musik gilt weiterhin wie für alle Genüsse, die unser Belohnungszentrum im Gehirn auf den Plan rufen: Man muss sich bewusst darauf einlassen.

Autorin: Angelika Stallhofer

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