Du siehst blendend aus! - Der Alltag der Lügen
Es ist wahr. Die Nase wird nicht länger, wenn wir anderen Komplimente machen, die nicht ernst gemeint sind. Doch unser Körper findet andere Wege, um zu signalisieren: An dieser Botschaft ist etwas faul.
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Handelt eine Erzählung von tonnenschweren Ameisen und federleichten Elefanten, nehmen wir sie mit einem Lächeln auf. Das Körpergewicht von Ameisen und Elefanten ist uns gut bekannt, am Lügencharakter der Geschichte besteht kein Zweifel. Doch zumeist überführen sich die gehörten Begriffe nicht von selbst. Nur aus Mimik und Gestik des Gesprächspartners lässt sich womöglich ablesen, ob er lügt. Und das kann vorkommen, viel häufiger als gedacht.

Lügner rund um die Uhr
Erste Täuschungsakte kommen bei Kleinkindern schon ab dem sechsten Lebensmonat vor. Sie weinen, um gewünschte Objekte in ihren Besitz zu bringen. Glaubt man den Ergebnissen der Lügenforschung, lügen wir zweihundert Mal täglich. Was erstaunlich klingt, ist leicht erklärt: Jeder möchte die Zeit, die er in Gesellschaft anderer Menschen verbringt, so angenehm wie möglich gestalten. Um sich böse oder enttäuschte Mienen, Konflikte und Haarspaltereien zu ersparen, nimmt man es mit der Wahrheit manchmal nicht so genau. Außerdem möchte niemand als unhöflich oder wirsch gelten. Gelogen wird oft auch aus Angst oder um Bescheidenheit zu zeigen. Wer sich und seine Leistungen ins rechte Licht rücken will, macht von der Lüge als Mittel zur Selbstdarstellung Gebrauch. Wo es darum geht, einen guten Eindruck zu erwecken, stehen zumindest kleine Schummeleien an der Tagesordnung. Ob es sich um die professionelle Bewerbung eines Produktes oder um das Anpreisen der Marke „Ich“ handelt: Übertreibungen, Auslassungen und Schönfärberei gehören zum Geschäft, auch wenn nicht jeder Geschmack an diesen Methoden findet.

Die vielen Gesichter der Lüge
Lügen können verschiedene Formen annehmen: Von der harmlosen Ausrede oder Notlüge bis hin zur großen Lebenslüge. Manchmal lügen wir vorsätzlich, um uns selbst vor Schaden zu bewahren oder um andere zu schützen, oft aber kolportieren wir Lügen schlichtweg ohne es zu wissen. Wahrheit und Lüge trennt ein schmaler Grat. Nicht selten sind die Grenzen nur verschwommen auszumachen, das so genannte Körnchen Wahrheit versteckt sich hier wie da, aber auch die halbe Wahrheit ist eben nicht die ganze. Und wer bestimmt eigentlich darüber, was „die ganze Wahrheit“ ist? Während niemand von uns dazu verpflichtet ist, Privates preiszugeben, verhält es sich mit wichtigen Informationen, die die Allgemeinheit betreffen, anders. Das Wesentliche oder auch Problematische an einem Sachverhalt unter den Tisch fallen zu lassen, kann ebenso schwerwiegende Folgen für andere haben wie eine glatte Lüge. Kommt die Wahrheit endlich ans Licht, leidet darunter aber auch das Image jener, die geschwiegen haben. Glaubwürdigkeit und Vertrauen bestimmen über den wirtschaftlichen Erfolg ebenso wie über die Qualität unserer persönlichen Beziehungen. Verlorenes Vertrauen wiederherzustellen, ist schwierig. Zu tief sitzt die Angst in unseren Köpfen: Wer einmal lügt, wird wieder lügen.

Lügen erforschen und erkennen
Lügenforscher haben verschiedene Verfahren zur Lügendetektion entwickelt. Mithilfe einer speziellen Software lässt sich zum Beispiel die Mimik eines Menschen analysieren. Gesichtsausdrücke, die nur den Bruchteil einer Sekunde andauern und sich unserer Kontrolle entziehen, werden erfasst und ausgewertet. Bestimmte Ausdrücke gelten dabei als Hinweise für eine Lüge, können bislang allerdings nicht als hieb- und stichfeste Beweise betrachtet werden. Die polygraphische Lügendetektion macht sich die Tatsache zunutze, dass Lügen in der Regel eine emotionale Belastung für uns darstellt, die zu einer erhöhten körperlichen Erregung führt. Gemessen werden daher Herz- und Atemfrequenz, Blutdruck und Veränderungen des elektrischen Hautwiderstandes. Ferner geht man davon aus, dass Lügen die Durchblutung und in der Folge die Gehirnaktivität steigert. Ob sich die Aktivitätszonen im Gehirn ausweiten, kann mittels einer Magnetresonanztomographie festgestellt werden.

Lügen im Alltag erkennen
Im Alltag können wir natürlich nicht auf technische Hilfsmittel dieser Art zurückgreifen, um Lügnern auf die Spur zu kommen, sondern müssen unsere Menschenkenntnis zu Rate ziehen. Die Lügenforschung kennt allerdings auch Lügenindikatoren, die jeder aufmerksame Mensch erfassen kann. Wer lügt, zwinkert demzufolge häufiger, lächelt weniger, bemüht sich um eine einheitliche Mimik und darum, direkten Augenkontakt zu vermeiden. Seine Körper-bewegungen wirken unruhig und unharmonisch, die Stimmlage erhöht sich. Da beim Lügen das spontane Sprechen unterdrückt werden muss, stockt der Sprechfluss. Auf Fragen wird mit kurzen Sätzen geantwortet, Sätze werden unterbrochen und es wird gezögert. Inhaltlich mehren sich negative und absolut formulierte Aussagen, faktische Behauptungen werden durch irrelevante Informationen ersetzt und die Wortvielfalt nimmt deutlich ab. Wer für gewöhnlich sein Herz auf der Zunge trägt und nur ausnahmsweise mit Absicht in die Lügenkiste greift, wird sich durch diese Zeichen vermutlich verraten. Notorischen Lügnern im Stil Münchhausens ist aber auch mit dem Wissen der Lügenforschung schwer beizukommen. Sie haben gelernt, solche Unsicherheiten zu verbergen. Hat man es allerdings mit mehreren gegensätzlichen Behauptungen zu tun, kann man sich zumindest des bekannten Ausdrucks entsinnen „Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte“.

 


Autorin: Mag.a Angelika Stallhofer

 


Fotocredit: Zoran Vukmanov Simok/Fotolia.com
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