Der richtige Riecher - Vom Mandelkern übers Limbische System direkt in die Vase
Duft ist eine alte Form der Kommunikation. Jedes Lebewesen, jede Pflanze und auch fast jeder unbelebte Gegenstand strömt einen bestimmten Geruch aus. Manche Gerüche mögen wir, wie den Duft von frischem Obst, andere empfinden wir als ekelhaft, wie z.B. Katzenurin. Dabei sind Gerüche komplizierte Gemische mit einigen hundert, ja sogar bis zu tausend chemischen Bestandteilen.
Der richtige Riecher - Vom Mandelkern übers Limbische System direkt in die Vase
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Der Duft einer Rose setzt sich beispielsweise aus etwas 500 Einzelstoffen zusammen, Kaffeeduft besteht aus 200 unterschiedlichen Komponenten.

Erste Station der Wahrnehmung von Gerüchen ist die Riechschleimhaut in der Nasenhöhle. Dort befinden sich etwa drei Millionen Riechsinneszellen auf einer Fläche so groß wie ein Zwei-Euro-Stück. Jede dieser Riechzellen ist auf einen bestimmten Duft spezialisiert, der einen elektrischen Impuls auslöst. Die Nase ist im übrigen das einzige Sinnesorgan, das seine Impulse direkt ins Gehirn leitet, ohne dass andere Nervenzellen vorgeschaltet sind. Einer der Informationspfade führt vom Riechhirn direkt zum Sitz der Emotionen, in einen Hirnteil namens Mandelkern. Er gehört zum so genannten Limbischen System. Im Mandelkern erzeugen die eintreffenden Duftinformationen blitzschnell ein Gefühl wie Freude, Angst oder Ekel.

So kommt es dann auch dazu, dass Düfte Erinnerungen wachrufen können, denn diese werden ebenfalls im Limbischen System aktiviert. Hier entstehen vor unserem inneren Auge die Bilder, die der jeweilige Duft hervorruft. Bei Bohnerwachs denken wir vielleicht an Großmutters Treppenhaus oder bei dem Geruch von Wandfarbe an den letzten Umzug. Sollte uns jedoch der intensive Duft von Hyazinthen in den Riechkolben steigen, so ist ein schöner Strauß oder ein Hyazinthenglas nicht weit.

Hyazinthen sind ganz besondere Zwiebelblumen, denn sie verströmen nicht nur ein Parfum wie aus Tausendundeiner Nacht, sondern ihr Blütenstand, der aus unzähligen dicht stehenden Einzelblüten besteht, erinnert an verspielte Ornamentalik. Die Hyazinthe hat die Menschen schon früh fasziniert. Sie gelangte bereits im 16. Jahrhundert über Konstantinopel aus dem Nahen Osten nach Europa. Mitte des 18. Jahrhunderts avancierten sie in Frankreich zu Modeblumen, die aus dem Garten nicht wegzudenken waren. Diese Begeisterung ging angeblich auf Madame Pompadour, die Geliebte des französischen Königs Ludwig XV., zurück, die die Gärten von Versailles mit Hyazinthen bepflanzen ließ.

Um 1800 existierten bereits mehrere hundert Sorten und nicht nur in den Niederlanden wurde vermehrt und gezüchtet, sondern auch in Berlin gab es damals viele Blumenzwiebelzüchter, die Hyazinthenzwiebeln anbauten. Zur Blütezeit waren diese Hyazinthenfelder ein beliebtes Ausflugsziel für Berliner. Die zunehmende Bebauung in der Gründerzeit brachte den Rückgang der Berliner Hyazinthenkultur. 1901 war sie bereits stark geschrumpft, in den darauffolgenden Jahren erlosch sie ganz.

Doch heute können wir uns aufgrund der züchterischen Bemühungen unserer niederländischen Nachbarn ab Dezember mit den wohlduftenden, orientalischen Schönheiten umgeben. In vielen Farben sind sie auf dem Markt und schon einige wenige reichen aus, um Riechkolben und Augen gleichermaßen zu erfreuen.

Quelle: Grünes Presseportal
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