Shiatsu bei Schlafstörungen
Shiatsu bei Schlafstörungen
Wie wichtig guter Schlaf ist, merken wir leider erst dann, wenn diese vermeintliche Selbstverständlichkeit keine mehr ist. Rund ein Viertel aller ÖsterreicherInnen leidet an Schlafstörungen. Wenn auch Sie davon betroffen sind, erfahren Sie in diesem Artikel, was Sie selbst für einen erholsamen Schlaf tun können.
Schlaf ist für den Menschen, was Aufziehen für die Uhr“, wusste schon Arthur Schopenhauer. Doch nicht jedem ist eine erholsame Nachtruhe gegeben. Wie wichtig guter Schlaf ist, merken wir leider erst dann, wenn diese vermeintliche Selbstverständlichkeit keine mehr ist. Rund ein Viertel aller ÖsterreicherInnen leidet an Schlafstörungen, geht aus den jüngsten Untersuchungen der Österreichischen Gesellschaft für Schlafmedizin hervor. Ein- und Durchschlafstörungen* können verschiedene Gründe haben. Wenn organische Ursachen ausgeschlossen werden können, steht meistens Stress hinter den Schlafstörungen. Wer über eine längere Zeit etwa beruflich unter großem Druck steht, von familiären Sorgen geplagt ist und in der Freizeit nicht mehr ausspannen kann, läuft Gefahr, Schlafprobleme – und im äußersten Fall Folgeerkrankungen – zu entwickeln. Es gilt also, möglichst früh herauszufinden, warum die Schlafqualität abgenommen hat und gegenzusteuern.

Sind die Schlafstörungen stressinduziert, kann alles, was die Anspannung reduziert, dabei helfen, wieder zu einer erholsamen Nachtruhe zu finden. Eine Möglichkeit dazu bietet Shiatsu.

Wenn ein Klient, eine Klientin mit Schlafproblemen das erste Mal zum Shiatsu kommt, wird eine ausführliche Anamnese erstellt. Welche Art der Schlafstörung ist vorhanden? Seit wann leidet der Klient unter den Beschwerden? Wie sieht der Alltag aus, wie die Ernährung?

Zur Ruhe kommen

Im Shiatsu suchen wir im Anamnesegespräch die Ursachen für die Beschwerden, die oft im Lebensstil zu finden sind. So können wir einen genauen Behandlungsplan erstellen und damit die bestmöglichen Ergebnisse erzielen“, erklärt Mike Mandl, auf Schlaf spezialisierter Shiatsu-Praktiker und Vorstandsmitglied des Österreichischen Dachverbandes für Shiatsu (ÖDS). Er betrachtet Schlafstörungen beim Shiatsu nicht als isoliertes Beschwerdebild, sondern als Symptom. Der Mensch wird mit Körper, Geist und Seele ganzheitlich erfasst. Beim Shiatsu kann der ganze Körper sowie der Geist entspannen. Somit kann sich auch das sympathische Nervensystem – unser Kampf- und Fluchtmechanismus – beruhigen.  Damit wird die Basis dafür gelegt, erkennen zu können, was einem den „Schlaf raubt“.

Shiatsu geht davon aus, dass unser Körper-Geist-System permanent zwischen Zuständen von Anspannung und Entspannung, zwischen Aktivität und Ruhe pendelt. Überwiegt einer dieser Zustände, entsteht ein Ungleichgewicht, dass sich auf den gesamten Organismus auswirken kann. Wir fühlen uns „unrund“. Durch den tief wirksamen Druck wird ein Ausgleich im vegetativen Nervensystem hergestellt und gezielt muskuläre Überspannung abgebaut – beides notwendige Voraussetzungen für eine „gute Nacht“.

„Charakteristisch für Shiatsu ist die Arbeit aus der Mitte aus einer inneren Zentriertheit heraus. Durch dieses ‚bei sich sein‘ des Praktikers werden die KlientInnen eingeladen, selbst während der Behandlung loszulassen und zu entspannen“, so Mandl.

Entscheidungen treffen

In der Praxis sehen wir verschiedene Gründe, wieso jemand nicht mehr gut ein- und durchschlafen kann. Shiatsu setzt dort an, wo andere Methoden nicht hinsehen. Oft helfen bereits wenige Shiatsu-Behandlungen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen“, ergänzt Mandl. Shiatsu unterstützt einen gesunden Lifestyle. Werden schlaffeindliche Verhaltensweisen wie zu viel Kaffee, Stress oder schlechte Ernährung abgelegt, können in Kombination mit Shiatsu rasch nachhaltige Erfolge erzielt werden. Manchmal sind es aber auch größere Veränderungen, die in die Wege geleitet werden wollen. Shiatsu hilft dabei, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse wieder klarer wahrzunehmen und dadurch notwendige Entscheidungen zu treffen. „Shiatsu kann unterstützend helfen, ersetzt aber nicht den verantwortungsvollen, mündigen Umgang mit unserer Lebenszeit und unseren Ressourcen“, weiß Mandl.

Wer generell dazu neigt, nachts nicht schlafen zu können, dem helfen folgende Tipps von Mike Mandl:

  • Notebook, Tablet und Smartphone vor dem Einschlafen oder sogar im Bett sind tabu! Das bläuliche Licht stört die innere Uhr und kann das Einschlafen erschweren. Besser: Ein entspannendes Buch lesen.
  • Drei Stunden vor dem Zubettgehen: Kein schweres Essen, kein Alkohol, kein Nikotin. Und natürlich: Vier bis acht Stunden vor dem Schlaf keinen Kaffee mehr trinken. Das Koffein kann bei empfindlichen Personen bis zu 14 Stunden wirken.
  • Leichte Bewegung nach der Arbeit hilft, überschüssigen Stress abzubauen sowie Körper und Geist zu entspannen. Allerdings: Nicht übertreiben. Erhöhte Anstrengung kann den Körper wieder „hochfahren“ und das Einschlafen erschweren. So sollten zwischen körperlicher Anstrengung und dem Zubettgehen mindestens zwei Stunden liegen.
  • Schlaf braucht einen Rhythmus, der trainiert werden will. Gleichbleibende Zeiten beim Zubettgehen und Aufstehen – auch am Wochenende –  helfen unserem System, sich auf die große Ruhepause einzustellen. Am besten mit gleichbleibenden Ritualen verbinden. Eine beruhigende Tasse Tee (Hopfen, Johanniskraut, Melisse…), ein paar Seiten im Lieblingsbuch, ein paar ruhige Atemübungen.
  • Dem Schlaf nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Einschlafen heißt loslassen (können). Wer sich krampfhaft um einen besseren Schlaf bemüht, bewirkt oft das Gegenteil. Die weniger guten Schlafphasen einfach akzeptieren und nicht dagegen ankämpfen.

Wer mit den genannten Methoden nach einiger Zeit dennoch keinen erholsamen Schlaf findet, sollte gezielt nach den Ursachen suchen. Geeignete Shiatsu-PraktikerInnen, die dabei unterstützen, findet man auf www.oeds.at


*In der Medizin wird von einer Einschlafstörung gesprochen, wenn das Einschlafen regelmäßig länger als 30 Minuten dauert. Eine Durchschlafstörung liegt vor, wenn Sie drei Mal pro Woche aufwachen, bevor Sie sechs Stunden am Stück geschlafen haben.



AutorIn: red., öds; Fotocredit: © Herbert Gspan
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