Folsäure - schlecht versorgte Bevölkerung
Einer der häufigsten Vitaminmängel in Europa ist jener an Folsäure. Vor allem vor und während der Schwangerschaft kann es dadurch zu Komplikationen und bleibenden Schäden kommen.

Der Begriff Folsäure leitet sich vom lateinischen Wort „folium“ für Blatt ab, da grünes Blattgemüse eine wichtige Quelle für das Vitamin darstellt. Es gehört zur Gruppe der wasserlöslichen B-Vitamine und wird leicht durch Hitze und Licht zerstört. Daher sollte zu langes Kochen oder eine lange Lagerung von folsäurehältigen Lebensmitteln vermieden werden – Rohkost wäre eine gute Alternative.

Folsäurehältige Lebensmittel

Die Hauptquellen sind grünes Blattgemüse wie Spinat, Spargel und Hülsenfrüchte wie Sojabohnen, Eigelb, aber auch Fleisch und hier vor allem Leber sind wichtige Folsäurelieferanten.

Die durch Nahrung aufgenommene Folsäure ist meist an Glutaminsäure oder Glutamat gebunden. Glutaminsäure gehört zu den essentiellen Aminosäuren, die für den Proteinaufbau im Körper wichtig sind. Im Dünndarm wird das Vitamin durch bestimmte Enzyme abgespalten und gelangt mit Hilfe von Proteinen zur Darmschleimhaut, die die Nährstoffe resorbiert. Der überwiegende Teil gelangt zur Leber und wird dort an Glutamat gebunden gespeichert. Der Gesamtkörperspeicher an Folsäure wird auf ca. 5-10 mg geschätzt, wobei die Leber etwa die Hälfte enthält.

Wirkung im Körper

Folsäure hat viele verschiedene Aufgaben im Stoffwechselkreislauf. So ist sie ein wichtiger Cofaktor bei der Produktion von roten Blutkörperchen, indem sie das „Häm“- ein eisenhaltiges Protein im roten Blutfarbstoff Hämoglobin- mit aufbaut.

Die Aufnahme des Vitamins steigert die Magensaftproduktion, und hilft so Menschen, deren Körper zu wenig Salzsäure für die Verdauung herstellt.
Es unterstützt den Aufbau der Nukleinsäure (DNA), die der Träger der Erbinformation ist. Zusätzlich hat Folsäure auch einen großen Einfluss auf unsere Gefühlslagen und Launen. Denn sie beeinflusst die Synthese von Serotonin und Noradrenalin in Gehirn- und Nervenzellen. Serotonin löst Glücksgefühle und einen gesunden Schlaf aus und Noradrenalin sorgt für Aktivität, Motivation und Begeisterung während des Tages.

Vitamin B12 sorgt dafür, dass immer genug Folsäure in den Zellen gespeichert ist und so die Funktionen aufrechterhalten bleiben. Doch viele Vegetarier weisen aufgrund ihrer Ernährungsumstellung einen Mangel an Vitamin B12 auf, der die gewünschte Wirkung von Folsäure einschränkt.

Täglicher Bedarf

Grundsätzlich sind in Europa die meisten Menschen mit Folsäure unterversorgt, das heißt, die Aufnahme müsste gesteigert werden. Dies kann durch folsäurehaltige Lebensmittel oder durch Folsäuresupplemente passieren. Bei der natürlichen Aufnahme ist keine Gefahr einer Überdosis gegeben, jedoch sollte man die oberste Grenze von Supplementen von 1.000μg /Tag nicht überschreiten.

Im Allgemeinen ist der Bedarf für einen durchschnittlichen Erwachsenen bei 400 μg /Tag festgelegt. Eine erhöhte Zufuhr ist bei Schwangeren, Stillenden, Kindern im Wachstum, Frühgeburten, Rauchern und Alkoholikern gegeben.

Folgen der Unterversorgung

Vor allem während einer Schwangerschaft ist es ratsam, ca. 400 μg/Tag zusätzlich aufzunehmen. Denn vor allem zu Beginn des Entwicklungsstadiums des Embryos ist Folsäure wichtig, um Missbildungen und Entwicklungsstörungen zu verhindern. Da das Vitamin den Aufbau der Nukleinsäure (DNA) fördert, kann es durch mangelhafte Versorgung zu einem Neuralrohrdefekt kommen. Das Neuralrohr ist die erste Entwicklungsstufe des zentralen Nervensystems und wird später zum Rückenmark und Gehirn. Weiters können auch angeborene Herzfehler, Harnwegsfehlbildungen, Aborte sowie Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten auftreten.

Beim erwachsenen Menschen können ein niedriger Methioninspiegel, ein erhöhter Homocysteinspiegel oder eine Megaloblastäre Anämie, bei der die Produktion der roten Blutkörperchen eingeschränkt ist, auf einen Folsäuremangel hinweisen.

Autorin: Sandra Haindl

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