Schilddrüsenhormone - sorgen für den nötigen Antrieb
Schilddrüsenhormone - sorgen für den nötigen Antrieb
Die Schilddrüsenhormone T3 und T4 beeinflussen den Stoffwechsel, Konzentrationsfähigkeit und stehen auch in Wechselwirkung mit anderen Hormonen. Wo und wie sie ausgeschüttet werden, wie die Verbreitung im Körper vor sich geht und was passiert, wenn uns zu wenige oder zu viele Schilddrüsenhormone zur Verfügung stehen, erfahren Sie hier…
Schilddrüsenhormone - sorgen für den nötigen Antrieb
Mehr zum Thema
» Sexualhormone - machen Lust und Laune
» Die Wechseljahre - Midlifecrisis der Frau?
» Hormone - Körper und Seele im Einklang
» Hypothalamus und Hypophyse - zwei Drüsen zum Ausgleich des Hormonsystems
» Hormone des Pankreas - Blutzuckerregulation

Welche Schilddrüsenhormone gibt es und wie gelangen sie in die Zellen des Körpers?

Generell unterscheidet man zwei Arten von Schilddrüsenhormonen, erstens das Trijodthyronin (T¬3) und zweitens das Tetrajodthyronin (T4, kurz Thyroxin genannt). Wie die beiden Namen schon vermuten lassen, besitzt das T3 drei und das T4 vier Jod-Teilchen. Für die Produktion dieser Hormone benötigt die Schilddrüse Iodidionen, die durch die Nahrung in Form von Jod zugeführt werden.

Zu den Lebensmitteln, die reichlich Jod enthalten, zählen jodiertes Salz (15-25mg/kg), Meeresfische wie Thunfisch(72µg/100g) und Seelachs(40µg/100g) sowie Käse wie etwa Schafskäse, 50 % Fett (114µg/100g). Um den Körper optimal zu versorgen, gilt der DACH-Richtwert von 180-200µg/Jod pro Tag für einen Erwachsenen. Steht dem Körper eine ausreichende Menge an Jod zur Synthese der Hormone zur Verfügung, können in der Schilddrüse aus Schilddrüsengewebe mit Hilfe des Enzyms Thyreoperoxidase T3 und T4 hergestellt werden. Von dort aus werden die Hormone dann ins Blut abgegeben und zu den Zellen im Körper transportiert. Dazu binden sich die Hormone vorwiegend an „Thyroxinbinde Globuline“, das sind kleine Eiweißteilchen, und nutzen diese als Carrier („Transportmittel“). Nur 0,3 % des T3 und T4 im Blut sind ungebunden, bewegen sich also frei, ohne Carrier im Blut.

Und genau diese freien Formen wirken besonders effektiv in den Zellen. Allerdings kann sowohl von den gebundenen, als auch von den freien Schilddrüsenhormonen lediglich das T3 in die Zellen aufgenommen werden, das T4 hingegen dient in erster Linie zur Speicherung und muss vor der Aufnahme erst durch ein Enzym, das sich 5´Dejodase nennt und dem T4 ein Jod-Teilchen wegnimmt, zu T3 reduziert werden. Im Blut befinden sich außerdem 40mal soviele T4 wie T3-Teilchen. So hat der Körper genug Hormone auf Vorrat, um auch in Zeiten von geringerer Hormonproduktion diese Schwankungen sofort ausgleichen zu können.

Wie funktioniert die Regulierung und Ausschüttung dieser Hormone?

Schilddrüsenhormone werden zwar in der Schilddrüse gebildet und von dort aus ins Blut und in weiterer Folge in die Zellen abgegeben, allerdings beginnt der Prozess der Hormonproduktion und – ausschüttung im Gehirn, genau genommen im Hypothalamus. In dieser „Steuerzentrale“ wird geprüft, ob im Körper ausreichend viele Schilddrüsenhormone vorhanden sind. Ist das nicht der Fall, so wird das Hormon TRH (Thyroliberin) an die Hypophyse, ebenfalls ein Teil des Gehirnes, abgegeben, bei einem Zuviel an T3/T4 wird dagegen SIH (Somatostatin) ausgeschüttet. Somit erhält die Hypophyse vom Hypothalamus wichtige Informationen, welche sie nun an die Schilddrüse, wiederum in Form eines Hormons, dem TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon, auch Thyrotropsin genannt), weitergibt. Abhängig davon nämlich, wieviel TSH die Schilddrüse erhält, bildet diese T3 und T4 bzw. gibt diese beiden Hormone ins Blut ab.

Welche Funktionen erfüllen Schilddrüsenhormone im Körper?

Die spezifischen Aufgaben der Schilddrüsenhormone sind die Regulierung des Temperaturhaushaltes im Körper, daher dafür zu sorgen, dass die Körpertemperatur bei unterschiedlichen Raum- bzw. Außentemperaturen konstant bleibt, sowie die Regelung des Stoffwechsels. Ausschlaggebend dafür ist der durch T3 verursachte 02-Verbrauch, welcher Verbrennungsvorgänge im Körper durchführt und somit den Energieverbrauch steigert. Darüber hinaus wird die Wirksamkeit anderer, den Energieumsatz steigernder Hormone, wie etwa Insulin und Adrenalin, durch T3 gewährleistet. Generelle Funktionen der Schilddrüsenhormone sind die Reifung und das Wachstum, besonders in Zusammenhang mit Gehirn, Nerven und Knochen.

Wie wirkt sich ein inadäquater Hormonwert aus und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Ist der Hormonspiegel im Blut normal, so funktioniert der Organismus ordnungsgemäß. Liegen Abweichungen, nach oben oder unten, vor, kann es zu körperlichen Problemen kommen. Bei einer Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen, in der Fachsprache Hypothyreose genannt, fehlen dem Körper wichtige Botenstoffe, was dazu führt, dass sich der Stoffwechsel verlangsamt. Konzentrationsschwächen, Phasen der Müdigkeit und Depression können sich bemerkbar machen sowie äußere Erscheinungen in Form brüchiger Haare, Gewichtszunahme und rauer Stimme auftreten.

Im gegensätzlichen Fall einer Schilddrüsenüberfunktion, der Hyperthyreose, sind zu viele Schilddrüsenhormone im Körper vorhanden. Dadurch werden die Vorgänge im Körper „beschleunigt“, er läuft sozusagen auf Hochtouren. Die Folgen und gleichzeitig Anzeichen sind Nervosität, innere Unruhe, Diarrhöe und Gewichtsabnahme trotz gesteigertem Appetit.

Die Ursachen beider Störungen können entweder an der Schilddrüse selbst oder einem der beiden anderen Teile des Hormonsystems im Gehirn, also dem Hypothalamus oder der Hypophyse, liegen. Ein eindeutiges Anzeichen auf eine Schilddrüsenerkrankung ist zusätzlich die Entstehung eines Kropfes. Spätestens dann ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Dieser führt zu allererst einen Bluttest durch, um genauere Auskunft über den Hormonstatus zu bekommen. Entdeckt man dabei Abweichungen vom Normalwert, werden anschließend zur Diagnose und richtigen Behandlung weitere Untersuchungen durchgeführt. Die Sonografie (Ultraschall) und Szintigrafie (bildgebendes Verfahren) liefern detaillierte Informationen zur Klärung der Ursachen und geben Aufschluss über die Funktion und eventuelle Veränderung der Schilddrüse.

Die Behandlung einer Hyper- oder Hypothyreose erfolgt in vielen Fällen durch die Einnahme von Tabletten, die entweder die fehlenden Hormone enthalten oder die Produktion der selbigen hemmen.

Selen als natürlicher Mineralstoff ist ein Gegenspieler des Jods und hemmt die Schilddrüsenhormonproduktion und die Umwandlung von inaktivem T4 in die aktive T3-Form.

Autorin: Julia Egermann

 

 

Kommentare