Ist das der Anfang vom Ende - was passiert, wenn eines der unzähligen Selbsthilfebücher da draußen tatsächlich funktioniert?
Will Ferguson: „Glück®“

„This is the story of apocalypse: Apocalypse Nice.” Edwin de Valu hat den schlimmsten Job der Welt: Er ist Lektor für Selbsthilfe-Bücher. Als solcher weiß er: Alles Lügen, deren einziges Ziel der Profit ist. Es gibt kein Rezept zum Glücklichsein, und die Menschen sind nicht zum Glücklichsein gemacht. Edwin hat den Zynismus zu seiner Lebenseinstellung gemacht.

Doch dann landet ein Manuskript auf Edwins Schreibtisch, etwa 1000 Seiten lang, das das Gesamtpaket zu sein scheint. Es verspricht nicht nur Zufriedenheit. Es verspricht nicht nur finanziellen Reichtum. Es verspricht nicht nur ein erfülltes Sex-Leben. Es verspricht alle diese Dinge und mehr. Und das Verrückteste ist: Es funktioniert.

Doch anstatt des erhofften Utopia scheint das Ende der Welt, wie wir sie kennen, nahe. Alle sind glücklich, aber sie kommen nicht mehr zur Arbeit. Drogen, Alkohol und Tabak werden von all den glücklichen Menschen nicht mehr konsumiert – was die genannten Industrien nicht gerade glücklich macht, und sie suchen nach einem Sündenbock. Und vor allem: Edwin ist anscheinend der letzte Zyniker auf Erden. Er ist der einzige, der die Welt vor einem Untergang in Nettigkeiten, lächelnden Gesichtern und Umarmungen retten kann…

In einer Welt, in der Selbsthilfebücher ganze Abteilungen in Buchhandlungen füllen und ihr Inhalt von Ratsuchenden fast schon religiös befolgt wird, hat Will Ferguson mit „Glück®“ eine beißende Satire auf eben jenen Industriezweig geschaffen. Denn: Selbsthilfebücher sollen Menschen zu Glück verhelfen. Funktioniert das aber tatsächlich, sind Selbsthilfebücher – und eine ganze Menge anderer „Glücklichmacher“ – überflüssig.


„Glück®“ ist kein zynisches Manifest gegen das Glück an sich; aber es zeigt auf, das das Leben nun mal nicht nur aus flauschigen Hundewelpen und glückseligem In-den-Himmel-Starren besteht. Mit messerscharfem Humor zeigt Ferguson all die Scheinheiligkeiten, die der Gesellschaft innewohnen, auf. Vor allem aber bringt er den Leser zum Lachen. Und dazwischen ist auch immer ein wenig Platz für die Wahrheiten des Lebens, die aber im Prinzip genauso absurd und witzig sind.

Autorin: Johanna Schönfeld

Buchtipp: Will Ferguson: „Glück®“, Ullstein Verlag

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