Interview - virtuelle Liebe
Virtuelles Kennenlernen mit echtem Sex?
Statt wie früher im Freundeskreis, an der Universität oder am Arbeitsplatz verlieben sich heute viele Paare über Social Communities, Partnervermittlungsagenturen oder Chats. Expertin Vanessa del Rae verrät die Vorteile des virtuellen Kennenlernens, wo die Risiken sein können und was man bei ersten Treffen beachten sollte.
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Was versteht man unter virtueller Liebe?
Eine Form der virtuellen Liebe ist die Suche nach einem Lebenspartner bzw. einer Lebenspartnerin oder auch Gleichgesinnten für ein spezielles Sexabenteuer wie One-Night Stands, SM–Spiele, einem flotten Dreier und dergleichen. Auf Internetportalen kann man virtuell anbandeln, und es können Vorlieben, Fantasien und Wünsche offen mitgeteilt werden. Alles dient dazu, ein geeignetes Pendant zu finden, mit dem man sich irgendwann dann auch real trifft.
Die andere Variante der virtuellen Liebe ist der reine Cybersex, der sich nur im Netz abspielt, mit virtuellen Freunden, die Avatare genannt werden. Irgendwo dazwischen liegen Telefonsex und verbalerotische, heiße Chats oder e-mails sowie das gegenseitige Beobachten bei sexuellen Handlungen über eine Webcam.

Welche Risiken bergen virtuelle Beziehungen?
Ausschließlich virtuelle Beziehungen und virtueller Sex führen zu Vereinsamung und Verarmung der sozialen Fähigkeiten. Wer sich aus Angst vor emotionaler Verletzung und der Auseinandersetzung mit einem Partner hinter dem Computer verschanzt, nimmt sich die Möglichkeit zu tiefer menschlicher Begegnung. Eine virtuelle Beziehung kann eine reale niemals dauerhaft ersetzen. Letztlich aber haben alle Formen der Beziehung und sexuellen Begegnung ihre Daseinsberechtigung. Das wichtigste ist, dass man Erfüllung und Befriedigung – welcher Art auch immer – darin findet.

Endet virtuelle Liebe beim Treffen in der Realität? Wie kann man das verhindern?
Um keine bösen Überraschungen zu erleben, empfehle ich dringend, die Regeln der Netikette einzuhalten und nur das zu schreiben, was Sie wirklich meinen. Auch wenn Sie die Person, mit der Sie im Netz kommunizieren, möglicherweise nie zu Gesicht bekommen werden.
Gehen Sie möglichst entspannt zum ersten Date. Kleiden Sie sich so, dass Sie sich wohl fühlen und versuchen Sie es „sportlich“ zu nehmen, wenn es nicht gleich beim ersten Mal klappt. Treffen Sie sich an einem neutralen Ort, einem Cafe, einer Bar oder einem Restaurant, wo sie sich in einer ruhigen Ecke ungestört unterhalten und beschnuppern können. Hier werden Sie sehr schnell erfahren, wie zutreffend sich jemand im Netz präsentiert hat.
Treffen Sie sich beim ersten Mal auf keinen Fall bei sich oder dem Partner zu Hause. Bei Sexdates buchen sie am besten ein Hotelzimmer oder gehen Sie, je nachdem, welches Abenteuer Sie gemeinsam vorhaben, in eine entsprechende Location (zB einen SM- oder Swingerclub).

Geht es bei virtueller Liebe wirklich um Liebe oder um (anonyme) sexuelle Abenteuer?
Wenn jemand ehrlich und schön schreibt, kann das sehr starke Gefühle hervorrufen und sehr erregend sein. Dann kommt es darauf an, ob man in der Realität halten kann, was man versprochen hat. Es besteht durchaus die Chance auf die große Liebe!
Bei anderen Plattformen, wie C-Date zum Beispiel, geht es explizit darum, jemanden zu finden, der die eigenen Vorlieben, Fantasien und Neigungen teilt, um ein Abenteuer zu erleben. Wie bei rein virtuellen Beziehungen und gelegentlichen Sexabenteuern, wie sie auch in der Realität passieren, muss man hier keine feste Beziehung eingehen.

Warum vertrauen viele darauf, den Partner über Online-Dating kennenzulernen? Ist es einfacher als im realen Leben, jemanden kennenzulernen?
Einfacher ist es nicht unbedingt. Es besteht eine Fülle an Angeboten, aus denen man sich anonym viele potenzielle Partner aussuchen kann. Manche Menschen müssen aber auch online lange suchen, bis sie jemanden finden. Online kann man sich allerdings ungezwungen einander annähern und im Vorfeld schon abchecken, ob die Interessen und Wünsche kompatibel sind. Ein Vorteil für eher schüchterne Menschen übrigens.
Man geht zunächst keine Verpflichtungen ein und kann ohne Weiteres einen Kontakt wieder abbrechen. Aber: Es fehlt der Prickel des ersten „Augenblicks“ - im wahrsten Sinne - und die Wahrnehmung der Pheromone. Man sollte sich fragen, ob man die Zeit, die man vor dem Computer sitzt, nicht auch in Gesellschaft verbringen kann, um so den Menschen zu finden, mit dem man seine Abenteuerlust oder das Leben teilen will.

Vanessa del Rae, Jahrgang 1962, lebt in Berlin: Einen neuen Partner finden? Eine Beziehung auffrischen? Sein sexuelles Leben erweitern?
Wer in dieser Richtung sucht, ist richtig bei Sex-Coach Vanessa del Rae und ihren Seminaren, Workshops und Einzelcoachings, z.B. "Powertalk", "Flirtissimo"! oder Break Free - Be Erotic". Gerade erschienen: Ihre DVD "Silber sinnlich sexy", in der Vanessa del Rae Wege weist zu einer erfüllten Sexualität auch in der zweiten Lebenshälfte.

www.sensuality-school.com
 

Fotocredit: Vanessa del Rae
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