Fern- und Wochenendbeziehungen - Liebe auf Distanz
Liebe auf Distanz - Fern- und Wochenend- Beziehungen
„Absence makes the heart grow fonder“ besagt ein englisches Sprichwort. Frei übersetzt: Die Liebe wächst mit der Entfernung. Aber stimmt das wirklich? Machen Fernbeziehungen die gemeinsame Zeit intensiver, besser? Oder ist es nur ein Trost für jene, die ihren Schatz wieder wochen- oder gar monatelang nicht sehen?
Liebe auf Distanz - Fern- und Wochenend- Beziehungen
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Und ist es nicht eher so, dass man durch räumlich getrennte Wohnorte auch zwei getrennte Leben führt?

Die Ansichten dazu sind unterschiedlich: Viele Menschen, die eine Fernbeziehung führen, sind der Meinung, dass die Beziehung einfacher ist, da man sich nicht wegen alltäglicher Kleinigkeiten in die Haare kommt. Dadurch, dass man nicht gemeinsam wohnt, kommt es zum Beispiel nicht zum Streit darüber, wer den Müll nicht hinausgetragen hat usw. Auch hat man für solche Streitigkeiten oft gar nicht die Zeit, zu kurz ist man zusammen.

Andere Betroffene sehen diese Vorteile nicht, ganz klar jedoch die Nachteile: Einsamkeit, sich immer wieder verabschieden zu müssen, keine spontanen gegenseitigen Besuche.

Eines steht aber außer Frage: Dass die gemeinsame Zeit jedes Mal geplant werden muss. Dazu kommen oft enorme Reisekosten, vor allem, wenn der oder die Liebste sehr weit entfernt wohnt oder man sich so oft wie möglich sehen will. Im Normalfall bedeutet das: jedes Wochenende. So war es auch bei Studentin Evelyn W., die ein Jahr lang eine Fernbeziehung führte. Und das ging ins Geld: „Ich war im Jahr der Fernbeziehung kein einziges Mal einkaufen, weil ich mir keine neuen Kleidungsstücke leisten konnte. Mein Geld gab ich für Zugtickets aus“, erzählt sie und fügt hinzu: „Da muss man eben Prioritäten setzen.“

Das Beziehungsmodell „Fernbeziehung“ scheint in den letzten Jahren immer beliebter zu werden. Laut einer deutschen Studie leben sogar knapp ein Viertel der rund 30-Jährigen weit vom Partner entfernt – 1985 waren es nur vier Prozent der Paare, die sich regelmäßig verabschieden mussten.

Gründe dafür liegen unter anderem in der neuen Form der Kommunikation. Beim Chatten oder in Internet-Singlebörsen lernt man Menschen kennen, die man im realen Leben kaum getroffen hätte – weil sie nun mal zu weit weg wohnen. Aber auch im Urlaub nehmen viele der späteren Fernbeziehungen ihren Anfang.

Überraschenderweise ist die „Liebe auf Distanz“ oft sogar widerstandsfähiger als die klassische Beziehung. Partner aus Distanzbeziehungen gehen laut erwähnter Studie weniger fremd. Von ihnen begehen rund 40 Prozent einen Seitensprung, in „normalen“ Beziehungen sind es 60 Prozent. Trotzdem wünschen sich die meisten Betroffenen, mit dem Partner zusammen zu ziehen.
Bei Evelyn und ihrem Freund hat es geklappt: Nach einem Jahr Fernbeziehung zog auch er nach Wien. Heute, nach insgesamt knapp fünf Jahren, sind sie noch immer ein Paar.

Autorin: Johanna Schönfeld

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