Sexuelle Orientierungen - Ein grober Überblick
Unter sexuellen Orientierungen oder Vorlieben werden die emotionalen, romantischen und sexuellen Interessen gegenüber einem Partner verstanden. Am weitesten verbreitet sind Heterosexualität und Homosexualität.

Heterosexualität

Bei Heterosexuellen ist das Objekt der Begierde vom gegensätzlichen Geschlecht. Männer haben sexuelle Kontakte mit Frauen und andersherum. Von der katholischen Kirche wird sie als einzig richtige Form der Partnerschaft plädiert, da nur sie Gott-gewollt ist, mit den christlichen Werten und Geboten übereinstimmt und in ihr die natürliche Möglichkeit der Fortpflanzung gegeben ist.

Bisexualität

Bisexuell gerichtete Menschen haben sexuelle Handlungen sowohl mit Männern als auch mit Frauen. Ihnen wird oft vorgeworfen, sich nicht für ein „Team“ entscheiden zu können. Freud unterstellt jedoch grundsätzlich jedem Menschen von Geburt an bi zu sein, durch gesellschaftliche Zwänge dann aber die Heterosexualität über die homosexuellen Neigungen zu stellen und ausschließlich diese auszuleben.

Homosexualität

Von Homosexualität spricht man, wenn das Objekt der sexuellen Begierde dem eigenen Geschlecht entspricht. Männer, die Männer lieben, werden als schwul bezeichnet, Frauen, die Frauen als Partner bevorzugen, sind lesbisch.

Trotz wandelnder gesellschaftlicher Bedingungen sind nach wie vor viele Menschen nicht in der Lage, ihre homosexuellen Gefühle frei auszuleben. Sie sind nicht fähig, den Schritt des Coming-Outs zu machen, zum Teil aus Angst vor Sanktionen innerhalb der Familie, des Freundeskreises oder im Berufsumfeld. Wurden selbst in westlichen Ländern homosexuelle Menschen bis in die 80er Jahre stigmatisiert, findet immer mehr ein gesellschaftlicher Umschwung statt, der es ihnen erlaubt, ihre Neigungen offen zu zeigen - wie z.B. auf dem weltweiten Christopher Street Day - und einen ehe-ähnlichen Bund mit dem/der PartnerIn einzugehen. In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff der Regenbogenfamilie. Damit werden Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern bezeichnet, die zusammen mit eigenen oder adoptierten Kindern eine Familie bilden.

Als homophob werden Menschen - überwiegend Männer - bezeichnet, die eine grundsätzliche Angst gegenüber homosexuellen Menschen haben, welche sich nach außen hin als Abneigung und sogar Feindseligkeit zeigt, da deren ausgelebte Sexualität nicht ins eigene anerzogene Selbstbild passt oder eigene homosexuelle Vorlieben ins Unterbewusstsein verdrängt wurden.

Transgender/Transsexualität

Transsexuelle Menschen gehören zwar eindeutig dem männlichen oder weiblichen Geschlecht zu, fühlen sich jedoch als dem anderen Geschlecht zugehörig und wollen sich körperlich – durch Hormontherapien und Geschlechtsumwandlungen - diesem so gut wie möglich annähern. Zu welchem Geschlecht sich transsexuelle Menschen sich erotisch angezogen fühlen, kann ganz unterschiedlich sein.

Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit dem des Transvestismus, der das Tragen der Bekleidung des anderen Geschlechts als Ausdruck der eigenen Geschlechtsidentität versteht, wobei der Wunsch nach einer dauerhaften Geschlechtsumwandlung jedoch nicht besteht.

Asexualtität

Asexuelle Menschen haben von Geburt an unabhängig vom Geschlecht keinerlei Bedürfnis, sexuelle Interaktionen mit anderen Menschen einzugehen. Der Begriff ist jedoch klar abzugrenzen vom freiwilligen Verzicht auf Geschlechtsverkehr, wie er sich im Zölibat finden lässt.

Diese unterschiedlichen Einstellungen gegenüber (der eigenen) sexuellen Identität und Orientierung sind angeboren, zum Teil aber auch gesellschaftlich anerzogen. In wieweit diese ausgelebt werden können, hängt mit den gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen eines jeden Landes zusammen. In vielen Gebieten sind sexuelle Handlungen jenseits der Heterosexualität nach wie vor verboten und werden aufs schlimmste sanktioniert, was dazu führt, dass zu viele Menschen nach wie vor einen Teil ihrer eigenen Identität verstecken müssen.

Autorin: Dipl.-Soz. Christine Bulla
 

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