Die Zungendiagnostik in der TCM - Ein Spiegel des Körpers
Zeigt her eure Zungen: In der Traditionellen Chinesischen Medizin zählt die Diagnose dieses beweglichsten Muskels unseres Körpers zu einer der wichtigsten und aussagekräftigsten Untersuchungsmethoden. Was die Zunge über unsere körperliche Verfassung verraten kann, lesen Sie hier.

Betrachtet, begutachtet
Die chinesische Diagnostik beruht auf der Annahme, dass die inneren Prozesse im Äußeren sichtbar werden. Anders formuliert sind Aussehen, Bewegung und psychische Vitalität Produkte innerer Prozesse. In der TCM werden vier Verfahren angewandt, um zu einer möglichst genauen Krankheitsdiagnose zu gelangen: die Befragung des Patienten, das Riechen und Hören, das Betrachten und das Betasten. Die Untersuchung der Zunge gehört zum wichtigsten Teil des Betrachtens.

Eine Verbindung von Innen und Außen
Diese Untersuchungsmethode basiert auf der Verbindung zwischen Zunge und den inneren Organen, den Meridianen, dem Energiefluss Qi, dem Blut und den Körperflüssigkeiten. Der erste Teil der Diagnose bezieht sich auf die allgemeine Betrachtung des Zungenkörpers. Der Arzt untersucht die Zunge hinsichtlich ihrer Vitalität, Form, Farbe, Spannkraft und Beweglichkeit, sowie der Unterseite. Dadurch erhält er Aufschluss über die Grundkonstitution des Patienten, über die Verfassung der Organe und über den energetischen Zustand, den Zustand des Qi. Der Zungenbelag, seine Farbe, Dicke und Beschaffenheit verrät eingedrungene krankhafte Einflüsse.
Eine normale Zunge ist normal groß, samtartig, glatt, besitzt eine hellrote Färbung und eine gleichmäßige Oberfläche. Der Belag ist dünn, weißlich und feucht.

Landkarte des Körpers
Die Zunge gibt nicht nur als ganzes betrachtet Aufschluss über unseren Gesundheitszustand, darüber hinaus besitzt außerdem jeder Teil der Zunge einen Bezug zu den einzelnen Organen. So folgt bei einer Untersuchung nach der Registrierung der Auffälligkeiten eine räumliche Lokalisierung. Oben, an der Zungenspitze, sitzt das Herz, dicht dahinter die Lunge. Unten, am Zungengrund, befinden sich die Nieren, die Zungenränder an der Seite werden der Leber und der Gallenblase zugeordnet und die Mitte steht für Milz und Magen. Mithilfe dieser Betrachtungen und der Kombination mit den anderen umfassenden Untersuchungen kann der in der TCM ausgebildete Arzt eine genaue Diagnose stellen.

Von Wind und Hitze - Zungendiagnosen
Wie in der Traditionellen Chinesischen Medizin üblich, werden auch an der Zunge die fünf beeinflussenden Witterungseinflüsse Wind, Hitze, Trockenheit, Kälte und Feuchtigkeit benannt. So werden etwa folgende Abweichungen beschrieben:

Farbe: Rot weist oft auf Hitze hin, eine bläuliche Farbe kann einen Blutstau anzeigen, eine zu blasse Zunge leidet möglicherweise unter Kälte.

Zungenbelag: Kälte macht sich als ein feuchter Belag bemerkbar, ein gelber Belag deutet zu viel Hitze an. Ist der Zungenbelag besonders dick, kann das ein Zeichen für eine starke Belastung mit innerer Feuchtigkeit sein.

Zungenkörper: Für Gewebedefekte, wie Risse oder Senken, sind alte schwerwiegende Störungen, oft durch Hitzeereignisse verursacht, verantwortlich.

Autorin: Mag.a Anne Wiedlack

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