Parinirvana-Tag - das Erlöschen des Buddha
Im Februar wird der Todestag des historischen Buddhas gefeiert, genauer gesagt, sein Übergehen ins Nirvana. Was es damit auf sich hat und warum dieser Feiertag kein Grund zur Trauer ist, lesen Sie hier.
Parinirvana-Tag  - das Erlöschen des Buddha
Info
Parinirvana-Tag

Alle Begriffe auf einen Blick

Buddha: bedeutet sowohl in Sanskrit, als auch in Pali „der Erwachte“. Gemeint ist entweder ein Mensch, der das Nirvana erreicht hat, oder der historische Buddha, Shakyamuni Buddha, der mit bürgerlichem Namen Siddharta Gautama (Pali: Siddhatta Gotama) hieß. Siddharta, Begründer des Buddhismus, wurde ca. 563 v. Chr. als Sohn eines Fürsten im heutigen Nepal geboren und wuchs unter begüterten Verhältnissen auf. Er schloss sich verschiedenen asketischen Lehren an, wandte sich dann der Meditation zu und erfuhr das „Erwachen“ (Bodhi), das er lehrend und von Ort zu Ort ziehend an seine Jünger weitervermittelte. Er starb im Alter von 80 Jahren an einer verdorbenen Speise.

Mahayana: Sanskrit, bedeutet wörtlich „Großes Fahrzeug“; neben Hinayana („Kleines Fahrzeug“) eine der beiden großen Schulrichtungen des Buddhismus; legt weniger Wert auf ein mönchisches Leben und sagt auch Laien das Erreichen des Nirvana zu.

Pali: indischer Dialekt, der sich vom Sanskrit ableitet; die Ursprünge sind umstritten; heute wird Pali eher als Literatursprache eingestuft. Parinirvana: Sanskrit, in Pali Parinibbana genannt, bedeutet „vollständiges Erlöschen“, als Synonym für Nirvana gebraucht; manchmal ist auch nur der Tod eines Mönchs oder einer Nonne gemeint.

Samsara: Sanskrit, bedeutet wörtlich „Wanderung“; gemeint ist die Folge von Wiedergeburten, die ein Wesen innerhalb der verschiedenen Existenzweisen durchmacht.

Sanskrit: Sprache der klassischen indischen Kultur; spielt auch im Hinduismus eine bedeutende Rolle; heute weitgehend eine „tote“ Sprache.

Sutra: Sanskrit, in Pali Sutta, bedeutet „Leitfaden“; Lehrreden des Buddha, die direkt auf ihn zurückgehen sollen; reich an Parabeln, Allegorien.
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Der Legende auf der Spur

„Alle Dinge sind dem Verfall unterworfen. Strebt eure Befreiung mit Gewissenhaftigkeit an.“* Wie in der Parinirvana-Sutra, Texten, in denen die Lehrreden des Buddha aufgezeichnet sind, festgehalten ist, waren dies die letzten Worte, die der achtzigjährige Buddha in Begleitung seines Mönchs Ananda kurz vor seinem Tod aussprach. Er wusste demnach, dass sein Leben nun zu Ende war, versicherte seinen Schülern, sie alles gelehrt zu haben, und ging dann ins Nirvana über.
 
Besinnung und Geschenke
 
An dieses Ereignis erinnert man im Mahayana-Buddhismus, einer buddhistischen Glaubensrichtung, in Ostasien am 15. Februar, dem Parinirvana- oder Nirvana-Tag, der in manchen Gebieten auch schon am 8. Februar stattfindet. Gefeiert wird dabei allerdings nicht der Todestag, vielmehr steht die Tatsache im Vordergrund, dass Buddha an diesem Tag das Parinirvana, das vollständige Nirvana, über den Tod seines physischen Körpers erreicht hat. Es ist kein trauriger Anlass, da der Tag nur dafür steht, dass Buddha von einem Zustand in den nächsten übergegangen ist. In Klöstern und Tempeln wird dies als Gelegenheit zur Besinnung genutzt, weshalb mancherorts Meditationen und Rückzugsmöglichkeiten angeboten werden. Andere öffnen ihre Türen für Laien, die bei ihren Besuchen Gebrauchsgegenstände oder Geldgeschenke mitbringen, um die Mönche und Nonnen zu unterstützen.
 
Freiheit von Unheil und Karma: das nachtodliche Nirvana
 
Was aber bedeutet nun Parinirvana? Die Übersetzung des Wortes aus dem Sanskrit ist „vollständiges Erlöschen“. Im Grunde genommen ist Parinirvana ein Synonym für Nirvana, das das Ziel der spirituellen Praxis in allen Richtungen des Buddhismus darstellt. In frühen Formen waren damit vor allem das Ausscheiden aus dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt, Samsara, und das Eingehen in eine völlig andere Existenzweise gemeint. Dabei werden die drei Wurzeln des Unheilsamen – Gier, Hass und Wahn – völlig überwunden und die Freiheit von der Bestimmung durch das Karma erlangt. Nirvana bedeutet daher nicht bloß Vernichtung oder Ende des Lebens. Bildlich gesprochen wird der Zustand gerne mit dem Verlöschen einer Flamme umschrieben, wobei die Flamme eben nicht vergeht, sondern in den Raum eingeht.
 
Freiheit von Illusion und Begierde: das vortodliche Nirvana
 
Im der buddhistischen Richtung Mahayana wandelte sich der Begriff. Dort wird unter Nirvana auch die Erfahrung des Einsseins mit dem Absoluten schon zu Lebzeiten verstanden. Es bedeutet, in der Erfahrung von Frieden und vollständiger Glücksseligkeit zu verweilen, in dem Wissen um die eigene Identität. Im Zustand des Nirvana ist man frei von allen Bindungen an Illusionen, Affekten und Begierden. Doch all diese Beschreibungen können nur Anhaltspunkte sein, denn laut Überlieferungen lehrte Buddha, dass das wahre Nirvana außerhalb der menschlichen Vorstellungskraft liege.
 
*frei übersetzt nach: The Last Days of the Buddha. The Maha Parinibbana Sutta of the Pali Canon. The Wheel Publication N° 67-69. Buddhist Publication Society, Kandy, 1964.
 
Autorin: Mag.a Anne Wiedlack

 

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