Sunshine Cleaning - über eine Heldin des Alltags
Auf sehr leise, unaufgeregte, aber ironische und humorvolle Weise erzählt Regisseurin Christine Jeffs mit Sunshine Cleaning die wunderbare Geschichte einer Frau, die den Grausamkeiten des Alltags trotzt und sich ihren Platz in ihrer kleinbürgerlichen Umwelt selbst bastelt. Amerikanisches Independentkino vom Feinsten.

Das Leben in der texanischen Vorstadtidylle kann erbarmungslos sein: Rose, gespielt von Amy Adams, die bald auch an der Seite von Ben Stiller in Nachts im Museum Teil 2 zu sehen ist, ist allein erziehende Mutter eines sehr phantasievollen Sohnes und schuftet in einer Reinigungsfirma. Ihr Freund Mac, ein Polizist, ist verheiratet und nicht darauf bedacht, seine Frau zu verlassen, und zudem fühlt sich Rose auch noch für ihre jüngere Schwester Norah (Emily Blunt), die gerade wieder einmal gefeuert wurde, und ihren traumtänzerischen Vater (Alan Arkin) verantwortlich. Wurde sie früher als Nummer Eins der Cheerleaderinnen und Freundin des Quarterback beneidet, putzt sie jetzt die Häuser ihrer Porsche fahrenden, ehemaligen Schulkameradinnen.

Scheitern gilt nicht

Als Oscar in der konservativen Schule zu wiederholtem Mal Ärger bekommt, sieht sich Rose gezwungen, noch mehr zu arbeiten, um ihren Sohn in eine Privatschule schicken zu können. Von Mac bekommt sie den Tipp, dass das Saubermachen von Tatorten ein einträgliches Geschäft ist. So macht Rose mit ihrer Schwester ihre eigene Firma zur „Tatortreinigung und Beseitigung von biologischen Gefahrenstoffen“ auf und beginnt, unter anderem Blutspuren von Duschwänden zu entfernen. Und anfangs scheinen damit die Geldprobleme gelöst zu sein...

Die kleinen und großen Tragödien des Lebens

Der Film Sunshine Cleaning, hinter dem dasselbe Produzententeam wie bei Little Miss Sunshine steckt, ist nicht nur eine Geschichte vom harten Leben einer Alleinerzieherin, sondern auch vom Nicht-Aufgeben und immer wieder Aufstehen. Die Protagonistin trotzt den kleinen und auch großen Tragödien, die das Schicksal mit sich bringt, wobei eine besondere Stärke des Films darin liegt, dass nicht alles erzählt und erklärt wird.

In den engen Normen der vorstädtischen Gesellschaft sind Rose und alle Menschen, die ihr nahe stehen, in gewisser Weise Außenseiter – ob Rose selbst, die im Gegensatz zu ihren Highschool-Freundinnen immer noch nicht verheiratet ist und kein Riesenhaus hat, ihr Sohn Oscar, der Wände, Briefkästen und das Bein seiner Lehrerin ableckt, oder der einarmige Verkäufer im Putzmittelladen. In Selbstmitleid verfällt trotzdem niemand – das Leben geht schließlich weiter! Authentisch wirkt das vor allem durch die von Magen Holley grandios trocken geschriebenen Dialoge und das wunderbare Schauspiel von Adams, Blunt und Arkin. Sunshine Cleaning macht Mut!

Sunshine Cleaning. Regie: Christine Jeffs, USA 2008. Mit: Amy Adams, Emily Blunt, Alan Arkin, Jason Spevack und Clifton Collins jr. Demnächst im Kino.

Autorin: Mag.a Anne Wiedlack

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