Ichi - Die blinde Schwertkämpferin
Ichi - Die blinde Schwertkämpferin
Japans bekanntester Samurai wird in diesem Film zur Frau: Wo bisher immer der legendäre Zatoichi die Klinge schwang, wird nun Ichi zur Protagonistin. Die blinde Meisterin schlägt sich behände und sehr elegant durch das ästhetische und oft sehr lustige Schwertkampfdrama.
Ichi  - Die blinde Schwertkämpferin
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Gefährliche Schönheit

Noch bevor die Hauptdarstellerin zum ersten Mal Gelegenheit hat, ihr Schwert zu ziehen, wird klar: Ichi ist die ästhetische, elegante Variante Zatoichis. Ging es bei Altmeister Takeshi Kitanos Version (2003) noch um die klassische Ausgabe des blinden Masseurs, so dreht sich hier alles um eine wunderschöne Wandermusikerin, dargestellt vom Fotomodel Haruka Ayase. Ichi reist mit ihrem Shamisen (japanische Harfe) durch das Japan der Edo-Periode (1603-1868) und scheint dank ihrer Schönheit ein leichtes Opfer für lüsterne Banditen zu sein. Doch der Überraschungseffekt liegt auf ihrer Seite und so wehrt Ichi jeden erbarmungslos – und oft sogar tödlich – ab, der ihr zu nahe kommt. Auf ihrer Reise rettet sie dem erfolglosen Samurai Toma das Leben, der natürlich sofort von Ichi hingerissen ist und ihr folgt.

In der Höhle des Löwen

Mit ihrem Rettungsversuch, bei dem sie vier Männer getötet hat, hat die blinde Schwertmeisterin jedoch den Zorn der Banki-Bande auf sich gezogen und steht bald inmitten eines blutigen Machtkonflikts um den ganzen Ort, an dem sie sich vorübergehend niedergelassen hat. Unterdessen beginnt Toma ihre dicke Schutzschicht zu durchbrechen. Er hat auch mit seiner Vergangenheit zu kämpfen und so kommen sich die beiden Außenseiter langsam näher. Doch Ichis Suche nach ihrer Identität treibt sie direkt in die Klauen des Killers Banki – und schließlich kommt es auch zum Kampf um die Vorherrschaft der verfeindeten Banden...

Frauenpower – sanft und erbarmungslos

Wer auf eine emanzipierte Version der literarischen Figur Zatoichis, die seit ihrer Erfindung durch den japanischen Schriftsteller Kan Shimozawa schon unzählige Verfilmungen erfahren hat, gewartet hat, darf sich bis zu einem gewissen Grad freuen.

Ichi kämpft selbstbewusst und weiß sich (und andere) bestens zu verteidigen, und selbst, als sich im Endkampf schließlich doch zwei Männer gegenüber stehen, ist sie es, die den Todesstoß versetzt. Obwohl die Story nicht ganz stringent ist – so wirkt die erklärende Rückblende in Ichis Vergangenheit gezwungen und gegen Ende hin geht alles etwas schnell –, besitzt Ichi einige sehenswerte Elemente: Etwa die tollpatschige Darstellung Tomas und des völlig verrückten Bankis, die beide oft an überzeichnete Animé-Figuren erinnern und laut auflachen lassen, oder das sehr zurückgenommene, leise Spiel der Protagonistin. Vielleicht bekommt die Liebesgeschichte, die beispielsweise in Kitanos Version gar nicht zu sehen ist, etwas zuviel Aufmerksamkeit. Schade ist auch, dass die ironische Komponente gegen Ende des Films sehr zurückgeht.

Doch ästhetisch interessant ist Die blinde Schwertkämpferin in jedem Fall – auch auf klanglicher Ebene, die vor allem beim Kampf für die Protagonistin eine besonders wichtige Rolle spielt. Und vor zu viel Blut muss sich hier niemand fürchten: Dafür, dass der Film die Waffe der Hauptdarstellerin schon im Titel trägt, wird davon erstaunlich wenig vergossen.

Ichi – Die blinde Schwertkämpferin. Regie: Sori, Japan 2008, 120 Minuten. Ab 16 Jahren. Mit: Haruka Ayase, Takao Osawa, Shido Nakamura. Jetzt im Kino.
 

Autorin: Mag.a Anne Wiedlack

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