Großeltern - Tankstelle der Erfahrungen
Großeltern können das Fundament sein, auf dem eine Familie ruht. Ratschläge für eine glückliche, einzigartige Beziehung zwischen Enkel und Großeltern.
Großeltern  - Tankstelle der Erfahrungen
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Warum heißen Großeltern Großeltern? Ganz einfach, weil sie für ihre Enkelkinder Großes leisten. Ob als ruhender Pol in stürmischen Zeiten, als familiäre Feuerwehr oder menschlicher Mörtel, der Generationen verbindet – Oma und Opa bieten neben dem Elementaren und Alltäglichen Enkelkindern einen zwischenmenschlichen Luxus. Erinnerungen an die bei den Großeltern verbrachten Wochenenden, ans Schwammerl suchen und wandern mit dem Opa, ans Kochen und Märchen erzählen mit der Oma sind unvergessliche Momente der Behaglichkeit und prägen unser Leben bis in jenes Alter, in dem wir selbst die Großmutter und den Großvater in uns entdecken. Wie wichtig, fördernd und inspirierend die Rolle der Großeltern im Leben eines Enkels ist und sein kann, skizziert die Ärztin und freiberufliche Autorin Miriam Stoppard in ihrer Neuerscheinung Das Großeltern-Buch: Der Ratgeber für eine ganz besondere Beziehung und spricht in einem sehr persönlichen Buch offen, kritisch und einfühlsam über ihre Erfahrungen mit einer stetig wachsenden Schar an Enkelkindern.

Ade, Rüschenschürze!

Anfang des letzten Jahrhunderts hatten Omis und Opis noch mit dem negativ besetzten Image der unmodernen, langweiligen Generation, die ihre Enkel bloß mit Zupfkuchen verwöhnte, zu kämpfen. Zwischenzeitlich hat man die Rüschenschürze gegen einen flotten Janker getauscht und strahlt fern der 60 vor Vitalität, Dynamik und Langlebigkeit. Der Rhythmus des Lebens ist im Vergleich zu früher ein anderer, dem sich auch die ältere Generation angepasst hat. Wo einst die Evolution dafür gesorgt hat, dass die stillende Mutter während der Jagdzeit des Vaters durch die ältere Generation beschützt wurde, sucht man im schnelllebigen, erfolgsorientierten Jetzt Großfamilien mit der Lupe. Dennoch erfordert die vermehrte, frühe Berufstätigkeit beider Elternteile nach der Geburt eines Kindes eine flexible Kinderbetreuung, die ein Zusammenrücken innerhalb der Familienstruktur essentiell macht. Oma und Opa sind wieder im Spiel.

Der Spiegel der Liebe

Je früher im Leben eines Kindes der Kontakt zu den Großeltern hergestellt wird, desto besser und prägender – für beide Seiten. Stoppard beschreibt diesbezüglich ihren Erfahrungswert als „eine Wiederholung der damaligen Liebe“ zu ihren Kindern, die man nun nochmals mit dem Enkel erleben darf und scheut sich nicht davor zuzugeben, dass diese Liebe in mancher Hinsicht auch über jener zu den eigenen Kindern stehen kann. Mit Bevorzugung habe das laut der Autorin aber nichts zu tun. Vielmehr lernt man als Großmutter und –vater, nachdem man erstmal den Schock des Großeltern-Werdens und –Seins verdaut hat – ja, auch das gehöre zur großelterlichen Selbstfindung dazu – eine Gelassenheit an den Tag zu legen, die Probleme wie von Zauberhand verschwinden lassen kann, die man aber als Elternteil oft aufgrund des Alltags und der neuen Lebenssituation nur schwer zulassen kann.

Eltern Eltern sein lassen

Jene Gelassenheit der Großeltern darf allerdings nicht mit permanenter Nachsicht einhergehen. Ältere Menschen mögen reicher an Erfahrungen und Erkenntnissen sein, dennoch lädt sich bei großelterlicher Einmischung in Erziehungsfragen seitens der Eltern die familiäre Wolke oft unkontrollierbar auf, anstatt mit Sonnenschein und der eigentlichen Intuition von Oma und Opa, „eh alles nur gut zu meinen“, einherzugehen. „Die Vorstellung, alles besser zu wissen, ist ein gefährlicher Gedanke, den Sie sich gar nicht erst gestatten dürfen“, mahnt Miriam Stoppard vor einem möglichen Fehlverhalten. Gute Großeltern zu sein, das bedeutet, sich selbst hinten anzustellen und das großelterliche Ego gleich an den Haken neben der Rüschenschürze zu hängen. Nicht die eigenen Interessen, sondern die der Enkelkinder in den Vordergrund zu stellen, hat den größten Profit für beide Seiten zur Folge. Es ist wunderbar, gebraucht zu werden und mit der richtigen Einstellung gelingt das auch. Kinder zu ermutigen, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln und ihre Ziele zu erreichen, ist mehr wert als jeder weitere, von den Eltern nicht gern gesehene Eislutscher.

Der Fels in der Brandung

Im Zuge des Ratgebers wird das Bild des Großeltern Werdens und Seins als eine Chance, selbst an der Aufgabe zu wachsen, vermittelt – ein Angebot des Lebens, das man einfach nicht ablehnen kann, weil die Schatztruhe an Freude, die als Großelternteil auf einen wartet, viel zu spannend, viel zu bereichernd, viel zu faszinierend ist, als sie unentdeckt zu lassen. Die Großeltern-Kind-Beziehung zu einer kameradschaftlichen werden zu lassen, scheint besonders dann wunderbar, wenn man in strahlende Kinderaugen blickt, die einem vermitteln „Oma und Opa sind die Besten!“

Fazit: Die Bestseller-Autorin wartet mit tollen Tipps rund um das Leben als Großeltern auf, spricht auch heikle Themen wie finanzielle Unterstützung, eine Entfremdung des Kindes nach der Scheidung der Eltern und so manches andere verborgen geglaubte Tabuthema an. Auf speziellen Kummerkasten-Seiten beantwortet die selbst mehrfache Großmutter typische Fragen aus der Praxis und gibt abseits von stupiden Binsenwahrheiten ihre goldenen Regeln für ein sorgsames Zusammenleben innerhalb der Familie preis. Hilfreiche Tipps, wie sich auch die Zukunft des Enkels gemeinsam mit den Eltern planen lässt und wie sich Großeltern selbst konditionell fit halten können, um dem Tatendrang des Enkels stand zu halten, runden den gelungenen Ratgeber ab.

Autorin: Mag.a Tina Veit

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