Jugendliche und Körperkult - viele unterwerfen sich dem Diktat der Schönheitsindustrie
Die Anforderungen an ein gutes Aussehen sind im Jugendalter hoch. Viele unterwerfen sich diesem Diktat der Mode- und Kosmetikwelt, inzwischen Idealwelt. Wenn Jugendliche in die Fänge der Schönheitsindustrie geraten.

Vom Kind zum Erwachsenen

In der Pubertät beschäftigen sich Jugendliche verstärkt mit ihrem Körper und dem optischen Erscheinungsbild. Geschlechterunterschiede prägen sich zunehmend aus: Das Mädchen bekommt Brüste und runde Hüften sowie ihre Menstruation, beim Jungen bilden sich ein breiter Oberkörper und schmale Hüften aus und der Stimmbruch tritt ein. Das Aussehen und die Wirkung der eigenen Person auf andere spielt eine große Rolle. Eigenbeurteilung und kritische Äußerungen anderer können das Selbstwertgefühl beeinflussen. Für ein positives Selbstbild sind auch die gesellschaftliche Anerkennung, Integration und die Wirkung auf das andere Geschlecht maßgeblich von Bedeutung.

Der Wunsch nach Schönheit

Das Jugendalter ist für Mädchen und Burschen nicht einfach zu bewältigen. Der körperliche und psychische Reifungsprozess ist Auslöser für die Veränderung des Körpers und des Verhaltens und tragen oft dazu bei, sich im eigenen Körper unwohl zu fühlen. Für die ausbleibende Wertschätzung seitens der Gesellschaft oder des anderen Geschlechts wird oft das Aussehen verantwortlich gemacht; Jugendliche definieren sich stark über Äußerlichkeiten.

Gegenwärtig wird Schönheit im westeuropäischen Kulturraum durch körperliche Attraktivität bestimmt. Laut gesellschaftlicher Vorgabe ist nur schön, wer dem Ideal mit Traumkörper, makelloser Haut und ebenmäßigen Gesichtszügen entspricht. Während das Attribut Schönheit an Priorität gewinnt, wird der Begriff zeitgleich enger definiert.

Der Zwang zum Schönsein wird durch die mediale Darstellung – insbesondere der Werbung - von Idealen sicherlich verstärkt. Medien vermitteln, dass Perfektion in Bezug auf das Aussehen die Voraussetzung für Schönheit ist. Auch Topmodels, Prominenz oder andere in der Öffentlichkeit stehende Personen tragen zur Verbreitung dieser eindimensionalen Definition von Schönheit bei. Sie können Jugendliche durch ihr Auftreten maßgeblich beeinflussen, und zwar dann, wenn sie zu Vorbildern der jungen Erwachsenen werden. Ob dieser Einfluss positiv oder negativ auszulegen ist, bleibt offen. Diese Beeinflussung kann positive Auswirkungen mit sich bringen, solange der Bogen zum Erreichen der geträumten Ziele nicht überspannt wird. Unbewusster Natur läuft es Gefahr, auszuarten, wenn Mädchen oder Burschen sich an unerreichbaren Idealen orientieren und das Streben nach Schönheit in einen Zwang umschlägt oder krankmachende Auswirkungen wie Magersucht, Ess-Brech-Sucht sowie Depressionen zu verantworten hat.

Die Branche der Schönheitschirurgie boomt

Um das optische Erscheinungsbild zu verbessern, werden von Jugendlichen Kosmetikartikel konsumiert sowie Sport betrieben und Diäten in Kauf genommen. Auch Schönheits-operationen werden von Jugendlichen nicht abgelehnt.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Schönheitsoperationen enorm zugenommen. Dem Wunsch vieler Mädchen und Burschen nach körperlicher Schönheit und Attraktivität sind keine Grenzen gesetzt. Menschen bekommen durch chirurgische Eingriffe die Möglichkeit, ihre Körper zu verschönern, sie werden machbar und gestaltbar.

Jugendliche können mit der Einwilligung ihrer Eltern bereits vor dem 18. Lebensjahr operiert werden. Dieses Angebot wird von den jungen Erwachsenen angenom-men, da laut Angaben der deutschen plastischen Chirurgen 10 % der Eingriffe an unter 20-Jährigen und 25 % der Eingriffe an unter 25-Jährigen durchgeführt werden. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Marktagent.com im Jahr 2007 ergab, dass für 39 % der Jugendlichen (unter 20 Jahren) das Aussehen eine große Rolle spielt und sie nicht abgeneigt wären, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen. Weiters liefert eine Studie aus Deutschland Ergebnisse darüber, dass sich jedes fünfte Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren eine Schönheitsoperation wünscht.

Riskante Operationen

In Frage gestellt werden muss, ob kosmetische Eingriffe das Risiko wert sind, die solche Operationen mit sich bringen können. Nicht nur die Risiken eines kosmetischen Eingriffes inklusive Narkose können schwerwiegende Folgen haben, sondern auch das Ergebnis nach der Operation kann unter Umständen nicht dem erhofften Zustand entsprechen. Unter 18 Jahren ist die Durchführung von Schönheitsoperationen – außer medizinisch bedingt – bedenklich. Zumal der Körper in diesem Alter noch nicht vollständig ausgewachsen ist und sich noch entwickelt. Der Schönheit mittels chirurgischer Eingriffe nachzuhelfen, beschreibt einen einfachen Weg und garantiert eine schnelle Lösung. Ins Bewusstsein gerufen werden muss, dass allein mit einer Veränderung der optischen Erscheinung das Selbstwertgefühl nicht aufgebessert werden kann.

Autorin: Kerstin Kulovits Bakk.a

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