Kleine Philosophen - Über Windeldenker
Was wir von unseren Kindern über Liebe, Wahrheit und den Sinn des Lebens lernen können, erklärt uns Alison Gopnik in ihrem Buch.

Die Kindheit ist ein fundamentaler Teil des menschlichen Daseins. So selbstverständlich, dass wir sie oft nicht beachten. Zumindest nicht die positiven Seiten davon. Wie schwierig es ist, die Verbindung zwischen dem Ich, das diese Zeilen schreibt, und dem knapp drei Kilo schweren Bündel vor 25 Jahren herzustellen, können Sie sich wohl denken. Je jünger Kinder sind, desto rätselhafter sind sie.

Die amerikanische Kinderpsychologin und Kognitionsforscherin Alison Gopnik presst ihre Erkenntnisse über kleine Kinder, die bei Gott keine unbeschriebenen Blätter sind, zwischen zwei wissenschaftlich belegte Buchdeckel, die zeigen, dass bereits Babys in Wahnnehmungsfähigkeit, moralischem Empfinden, Altruismus und Verantwortungsgefühl Erwachsenen weit voraus sind. All ihre wunderbaren, fast grenzenlosen Anlagen zu erkennen und zu fördern sei eine Riesenaufgabe, die anzugehen sich lohnt.

In neun Kapiteln nimmt Gopnik ihre Leser in die wundersame Wahrnehmungs-, Gefühls- und Gedankenwelt von Babys und Kleinkindern mit. Sie erklärt, wie sich Kinder in ihrem Spiel eine Vorstellung von Zeit und Kausalität erarbeiten und wie Kinder lernen, zu lieben. Basierend darauf, dass Phantasie auf Wissen beruht, zeigt Gopnik außerdem auf, dass kleine Erdenbürger zum Beispiel dank imaginärer Freunde bereits eine klare Vorstellung davon haben, wie die Welt funktioniert.

Wie sehr Kinder uns beobachten, nachahmen und sich aus den Beispielen, die Erwachsene geben, ihr eigenes emotionales Muster entwickeln, ist spannend, berührend und in manchen Momenten auch beängstigend. Gopniks Botschaft: Kleine Kinder bei der Hand nehmen. Grosse dann wohl eher beim Wort.

Autorin: Mag. Tina Veit


 

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