Schütteltrauma - bei vielen Kindern tödlich
Dass Eltern ihre Kinder und ihre Babys nicht schlagen sollen, das weiß jeder, aber dass sie sie auch auf keinen Fall schütteln dürfen, ist längst nicht allen bekannt.
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Der Fall des sechs Monate alten Nils ist kein Einzelfall. Auch wenn die Umstände besonders erschütternd sind. Der jungen Mutter wurde vorgeworfen, ihren Säugling heftig geschüttelt zu haben, nachdem er am späten Abend nicht aufhören wollte zu schreien. An den Folgen des Schütteltraumas ist Nils dann zwei Tage später in der Kinderklinik gestorben.

Das Baby schreit und schreit und lässt sich einfach nicht beruhigen. Die Eltern sind genervt, hilflos, übermüdet und frustriert. Manchmal verspüren sie dann den Drang, den Säugling zu schütteln, nur damit er endlich einmal still ist. Das kann aber beim Kind schwere Verletzungen verursachen. Mediziner sprechen auch vom Shaken-Baby-Syndrom, zu deutsch Schütteltrauma. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist das Schütteltrauma die häufigste Todesursache bei körperlicher Kindsmisshandlung und für die meisten langjährigen Behinderungen bei Kleinkindern und Kindern verantwortlich.

Symptome, die auf ein Schütteltrauma hinweisen könnten sind Schlappheit, Schläfrigkeit, Erbrechen, Krampfanfälle oder Atemaussetzer. Das Trügerische ist: Man sieht dem Kind äußerlich oft nichts an – keine blauen Flecken, keine Verletzungen. Aber: Durch die Schüttelbewegungen schleudert der im Verhältnis zum Körpergewicht noch relative große und schwere Kopf des Säuglings vor und zurück. Die Nackenmuskulatur des Babys ist noch zu schwach, um den Kopf genügend zu stabilisieren. Die Folge: Das Gehirn schwillt an, es kommt zu Blutungen im Gehirn und in der Augennetzhaut. Charakteristischerweise können Gefäße unmittelbar unter der Schädeldecke einreißen und zu größeren Blutergüssen führen. Diese Blutergüsse wiederum erhöhen den Druck im knöchernen Schädel, drücken damit auf die Hirnsubstanz und können sekundäre Durchblutungsstörungen auslösen. In schweren Fällen kann das Schütteltrauma zum Tod führen.

Lange glaubten Forscher, dass nur absichtliche, starke Rüttelbewegungen den Tod von Kleinkindern verursachen können. Im Juni des Jahres 2001 schlugen Ärzte des Royal London Hospital im Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ Alarm: Bereits leichtes Schütteln, so hatten die Neuropathologin Jennian Geddes und ihre Kollegen herausgefunden, können Nervenfasern im Nackenbereich des Kindes schädigen und so einen Atemstillstand verursachen. Auch wenn ein Baby nicht an den Folgen des Schüttelns stirbt, trägt es häufig gravierende Nerven- und Knochenschädigungen davon.

Eine kanadische Studie ergab, dass zwei Drittel der überlebenden Kinder schwere Langzeitschäden zeigen. Die Wissenschafter prüften die Daten von 364 Kleinkindern, die mit Schütteltrauma in elf kanadische Kliniken eingeliefert wurden. 19 Prozent der Kinder starben an den Verletzungen. Von den Überlebenden trugen 65 Prozent Sehprobleme davon, und 55 Prozent behielten bleibende neurologische Schäden zurück.

Quelle: pgk
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