Stillen - das Beste für Mutter und Kind
Die Vorteile des Stillens aus ernährungsphysiologischer, immunologischer, psychologischer und ökologischer Sicht für Mutter und Kind sprechen für sich. Es ist jedoch sehr hilfreich zu wissen, dass Stillen ebenso wie Fahrradfahren oder Schwimmen erlernt werden muss.
Stillen - das Beste für Mutter und Kind
Mehr zum Thema
» Bewusste Ernährung - während der Schwangerschaft
» Schütteltrauma - bei vielen Kindern tödlich
» Eltern werden - Der Countdown läuft
» Wenn sich Eltern trennen - friedliche Lösungsansätze
» Vorteilhafte Kleidungstipps - Tipps & Tricks um Schwachstellen zu kaschieren
Ohne richtige Hilfe und fachliche Anleitung geben viele Frauen das Stillen zu schnell auf und bringen sich deshalb um unvergleichliche Erfahrungen.

Jede Frau kann stillen
Das Vorurteil: “Schon meine Mutter und Großmutter hatten zu wenig Milch und konnten deshalb nicht stillen; darum klappt es bei mir sicher auch nicht.”, ist vollkommen unbegründet, denn mit Unterstützung und Ausdauer kann jede Frau lernen zu stillen. Ein weiteres Vorurteil lautet: “Durch das Stillen bekomme ich einen Hängebusen”. Da sich die Brust jedoch nicht durch das Stillen, sondern schon während der Schwangerschaft verändert, ist diese Sorge leicht auszuräumen. Ein gut sitzender Büstenhalter sollte deshalb schon während der Schwangerschaft möglichst auch in der Nacht getragen werden.

Muttermilch – Urnahrung der Menschheit
Die optimale Nahrung des Säuglings ist ein Naturprodukt. Muttermilch ist die perfekte Nahrung für den kleinen Erdenbürger in den ersten Lebensmonaten. Darum gilt die allgemeine Empfehlung, den Säugling mindestens vier Monate voll und ohne Zugabe anderer Nahrung zu stillen. Allergiegefährdete Kinder sollten sechs Monate ausschließlich Muttermilch erhalten.
Darüber hinaus ist Muttermilch exakt auf den Energiebedarf des Säuglings abgestimmt. Sie ist leichter und schneller zu verdauen als jede andere Nahrung. Eine Überernährung ist im Gegensatz zur Flaschennahrung nicht möglich. Fettzellen, die beim Säugling angelegt werden, bleiben ein Leben lang bestehen und beeinflussen das Körpergewicht im Jugend- und Erwachsenenalter.
Alle Vitamine, Mengen- und Spurenelemente sind in optimaler Weise in der Muttermilch enthalten. Das unfertige Immunsystem des Säuglings benötigt Wochen und Monate zum Aufbau seiner Abwehrfähigkeit. Da die Muttermilch Immunglobuline enthält, sind gestillte Kinder geschützt und haben deutlich weniger Infekte (z.B. im Brustkorb und Magen-Darm-Bereich). Hinzu kommt, dass Muttermilch vor Nahrungsmittelallergien schützt. Durch den Wachstumsfaktor für Bifidusbakterien in der Muttermilch wird die Entwicklung einer physiologischen Darmflora gefördert (bis zu 80% des Abwehrsystems ist im Darm lokalisiert). In der Muttermilch befindet sich Laktoferrin, das die Eisenversorgung des Babys optimiert, indem es Darmbakterien Eisen entzieht.
Muttermilch ist stets verfügbar, wohltemperiert und darüber hinaus die preisgünstigste Babynahrung, die es gibt.

Angebot und Nachfrage
Die Größe der Brüste spielt für die Milchproduktion keine Rolle, da die Milch nicht in den Fettpolstern der Brust, sondern in tiefer gelegenen Drüsen gebildet wird. Kleine Brüste sind daher durchaus kein Still-Hindernis. Ein Neugeborenes benötigt pro Kilogramm Körpergewicht und Tag 120 - 200 Gramm Milch. Wiegt es also bei der Geburt 3.000 Gramm, so trinkt das Kind täglich 360 - 600 Gramm Milch. Innerhalb von drei Stunden können in jeder Brust 45 - 55 Gramm Milch gebildet werden. Die Trinkmenge richtet sich immer nach den Bedürfnissen des Kindes. Sie unterliegt dem System von Angebot und Nachfrage. Für das Anlegen gleich nach der Geburt sprechen zwei Gründe: Durch die Ausschüttung des Hormons Oxytozin wird die Kontraktion der Gebärmutter und damit das Ausstoßen der Placenta angeregt. Außerdem fördert es die Bildung einer engen Mutter-Kind-Beziehung von Geburt an.
Während der ersten 72 Stunden nach der Geburt produzieren die Brüste noch keine Milch, sondern eine dünne gelbliche Flüssigkeit, das Kolostrum. Es besteht aus Wasser, Eiweiß und Mineralstoffen und reicht bis die erste Milch einschießt zur Ernährung des Säuglings vollkommen aus.

Vorbereitung auf das Stillen
Die Brust sollte schon im Laufe der Schwangerschaft auf das Stillen vorbereitet werden. Die besten Tipps gibt der Frauenarzt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen. Empfindliche Brustwarzen können z.B. durch den Einfluss von Luft, Sonne sowie Wechselduschen mit kaltem und warmem Wasser auf das Stillgeschäft vorbereitet werden. Experten empfehlen, die Brust in das Liebesspiel einzubeziehen.

Vorteile des Stillens für die Mutter
Stillen ist gut für die Figur. Die meisten während der Schwangerschaft angesammelten Pfunde verschwinden beim Stillgeschäft. Während des Stillens wird im Hypothalamus (Region im Zwischenhirn) Oxytozin gebildet und in der Hirnanhangdrüse gespeichert. Das Powerhormon steuert nicht nur den Milchfluss, sondern auch das Zusammenziehen der Gebärmutter. Becken und Taille gewinnen dadurch schneller den normalen Umfang zurück. Während des Stillens bildet der Körper das Hormon Prolactin. Es fördert die Milchbildung und hemmt zugleich einen Eisprung. Deshalb ist eine weitere Schwangerschaft während des Stillens recht ungewöhnlich. Eine zuverlässige Empfängnisverhütung allein ist das Stillen jedoch nicht. Es empfiehlt sich, den Gynäkologen zu befragen.

Stillen vermindert das Brustkrebsrisiko
Mütter haben die Möglichkeit, durch die Dauer der Stillzeit das Brustkrebsrisiko zu senken. Dies fand Dr. Jenny Chang - Claude vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Zusammenarbeit mit den Universitäten Heidelberg, Freiburg und Kiel in einer Studie mit 706 Brustkrebspatientinnen und 1.381 gesunden Kontrollpersonen heraus. Bei einer Gesamtstillzeit von 7 bis 12 Monaten verringerte sich das Brustkrebs-Risiko bei den untersuchten Frauen um 14%. Bei einer Stillzeit von 13 bis 24 Monaten sank das Risiko sogar um 42%. Chang - Claude kam zu dem Ergebnis, das der gesamte Zeitraum des Stillens von größerer Bedeutung ist als die Anzahl der gestillten Kinder. Die Risiko-Minderung kam bei Frauen, deren Alter während des ersten Stillens über 25 Jahre lag, deutlicher zum Tragen als bei jüngeren Jahrgängen. Auch diese Ergebnisse sollten ausschlaggebend dafür sein, die Frauen verstärkt zum Stillen anzuregen.

Die Mutter-Kind-Beziehung
Jede Stillzeit – ganz gleich wie lange sie auch immer sein mag – ist ein absoluter Gewinn für eine intensive Bindung von Mutter und Kind. Das Baby nimmt nicht nur Nahrung beim Saugen zu sich, auch seine Bedürfnisse nach Nähe, Geborgenheit, Sicherheit und Trost werden in gleichem Maße gestillt. Durch den liebevollen Umgang miteinander wird die Stillzeit zu einem unvergesslichen Erlebnis für Mutter und Kind.

Quelle: BVF
Kommentare