Probleme lösen - Die richtige Streitkultur in der Familie
Konflikte im Alltag unter gleichwertigen Partnern zu lösen ist an sich schon eine schwierige Sache. Jeder soll das Gefühl haben ernstgenommen worden zu sein und keiner will übergangen werden. Was bei Erwachsenen oft noch mit Vernunft zu lösen ist, artet mit Kindern häufig zu einem Machtkampf aus, denn ein Dreijähriger, der richtig trotzt ist wohl kaum zugänglich für gut durchdachte Argumente.
Probleme lösen - Die richtige Streitkultur in der Familie
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Und auch Jugendliche, die gerade Mitten in der Pubertät stecken, zeigen, wenn sie richtig sauer sind, meist wenig Verständnis für die Wünsche ihrer Eltern. Die richtige Streitkultur mit klaren Regeln kann hier oftmals wahre Wunder bewirken. Eine handvoll Regeln zu geben, die man wie bei einem Kochrezept im Ernstfall anwenden kann, damit die Kinder oder Jugendlichen wieder „funktionieren“, wäre jedoch zu einfach. Kinder sind keine Roboter und brauchen individuelle Lösungen anstatt vorgefertigter Schablonen.

Was aber alle Kinder brauchen, ist ein klar abgesteckter Rahmen mit festen Grundsätzen, in dem sie sich bewegen können. Dieser Rahmen bezieht sich jedoch nicht nur auf Konfliktsituationen, sondern in ihm sollte sich das gesamte Leben des Kindes abspielen. Jede Gesellschaft braucht Regeln und das sollte auch in der Familie selbstverständlich sein. Aufgrund des Alters der Kinder müssen diese Regeln aber im Laufe der Zeit immer wieder an den Entwicklungsstand und die Fähigkeiten angepasst werden um Frustration zu vermeiden und stattdessen zu motivieren.
 

Kinder lieben ihre Eltern und wollen ihnen Freude machen!
Kein Kind mag es, wenn die Eltern böse auf es sind. Kinder streben nach Anerkennung und Liebe, sie brauchen Nähe und positive Zuwendung, damit sie sich entwickeln können. Doch warum widersetzen sie sich dann so häufig den elterlichen Anweisungen. Ganz klar, sie wollen ihre Grenzen ausloten, eben damit sie sich weiter entwickeln können. Wie soll ein Kind Fortschritte machen, wenn es gar nicht weiß, was es schon kann und was nicht?
„Aber“, werden viele sagen, „dann kann ich das Kind ja einfach machen lassen, was es möchte, dann wird es schon merken, was es kann und was nicht.“ Nun ja, so einfach ist das auch wieder nicht. Ein Kind, das keinerlei Hilfe und Unterstützung bekommt, ist hoffnungslos überfordert mit der Welt. Es findet sich nicht zurecht, steckt einen Misserfolg nach dem anderen ein, glaubt, dass es sich auf niemanden verlassen kann und wird jede Unterstützung verweigern, weil es ja gelernt hat, dass es sowieso nichts bringt. Solch ein Kind wird immer troziger und unsicherer.
 

Klare Regeln sind wichtig!
Zurück zum Rahmen, in dem sich das Kind bewegen soll. Jeder von uns fühlt sich wohler, wenn er weiß, was von ihm erwartet wird und nach welchen Spielregeln eine bestimmte Gruppe läuft, das gibt uns Selbstbewusstsein. Genau so ist es auch bei Kindern (siehe dazu auch: Gemeinsame Rituale verbinden – so schöpfen Kinder aus dem Alltag Kraft), sie brauchen feste Grenzen, die man ihnen am leichtesten in Form von Ritualen vermitteln kann, z.B. „…um 18 Uhr essen wir, um 19 Uhr gehst du Zähne putzen und dich waschen und um 19.30 Uhr bist du im Bett, dann gibt es noch eine Gute-Nacht-Geschichte.“ Ist das jeden Tag so, wird bald nicht mehr darüber diskutiert werden.
Belohnen statt strafen

Die meisten Firmen haben es erkannt: Mitarbeiter sind wesentlich besser mit Anreizen zu motivieren als mit Strafandrohungen. Angst bewirkt nur, dass wir noch mehr Fehler machen und uns weniger kooperativ verhalten! Warum sollte das also bei Kindern anders sein? Dabei reicht es oft die ursprüngliche Strafandrohung umzuformulieren z.B. Statt zu sagen „Wenn du dich nicht schnell anziehst, dann gehen wir nach dem Einkaufen nicht auf den Spielplatz.“ sagen Sie einfach „Wenn du dich jetzt schnell anziehst, können wir nach dem Einkaufen noch auf den Spielplatz gehen.“ Merken Sie den Unterschied?

Achten Sie aber darauf, nichts Unmögliches von ihrem Kind zu verlangen! Wenn eine Vierjährige ihr Zimmer ganz alleine aufräumen soll, ist sie wahrscheinlich überfordert. Somit ist sie frustriert, weil sie trotz Bemühens Ihre Erwartungen nicht erfüllt hat und wird sich nächstes Mal gar nicht mehr anstrengen. Eltern wissen am besten, was ihre Kinder schon können und was nicht. Verlangen Sie zuerst lieber weniger, loben sie fest, das steigert die Motivation und bitten Sie das Kind das nächste Mal ruhig um mehr.
 

Geben Sie dem Kind, was es wirklich braucht!
Manche Eltern haben jetzt vielleicht Angst, dass ihre Kinder durch ständige Belohnungen unmäßig werden und immer mehr wollen. Das passiert aber nur, wenn ein Kind nicht bekommt, was es wirklich braucht, nämlich Liebe und Zuwendung. Belohnen Sie Ihr Kind nicht immer mit Materiellem, sondern einfach mit Zeit, die sie gemeinsam verbringen, wenn möglich mit der ganzen Familie. So wächst der Zusammenhalt und das Kind versteht, dass eine Geminschaft aus ständigem Geben und Nehmen besteht.
Nehmen Sie Ihr Kind ernst, zeigen Sie ihm aber auch, dass Sie das Sagen haben!

Hören Sie Ihrem Kind zu und zeigen Sie ihm, dass Sie seine Gefühle ernst nehmen. Oft tobt ein Kind nur im ersten Moment, wird es dann in den Arm genommen, fängt es häufig an zu weinen und tiefer liegende Ängste kommen zum Vorschein. Versuchen Sie immer zuerst mit dem Kind ins Gespräch zu kommen und geben Sie dem Kind das Gefühl, dass sie verstanden haben, warum es wütend ist. Das heißt aber nicht, dass es dann seinen Willen stets bekommt!
Nützt einmal kein gar nichts mehr, sollten Eltern sich auch nicht davor scheuen, den Kindern ganz deutlich und mit fester aber ruhiger Stimme einfach etwas anzuordnen. Es ist nicht nötig zu schreien oder lange Vorträge zu halten. Wiederholen Sie einfach immer wieder z.B. „Ich möchte, dass du jetzt dein Buch vom Boden aufhebst und in dein Zimmer trägst.“ Bleiben Sie bei genau diesem Satz und lassen Sie sich von den Antworten Ihres Kindes nicht irritieren. Sie werden verblüfft sein, wie er nach einigen Wiederholungen wirkt.

Kinder, die gelernt haben, sich an Regeln zu halten, ein freudvolles Miteinander, bei dem Geben und Nehmen selbstverständlich sind erleben dürfen und spüren, dass die Eltern nur ihr Bestes wollen, sie ernst nehmen und unterstützen, werden auch gelegentliche Anordnungen akzeptieren. Manchmal sind sie sogar froh darüber nicht selbst entscheiden zu müssen, was als nächstes passiert.


Konflikte mit Jugendlichen
Ein Jugendlicher, der als Kind all das erlebt hat, wird weniger Konflikte heraufbeschwören. Er wird wissen, dass seine Eltern ihm nicht Sinnloses anordnen, sie als Unterstützung akzeptieren und selbst um Rat fragen. Je älter ein Kind wird, desto wichtiger ist es natürlich sich seine Argumente anzuhören und auch einmal mit neuen Informationen neu zu verhandeln. Auch Eltern dürfen ihre Meinung ändern, sie sollten es jedoch nur tun, wenn sie das Verhandlungsgeschick ihres Sprösslings überzeugt hat und niemals weil sie sich vor einem Konflikt mit dem Nachwuchs scheuen!


Autorin: Iris Fischer

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