Luzides Träumen - gelenkte Träume
Auf den Abgrund zurasen, einen Fallschirm zu Hilfe nehmen oder lieber rasch die Traumszene wechseln? Luzide Träumer haben alles unter Kontrolle.
Traumhaft schön, traumhaft bizarr

Was uns tagsüber noch begreiflich erscheint und flüchtig zu verdrängen ist, kann uns nachts in verzerrten Traumbildern den Atem rauben. Plötzlich sitzt uns eine Schar von Verfolgern im Nacken, weil wir im Gegensatz zu den Kollegen eine Gehaltserhöhung bekommen haben, wir knallen der besten Freundin an ihrem Geburtstag die Wohnungstür vor die Nase, weil sie am Vorabend die seit Monaten geplante Reise nach Italien absagen musste und in der Wohnung wird eingebrochen, weil wir in der Zeitung vom Vortag lasen, dass sich ein Großteil der im Handel erhältlichen Sicherheitsschlösser problemlos knacken lässt.
Ob bedrohlich, schön oder einfach bizarr: Die Fantasie kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, das am Tag Wahrgenommene und Erlebte in Träumen zu verarbeiten. Und gewöhnlich haben wir keine andere Wahl, als die Überraschungen, die unser Unterbewusstsein auf Lager hat, solange für Realität zu halten, bis wir schweißgebadet oder enttäuscht aufwachen. Wie erleichternd wäre es da, selbst Regie über den Traum führen, bewusst handeln und sogar die Handlungen seiner Traumpersonen bestimmen zu können? Luzide Träumer, auch Klarträumer genannt, sind genau zu diesen Dingen fähig.

Der Klartraum

Der luzide Träumer träumt nicht nur, sondern weiß auch im Traum, dass er träumt. Er ist in der Lage, den Inhalt seines Traums zu bestimmen und kann bewusste Handlungen setzen, um das Geschehen im Traum zu seinen Gunsten zu lenken. Menschen, die von Klarträumen berichten, erfahren häufig schon im Traum seine Bedeutung und behalten ihn nach dem Aufwachen deutlich in Erinnerung. Klarträume werden jedoch in vielen Fällen spontan erlebt. Einen Traum bewusst herbeizuführen und seinen Verlauf zu kontrollieren, hört sich für den Normalträumer zunächst unmöglich an. Die Existenz von spontanen sowie bewussten, luziden Träumen ist hingegen wissenschaftlich belegt. Klarträumen, so meinen Fachleute, ist mithilfe einiger Techniken sogar erlernbar.

Im Kreis der Oneironauten

Wer regelmäßig an Albträumen leidet und nur mit rasendem Puls und unterdrücktem Aufschrei seinen nächtlichen Qualen entkommt, sollte die Möglichkeit des Klarträumens zur Befreiung von seinen bösen Geistern nützen. Durch vorherige Konzentration auf im Traum stets wiederkehrende Symbole kann etwa die Intensität des Traums geschwächt und damit seine Unwirklichkeit erkannt werden. Sich mehrmals am Tag die Frage nach Wachen oder Träumen zu stellen und so die Grenze zwischen beiden Bewusstseinszuständen durchlässiger zu machen, kann einen Klartraum ebenso begünstigen. Wird die Echtheit der Realität plötzlich nicht mehr als selbstverständlich betrachtet, fällt es auch im Traum leichter, sich vom Traumgeschehen zu distanzieren und zu überprüfen, ob man wacht oder träumt.
Wer fremde Hilfe hat, kann sich außerdem durch visuelle oder akustische Reize daran erinnern lassen, dass er träumt. Wie man zum begabten Oneironauten (Klarträumer) wird, ist bislang nicht eindeutig geklärt. Fest steht, dass es kein Patentrezept für luzides Träumen gibt.
Passiert es daher nicht spontan, bleibt auch Klarträumen für viele Schläfer ein unerreichbarer Traum.

Autorin: Angelika Stallhofer
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