Frische Aufklärung - Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch
„Das Museum ist das Befriedigendste, was ich bisher gemacht habe.“ DDr. Christian Fiala, der Gründer des weltweit ersten Museums für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch, im Interview.
 
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DDr. Christian Fiala ist Arzt für Allgemeinmedizin bzw. Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und beschäftigt sich bereits seit seinem Studium mit Verhütung. Früh beginnt sich Fiala im Bereich Familienplanung und Schwangerschaftsabbruch zu engagieren – nicht nur in Österreich, wo er seit 2003 das Wiener Gynmed Ambulatorium leitet. Er sammelte Erfahrung in Frankreich, Asien und Afrika und eröffnete im März 2007 gemeinsam mit seiner Mitarbeiterin Susanne Krejsa das erste Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch der Welt: am Wiener Mariahilfer Gürtel. Neben hunderten Exponaten vom ersten Kondom über verschiedene Antibabypillen, Spiralen und Schwangerschaftstests wird ein ganzer Ausstellungsraum der Geschichte des Schwangerschaftsabbruchs gewidmet, in dem der illegale Abbruch mit Stricknadeln oder Fahrradspeichen am Küchentisch der heutigen professionellen Praxis gegenübergestellt wird.

 

Wie kam es von Ihrem Bezug zum Schwangerschaftsabbruch zur Einrichtung des Museums?


Wenn Frauen ungewollt schwanger werden, also einen Verhütungsunfall haben, kommen sie zu einem Schwangerschaftsabbruch. Das ist durchaus mit einem Autounfall vergleichbar und es ist die Aufgabe der Ärzte, den Unfall so gut es geht zu reparieren und zu schauen, dass das Leben weitergehen kann. Genauso ist nach einem Verhütungsunfall häufig die einzige Lösung ein Schwangerschaftsabbruch. Es gibt heute eine unglaubliche Anzahl an wirksamen Verhütungsmitteln und trotzdem werden so viele Frauen ungewollt schwanger. Wo liegt also das Problem? Viele Menschen sind nicht genügend über die korrekte Anwendung informiert und auch der Zugang zu Verhütung oder der „Pille danach“ wird vor allem für Jugendliche unnötig erschwert. Neben diesen mechanistischen Aspekten gibt es noch den Bewusstseinsaspekt. Das Museum ist ein Versuch, das Verständnis für die Fruchtbarkeit zu wecken. 15 Schwangerschaften, zehn Geburten, acht überlebende Kinder und jedes zwei Jahre gestillt – das ist die natürliche Fruchtbarkeit, die man heute bei uns nicht mehr erlebt. Es ist selbstverständlich geworden, dass man verhüten kann und nur ein bis zwei Mal im Leben schwanger wird. Aus dieser falschen Vorstellung über Fruchtbarkeit resultiert eine fehlende Motivation, Verhütung anzuwenden. Nur einen Kurs anzubieten: „Wie verhüte ich sicher?“ – das geht am Problem vorbei. Die technischen Informationen sind häufig bekannt und im Internet abrufbar. Bestehen bleibt oft ein Problem des Bewusstseins, das das Museum angehen soll.

 

 

Wie kann man sich das Museum vorstellen?

Der Sinn des Museums liegt darin, Dinge, die in Vergessenheit geraten sind, wieder zugänglich zu machen, ins Bewusstsein zu rufen und wieder in die gesellschaftliche Diskussion zu bringen. Das Museum versucht heranzuführen, zu erläutern und gar nicht schulmeisterlich oder mit einem Zeigefinger, sondern einfach über den historischen Umweg aufzuzeigen, was die Fruchtbarkeit ist. Wie haben die Menschen im Laufe der Jahrhunderte versucht, ihre Fruchtbarkeit zu kontrollieren? Und was ist ihnen alles eingefallen und was haben sie alles gemacht? Und wo sind wir heute, auch dank dieser furchtbaren Leidenswege? Insgesamt haben 50 Menschen am Museum mitgearbeitet, über vier Jahre haben wir weltweit Stücke gesucht. Das war für uns, wie ein Mitarbeiter einmal meinte, wie ein zweiter Bildungsweg.

 

 
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Kommentare
Josefine
2012-10-11 12:05:27
Das ist doch mal interessant. Dieses Museum würde ich gerne einmal mit meinen Kindern besuchen. Sie sind jetzt nämlich in dem "reifen Alter". Ich habe mich schon auf http://harri-wettstein.de/ , wie ich es meinen Kindern bestmöglich vermittle. Allerdings ist es wahrscheinlich einfacher es ihnen in einem Museum beizubringen.