Großfamilien - Alltag im XXL-Format
Kinderreiche Familien haben in der Gesellschaft mit einigen Vorurteilen zu kämpfen. Auch der Alltag und die finanzielle Absicherung stellen eine Herausforderung dar. Trotzdem entscheiden sich viele Paare für eine Großfamilie.
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Wer ist eine Großfamilie

Der Begriff Großfamilie steht einerseits für Familien, die über Generationen viele Nachkommen hervorbringen, andererseits auch allgemein für Familien mit drei oder mehr Kindern. Synonym werden im Sprachgebrauch die Begriffe Mehrkindfamilie oder kinderreiche Familie verwendet. In Österreich sind solche Großfamilien im Vergleich zu früher selten geworden, da die finanzielle Belastung mit jedem Kind steigt. Ein Vorurteil gegen kinderreiche Familien meint, dass entweder sehr reiche Menschen viele Kinder bekommen, um ihren elitären Status zu unterstreichen oder sehr arme Familien, um durch die Kinder an Sozialförderungen des Staates zu kommen.

Wie im Fall der meisten Vorurteile liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Studien zu großen Familien haben gezeigt, dass Eltern mit vielen Kindern meist selbst in einer großen Familie aufgewachsen sind. Außerdem bekommen meist jene Paare mehrere Kinder, die schon früh mit dem ersten Kind beginnen. Es zeigt sich aber auch eine Abhängigkeit zwischen Bildungstand und Kinderreichtum, so verfügen Eltern von drei oder mehr Kindern überdurchschnittlich oft über keinen schulischen oder beruflichen Abschluss. Für jene Familien sind die Sozialleistungen des Staates Österreich die Lebensgrundlage.

Pro und Contra

Kinderreichtum ist heutzutage leider etwas, das man sich leisten können muss. Viele Großfamilien leben in Österreich nahe am Existenzminimum, da das Einkommen der Eltern zu gering im Vergleich zu anfallenden Kosten ist. Ebenso heikel ist die Situation für Migrantenfamilien, die aufgrund ihrer Religion und Kultur große Familien gründen. Aber auch für die Gruppe der gut verdienenden Eltern, die ihren Kindern ein gutes Leben bieten können, bedeutet der Kinderreichtum Verzicht in der Form von Freizeit, beruflicher Karriere und mit jedem Kind eine Einbuße im Lebensstandard.

In einer Familie mit drei oder mehr kleinen Kindern ist es so gut wie unmöglich, dass beide Elternteile voll berufstätig sind. Der Alltag und die Erziehung der Kinder sind mindestens mit einem Vollzeitjob gleichzusetzen. Natürlich gibt es auch gute Gründe für eine große Familie, die vor allem den Kindern Vorteile bringt. Je größer die Familie, desto mehr lernen die Kinder voneinander. Im Familienverband werden wichtige gruppendynamische Prozesse vermittelt, die für das ganze weitere Leben der Kinder bedeutend sind. Wer in seiner Kindheit Vorteile und Nachteile der Zugehörigkeit zu einer Gruppe kennen lernt, wird auch im späteren Leben leichter damit umgehen können.

Wie lebt eine Großfamilie

Das Leben einer Großfamilie kann man sich annähernd vorstellen, wenn man den eigenen Alltag mal der entsprechenden Anzahl der Kinder multipliziert. Wenn also ein Kind einmal Schuhe braucht, einmal Essen bekommt oder einmal von der Schule abzuholen ist, erhöht sich der Aufwand bei beispielsweise vier Kindern um das Vierfache. Kurz gesagt, der Alltag einer Großfamilie lässt den Eltern wenig Freizeit und kann stressig sein.

Dafür ist in einer großen Familie immer was los und Aktivitäten werden gemeinsam unternommen. Sei es ein Tag im Schwimmbad, ein Ausflug in den Zoo oder eine Radtour – der Zusammenhalt ist in Großfamilien üblicherweise sehr hoch. Insgesamt konzentriert sich das Leben viel mehr auf die Familie und das traute Heim. Besondere Gelegenheiten, wie Geburtstage oder der Familienurlaub, werden zur organisatorischen Herausforderung, bei der alle mithelfen.

Tipps für die Erziehung

Aus erzieherischer Hinsicht ist eine kinderreiche Familie eine große Herausforderung, denn das große Ziel ist allen Kindern gleichermaßen gerecht zu werden. Dabei ist es wichtig auf jedes Kind individuell einzugehen und nicht alle zwanghaft gleich zu behandeln. Manche Kinder brauchen mehr Aufmerksamkeit, als andere. Konflikte unter den Geschwistern sollten zudem nicht zu dramatisch eingestuft werden, denn vielfältige Gefühle, wie Liebe, Neid und Eifersucht, sind normal.

Klare Regelungen schaffen klare Verhältnisse. Wenn die Kinder begreifen, warum zum Beispiel die älteren Geschwister länger aufbleiben dürfen, kommt es nicht zu Konflikten. Deshalb ist es wichtig den Kindern viel zu erklären und sie als ernsthafte Gesprächspartner zu behandeln. Auch Probleme, wie finanzielle Engpässe oder Zeitkonflikte, müssen nicht geheim gehalten werden. Je nachdem wie alt die Kinder sind, kann man sie mit schwierigen Situationen vertraut machen und ihnen somit wertvolle Erfahrungen für das Leben mitgeben.

 

 


Autorin: Claudia Wrumnig
 

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