Bauchtanz - Kunst und Verführung
Paillettenbesetzte Kostüme und dazwischen viel nackte weibliche Haut: Der orientalische Tanz sorgte seit jeher für Aufsehen und ist doch mehr als eine Nabelschau.

Vom Kult-Tanz zum Bauchtanz

Die Wurzeln des orientalischen Tanzes liegen in einem Fruchtbarkeitsritus, der bereits im  alten Ägypten aufgeführt wurde. Erotische Bewegungen prägten den Ausdruck der ausschließlich weiblichen Tänzerinnen, die so ihre Männer umgarnten. Die gehobene ägyptische Gesellschaft fand Geschmack daran und sorgte schließlich dafür, dass sich der religiöse Kult-Tanz bald zum Schautanz entwickelte. Anmutige und reich geschmückte Solo-Tänzerinnen in traditionell mit Münzen verzierten Kostümen galten von da an als Blickfang auf allen Festlichkeiten.
Der orientalische Tanz von Heute hat seinen Ursprung in den 1920er Jahren, in einer Zeit, in der die Kabaretts von Kairo regen Zustrom aus aller Welt erfuhren und ihn als Unterhaltungstanz populär machten. Im arabischen Raum unter dem Namen „Raqs Sharqui“, zu Deutsch „Tanz des Ostens“ bekannt, hatte er die Fantasie der Ägypten-Reisenden längst beflügelt. Vierzig Jahre zuvor war der Schriftsteller Emile Zola von Ägypten zurückgekehrt und hatte den Franzosen einen neuen Begriff beschert: „Danse du ventre“ (Bauchtanz) nannte er den orientalischen Tanz, von den kreisenden Bauchnabeln der anmutigen Tänzerinnen offensichtlich so überwältigt, dass ihm die herkömmliche Übersetzung nicht in den Sinn gekommen war.

1893 sorgte dann der Auftritt einer Tänzerin anlässlich der Weltausstellung in Chicago für Furore. Die Darbietung der „Little Egypt“ wurde angesichts ihres entblößten Bauchs zur Sensation und brachte dem orientalischen Tanz auch Übersee die Bezeichnung „belly dance“ ein. Kurze Zeit später übernahm der deutsche Sprachraum den „Bauchtanz“. 1910, bei der Uraufführung der Oper „Salome“ mit ihrem „Tanz der 7 Schleier“ in Chicago, war der Bauchtanz bereits in aller Munde.

Sex sells: Zwischen erotischer Schau und femininem Körpergefühl

Es war die Erotik, die den Bauchtanz um die Welt führte. Der ägyptische Film schenkte den Tänzerinnen zunächst ein breiteres Publikum. Im Westen reagierte Hollywood auf die wachsenden Sehnsüchte nach orientalischen Tanzszenen und ließ Greta Garbo als Mata Hari, später Rita Hayworth als Salome auf der Leinwand tanzen. Als die Flower Power-Generation schließlich gegen die konservativen Werte ihrer Gesellschaft antrat, stellte sie den Bauchtanz in ihren Dienst.

Der orientalische Tanz als Ausdruck für sexuelle Freizügigkeit?

Bis heute wird er oft in diesem Sinne missverstanden, auf die Zurschaustellung nackter Haut reduziert und sogar mit Formen des Striptease gleichgesetzt. Dass er in der arabischen Welt zeitweise verboten war, hat derart einseitige Vorstellungen zwar bestärkt, konnte seine moderne Deutung allerdings nicht aufhalten.

Der Zauber aus Eintausendundeiner Nacht, über die Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts durch zahlreiche Bilder beschworen, hat als östlicher Leuchtturm westlicher Sehnsüchte an Kraft verloren. Der orientalische Tanz wird wieder ernst genommen. Wer heute ein orientalisches Tanzstudio aufsucht, begibt sich viel eher auf die Suche nach dem eigenen Körpergefühl als nach einer Erfolg versprechenden Verführungstaktik. Um die Erotik, die im eigenen Körper steckt, zu entdecken und auszudrücken, bedarf es schließlich keines Publikums.

Da die Tanzbewegungen von der Körpermitte ausgehen, ist der freie Bauch nicht nur keine Frage des Alters: Er unterstützt den Ausdruck und steht symbolisch für die Kraft des weiblichen Körpers. Die zauberhaften Kostüme, die isolierte Bewegung der einzelnen Körperteile, eine ausgeprägte Mimik und Gestik, die vom eleganten bis zum verspielten Ausdruck reichen: All das macht den orientalischen Tanz zu einem nicht ganz alltäglichen Erlebnis.

Zu einer Übersicht der Studios, die orientalische Tanzkurse anbieten, gelangen Sie hier:
www.wientanz.com/index.php//Orient_Tanzen

Autorin: Angelika Stallhofer

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