Segeln - von Manövern und Kuhwenden sowie anderen Abenteuern auf See
Ob Christopher Columbus, James Cook oder Ferdinand Magellan, ob Fortbewegung, Handel, Kriege oder Fischfang – Segeln hatte über viele Jahrhunderte eine große Bedeutung.
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Wieder einmal mehr sollen es die Ägypter gewesen sein, die als erste mit beweglichen Segeln den Nil befahren haben. Nach der Ausbreitung des Segelbootes über die Weltmeere lösten maschinengetriebene Schiffe die von den Bedingungen des Wetters abhängigen Segelboote bald ab. Heutzutage erfüllt Segeln nur mehr selten wirtschaftliche oder militärische Zwecke, sondern wird größtenteils als Freizeitaktivität oder als Wettkampfsport betrieben. Im Segelsport wird zwischen Regattasegeln (Wettkampf) und Fahrtensegeln (mehrtägige Törns) unterschieden.

Segelpraxis

Die meisten Segelboote sind zwar mit einem Motor ausgestattet, werden allerdings hauptsächlich durch Windkraft angetrieben. Entscheidend für das Vorankommen sind dabei der Winddruck auf das Segel, sowie die Luftströmung um das Segel, wobei je nach Kurs zum Wind einer der beiden Effekte überwiegt. In verschiedenen Manövern kann der Kurs zum Wind (Am-Wind-Kurs, Halbwindkurs, Raumschotskur oder Vorwindkurs) durch die Segelführung je nach Bedarf verändert werden. Weitere Manöver sind beispielsweise das Anker- oder das Mann-über-Bord-Manöver, die sich wohl von selbst erklären. Ein wenig komplizierter hält es sich mit folgenden Begriffen:

Anluven und Abfallen: Anluven bezeichnet die Richtungsänderung eines Segelschiffes nach Luv (die dem Wind zugekehrte Seite). Diese Kursänderung bewirkt, dass der Wind mehr von vorne einfällt. Abfallen ist demnach die Richtungsänderung nach Lee (die vom Wind abgewandte Seite). Der Wind fällt so mehr seitlich bzw. von hinten ein.

Wende: Die Wende ist eine Drehung des Bootes mit dem Bug (Vorderteil des Bootes) durch den Wind, die nach dem Kommando „Klar zur Wende“ des Steuermanns durchgeführt wird. Der Vorschoter vergewissert sich ob der Sicherheit des Manövers und gibt die Antwort „Ist klar“. Mit dem Wort „Ree“ wird das Ruder dann Richtung Anluven gelegt. Wenn bei einer Wende eine Kursänderung um mehr als 180° erfolgt, spricht man von einer Q-Wende (Kuhwende).

Halse: Bei der Halse wird das Heck (Hinterteil des Bootes) nach dem Kommando „Klar zur Halse“ durch den Wind gedreht und die Segel anschließend auf der anderen Schiffsseite geführt. Kommt vom Vorschoter „Ist klar“, wird das Boot mit einer weiteren Folge an bestimmten Kommandos in den neuen Kurs gedreht. Neben der regulären Blockhalse werden noch Regattahalse, Gefahrenhalse und Patenthalse unterschieden.

Kreuzen: Wenn das Fahrtziel in der Richtung liegt, aus der der Wind kommt, wird dieses mittels eines Zick-Zack-Kurses angefahren. Es sind also mehrere Kreuzschläge erforderlich, bei denen mehrfach Wendemanöver gefahren werden. Nach jeder Wende wird in möglichst kleinstem Winkel abwechselnd auf Backbord-Bug (links) und Steuerbord-Bug (rechts) gesegelt, um das Ziel zu erreichen.

Und die Gesundheit?

Körperliche Belastungen beim Segeln sind abhängig von der Natur. Wind, Wellen, Strömung, Nässe und extreme Temperaturen prägen laut Deutschem Ärzteblatt 1 sowohl die physische, als auch die psychische Situation der SeglerInnen. Häufig stellen Ärzte bei SeglerInnen Belastungen der Wirbelsäule und des Kniegelenks fest. 40 Prozent der SeglerInnen klagen über Rücken- und mehr als 30 Prozent über Kniebeschwerden. Akute Verletzungen beim Segeln betreffen Finger, Kopf sowie Kniegelenke und Füße, die Herz-Kreislaufbelastung ist als Spiegelbild des gesegelten Regattakurses zu lesen. Das Deutsche Ärzteblatt empfiehlt deshalb eine gute Gesamtmuskulatur, da aufgrund der ständig zu wiederholenden Komplexbewegung der Wirbelsäule mit Beugung, Rotation und Seitneigung Beschwerden und Spätschäden auftreten können. Und auch auf ausreichenden Schutz der Haut sollte beim Segeln nicht vergessen werden.

Segeln in Österreich

In Österreich liegt die Altersgrenze zum Führen eines Bootes bei 14 Jahren. Tragen alle MitseglerInnen eine Schwimmweste, können auch schon 12-jährige das Ruder übernehmen. Im Gegensatz zu anderen Ländern ist für die Binnengewässer in Österreich gesetzlich kein Segelschein notwendig. Es empfiehlt sich dennoch, bei einer der Segel- bzw. Seefahrtsschulen einen Segelschein (Grundschein, danach den A-Schein) zu machen, da er zum Mieten von Segelbooten und als Befähigungsnachweis bei Unfällen notwendig wird. Segelboote müssen nicht angemeldet werden und so gut wie alle Seen von Boden- über Wolfgang- bis zum Neusiedlersee und Wasserstraßen Österreichs dürfen befahren werden. Ausnahmen sind durch Verbotstafeln gekennzeichnet. Zudem ist es ratsam, sich in verschiedenen Teilbereichen des Segelns schlau zu machen. Neben der Segeltechnik, deren Fachausdrücke und Kommandos sind auch Seerecht, Knotenkunde, Astronavigation, Höflichkeitsregeln und entsprechendes Wissen über das Wetter notwendige Elemente des Segelns.

Und auch Österreichs SportseglerInnen können sich durchaus sehen lassen. Sylvia Vogl und Carolina Flatscher holten sich dieses Jahr am Gardasee den Europameistertitel im 470er, Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher wurden als erstes Team zweimal in Folge Olympiasieger (2000 und 2004) im Tornadosegeln.

1 Deutsches Ärzteblatt 1999; 96: A-542-546 (Heft 9)

Autorin: Mirjam Bromundt

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