Sicher Radfahren - Survivaltipps für Metropole und Provinz
Ob in der Großstadt oder auf dem Land: Wer auf zwei nicht-motorisierten Rädern unterwegs ist, tut seiner Gesundheit und der Umwelt Gutes. Um die größtmögliche Sicherheit beim Radfahren zu gewährleisten, ist allerdings Eigeninitiative gefragt.

Natürlich - mit den Fehlern anderer Verkehrsteilnehmer muss immer gerechnet werden. Nicht zuletzt deshalb, weil Radfahrer neben Fußgängern das schwächste Glied in der Kette sind. Doch für Sicherheit kann jeder selbst sorgen. Das beginnt mit der grundlegenden Kenntnis der Verkehrsregeln, vor allem aber mit deren Einhaltung...
Auch wenn manche gelangweilt gähnen werden - die Fahrradprüfung liegt oft Lichtjahre zurück, deshalb:

Für alle Verkehrsteilnehmer in Österreich gilt die Straßenverkehrsordnung (StVO):

1) Radfahrer haben auf Radfahranlagen (Radwegen, Geh- und Radwegen, Radfahrstreifen, Mehrzweckstreifen, Radfahrerüberfahrten) Vorrang. Nachrang besteht beim Verlassen der Radfahranlage.

2) Das Queren von Schutzwegen hat so zu erfolgen, dass Fußgänger dabei nicht gefährdet werden. Diese haben auf dem Schutzweg Vorrang.

3) An Stellen, wo der Verkehr nicht durch Licht- oder Armzeichen geregelt wird, dürfen Radfahrer die Radfahrer-Überfahrten mit einer Geschwindigkeit von maximal 10km/h befahren. Schienen- und Einsatzfahrzeuge, die sich dem Radübergang nähern, haben Vorrang.

4) Radfahren gegen die Einbahn ist in Einbahnstraßen erlaubt, wenn eine Zusatztafel die Radfahrer von der Einbahnregelung ausnimmt. In Wohnstraßen ist Radfahren gegen die Einbahn erlaubt.

5) Es besteht die Pflicht zur Benützung von Radfahranlagen. Ausgenommen sind einspurige Fahrräder mit Anhängern, die weniger als 80 cm breit sind, sowie Trainingsfahrten mit Rennfahrrädern.

6) Radfahrer dürfen sich vor Kreuzungen, Eisenbahnübergängen oder Straßenengen neben oder zwischen den angehaltenen Fahrzeugen vorschlängeln. Allerdings nur, wenn dafür ausreichend Platz vorhanden ist und Fahrzeuge nicht beim Einbiegen behindert werden. Trotzdem sollte man vorsichtig und mit angemessenem Tempo vorfahren, um auf plötzliche Situationen, wie beispielsweise das Öffnen einer Autotüre, rasch reagieren zu können. (Quelle: www.wien.gv.at und ARBÖ)

Die subjektive, exklusive, ultimative Sicherheitsliste

Als passionierte Radfahrerin in Wien ergänze ich noch um folgende, (noch) nicht gesetzlich verankerte Survival-Tipps:

  • Rote Ampeln zu ignorieren bringt wenig. Außer Lebensgefahr durch unvorhergesehene Abbieger von rechts oder links hinten. Inklusive Peinlichkeitsfaktor: An der nächsten roten Ampel, die nicht mehr ignoriert werden kann, weil sie über eine mehrspurige Straße führt, wird man von der Schar an "Strebern" eingeholt, die brav bei der letzten roten Ampel gewartet haben. Selbstmotivation ist gefragt: An roten Ampeln zu warten, bedeutet eine kleine konzentrationsfördernde Pause und außerdem Entspannung fürs Auge, indem man andere Radfahrer beim Rot-über-die-Kreuzung-Fahren beobachtet.
  • Routine kann gefährlich werden, da manchmal das Gefühl für die eigene Geschwindigkeit abhanden kommt. Deshalb macht es Sinn, immer etwas langsamer zu fahren, als man fahren würde.
  • Das Zauberwort für Radfahrer lautet "rechtzeitig": rechtzeitig schauen, rechtzeitig reagieren, rechtzeitig bremsen... vor allem aber rechtzeitig von zu Hause wegfahren, denn Stress provoziert Fahrfehler und Geschwindigkeitsrausch.
  • Choleriker sollten, vorwiegend aus Gründen des Selbstschutzes, besser auf das Radfahren verzichten. Zumindest auf Strecken, wo andere Verkehrsteilnehmer involviert sind. Wut verursacht Fehlreaktionen, und diese führen ins Krankenhaus.
  • Ebenso führt ein ausgeprägtes Rechtsbewusstsein nicht unbedingt zum Ziel, sondern (vgl. oben) ins nächste Krankenhaus. Defensiv fahren bedeutet mit Fehlern "der Anderen" rechnen. Gegenüber einem abbiegenden LKW, der die grüne Radfahrer-Ampel ignoriert, ist es gesünder, nicht auf sein Recht zu pochen. Außerdem: LKW-Fahrer leiden unter einem "Toter Winkel-Phänomen", das in etwa der Größe ihres LKW entspricht. Egal von welcher Seite man sich anpirscht, man wird meist nicht gesehen.
  • Der Blick des Radfahrers sollte überall hin schweifen - vor allem aber auf die Fahrbahn: Nicht oder zu spät bemerkte Schwellen, Löcher, nasse Stellen, Risse im Asphalt führen besonders bei dünnen Reifen ins.... Sie erraten es.
  • Wehende Röcke, lange Schals, weite Hosenbeine sind ein gefundenes Fressen für die Speichen. Zwar kann nicht alles durch ein, am besten reflektierendes, Klettband zusammengehalten werden. Aber fast alles.
  • Schuhe mit rutschfester Sohle gibt es auch als High Heels... Zu weite Schuhe sind ein Risikofaktor: Höchste Vorsicht ist etwa beim Zurückholen eines am Mittelstreifen verlorenen Schuhs geboten.

Ohne Helm schön - mit Helm ein Monster?

Ja, wir wissen, dass es unverantwortlich ist, ohne Fahrradhelm unterwegs zu sein. Aber immerhin geht es um Eigenverantwortung. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass man durch Helmverweigerung nicht nur sich selbst nicht vor sich selbst schützt. Die durch Kopfverletzungen verursachten horrenden Kosten im Krankenhaus-, Reha- und Pflegeheim belasten das Sozialsystem, darüber hinaus auch Konto und Psyche von Verwandten und Freunden. Von 1998 bis 2008 hat sich die Zahl der schweren Kopfverletzungen verdoppelt, gibt die Österreichische Gesellschaft für Unfallchirurgie bekannt. Hochgerechnet zwölf bis 15 schwere Kopfverletzungen pro Jahr scheinen zwar nicht viel, und auch die gestiegene Beliebtheit des Rades im Stadtverkehr spielt dabei eine Rolle. Dennoch könnten die meisten schweren Kopfverletzungen durch einen richtig sitzenden Fahrradhelm vermieden werden. Die Angst um das eigene Aussehen und die Beschränkung des Freiheitsgefühles - Haare im Wind etc. - sind für die meisten Radfahrer Gründe, keinen Helm zu tragen. Durch die Luftlöcher moderner Helme bleibt das Freiheitsgefühl jedoch weitgehend erhalten. Und was die Sorge um das eigene Aussehen betrifft: mit keinem Fahrradhelm auf dem Kopf kann man ohne Aufwand das Stadtbild ästhetisch bereichern. Mit Fahrradhelm schaut die Sache mit der Ästhetik schon etwas anders aus. Betrachten wir es als Herausforderung...

Alles leuchtet

Bei Radtouren sollte man darauf achten, genug zu trinken, leicht zu essen und vor allem nicht über die eigenen Grenzen zu gehen - speziell wenn man in Gruppen unterwegs ist. Allgemein gilt es, Abstand zum vorderen Fahrzeug zu halten. Sonnenschutz, der aus Sonnencreme bzw. -blocker und einer Kopfbedeckung (Helm) besteht, dient der Vermeidung von Sonnenstich und -schädigung. Stretching-Übungen am Abend beugen dem Muskelkater vor und lockern verspannte Regionen wie Nacken und Schultergürtel. Manchmal wird es später als geplant, und Nächte dauern lang, weshalb eine Kontrolle von Vorder- und Rücklicht bzw. die Mitnahme flexibler Lichter empfehlenswert ist. Ein Rad-Service - Bremsbeläge, Reifen, Rahmen etc. - sollte zumindest ein Mal im Jahr erfolgen. Rückstrahler vorne, hinten, seitlich an den Rädern, an Pedalen und eine laute Glocke bzw. Hupe (gibts auch als Krokodil, oder mit Motorradsound) sind nicht nur Pflicht, sondern lassen uns unüberseh- und hörbar strahlen, leuchten und klingen!

Autorin: Mag.a Eva Tinsobin

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